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Politik

Arme Kinder werden häufiger stationär versorgt

Mittwoch, 12. Dezember 2018

/Gorodenkoff, stockadobecom

Berlin – Kinder aus Haushalten mit niedrigem sozioökonomischen Status (SES) nehmen tendenziell andere Ärzte in Anspruch als Kinder aus wohlhabenden Familien. Auch bei der Zahnpflege und bei den Kranken­haus­auf­enthalten zeigen sich Unterschiede. Das zeigen neue Daten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS). Die Ergebnisse der zweiten Folgebefragung KiGGS Welle 2, die sich auf die Jahre 2014 bis 2017 beziehen, hat das Robert-Koch-Institut (RKI) jetzt im Journal of Health Monitoring veröffentlicht.

Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem SES nehmen danach häufiger Fachärzte für Allgemeinmedizin, Gynäkologie, Psychiatrie, Kinder- und Jugend­psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychologen beziehungsweise psychologische Psychotherapeuten in Anspruch. Kinderärztliche, dermatologische sowie zahnärztliche beziehungsweise kieferorthopädische Praxen hingegen werden vermehrt von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit hohem SES aufgesucht.

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Keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Statusgruppen sind in Bezug auf die Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher Leistungen in Krankenhäusern festzustellen. Allerdings werden Kinder und Jugendliche aus der niedrigen Statusgruppe häufiger in Krankenhäusern stationär versorgt und sie verbringen im Durchschnitt mehr Nächte im Krankenhaus.

Der Analyse zufolge wurde von den Kindern und Jugendlichen aus der niedrigen Statusgruppe mit 8,4 Prozent gegenüber 6,8 Prozent ein etwas höherer Anteil innerhalb eines Jahres stationär versorgt als von Gleichaltrigen aus der hohen Statusgruppe. Würden allerdings etwaige Unterschiede in der Zusammensetzung der Statusgruppen nach Alter, Migrationshintergrund und Geschlecht statistisch kontrolliert, ergebe sich gegenüber der Referenzgruppe der Kinder und Jugendlichen mit hohem SES sowohl in der niedrigen als auch in der mittleren Statusgruppe ein um den Faktor 1,4 erhöhtes Risiko, innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens eine Nacht im Krankenhaus verbracht zu haben, schreibt das RKI.

Zudem haben die Kinder und Jugendliche aus der niedrigen Statusgruppe mit durchschnittlich rund zehn Nächten der Analyse zufolge mehr als doppelt so viele Nächte im Krankenhaus wie Gleichaltrige aus der hohen Statusgruppe (vier Nächte) verbracht. Die nach Geschlecht differenzierte Betrachtung zeigt, dass Mädchen aus Familien mit niedrigem SES häufiger und durchschnittlich länger in den letzten zwölf Monaten stationär versorgt wurden als Mädchen aus Familien mit hohem SES. Bei Jungen zeichneten sich diesbezüglich keine auffälligen Unterschiede ab, hieß es.

Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie

Physiotherapie nehmen laut der Studie innerhalb eines Jahres 9,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Anspruch, 6,1 Prozent nutzen Logopädie und 4,0 Prozent Ergotherapie. Soziale Unterschiede bestehen auch hier. Sozial benachteiligte Kinder nutzen häufiger Ergotherapie und Logopädie, während Physiotherapie seltener in Anspruch genommen wird.

Daten aus KiGGS Welle 2 zufolge putzen sich 22,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu selten die Zähne. Heranwachsende mit mittlerem oder niedrigem Sozialstatus erreichen deutlich seltener die Empfehlungen zur Zahnputzhäufigkeit als Gleichaltrige der hohen Statusgruppe. „Hier spielen Kindertagesstätten und Schulen als Settings eine zentrale Rolle“, betonen die Autoren aus dem RKI. © hil/aerzteblatt.de

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