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Medizin

Wieso rotes Fleisch ungesund für Herz und Gefäße sein könnte

Donnerstag, 13. Dezember 2018

/Nataliya Dvukhimenna, stock.adobe.com

Cleveland/Ohio – Der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch hat in einer experi­mentellen Ernährungsstudie im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy799) zu einem deutlichen Anstieg des biogenen Amins TMAO (Trimethylaminoxid) im Blut geführt, das in früheren Studien mit einem erhöhten Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde.

Warum Menschen mit einem vermehrten Verzehr von „rotem“ Rind-, Kalb-, Schweine-, Schaf- oder Lammfleisch ein erhöhtes Risiko auf atherosklerotische Erkrankungen haben, wie dies epidemiologische Studien zeigen, ist nicht bekannt. Bisher wurden vor allem gesättigte Fettsäuren und Cholesterin als Gründe vermutet. Der US-Forscher Stanley Hazen von der Cleveland Clinic ist dagegen davon überzeugt, dass das im roten Fleisch enthaltene Carnitin der Verursacher ist. Carnitin wird im Darm von Bakterien zu Trimethylamin verstoffwechselt, das nach der Resorption in der Leber in Trimethylaminoxid (TMAO) umgewandelt wird.

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In früheren Studien konnte Hazen nachweisen, dass die TMAO-Konzentration im Blut mit einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Menschen mit der höchsten Konzentrationen (oberstes Viertel) erkrankten oder starben in den Folgejahren 2,5-fach häufiger an Herzinfarkt oder Schlaganfall (NEJM 2013; 368: 1575-84).

Es war jedoch unklar, ob tatsächlich die Ernährung für den Anstieg der TMAO-Konzentration verantwortlich ist. Der Forscher hat deshalb zusammen mit dem US-National Heart, Lung, and Blood Institute eine randomisierte Studie durchgeführt, in der 113 gesunde Männer und Frauen sich einer fleischbetonten Diät unterzogen. 4 Wochen lang gab es täglich Fleischmahlzeiten in Form eines 250-Gramm-Steaks oder 2 Hamburgern mit 250-Gramm-Buletten. Nach einer 2-wöchigen Auswaschphase folgte dann eine 4-wöchige Diät mit einem hohen Anteil an Geflügelfleisch und zum Abschluss – erneut nach einer 2-wöchigen Auswaschphase – ein fleischfreier Monat. Bei der Hälfte der Teilnehmer wurde der Fettgehalt der Nahrung gesenkt, was allerdings keinen Einfluss auf den Endpunkt der Studie hatte, der Konzentration von TMAO im Plasma und im Urin.

Nach den vorgestellten Ergebnissen führte nur die Ernährung mit rotem Fleisch zu einem deutlichen Anstieg der TMAO-Plasmakonzentration auf das 3-Fache. Dieser Anstieg war reversibel. Nach dem Wechsel auf die Geflügeldiät oder eine vegetarische Kost kam es sofort zu einem Rückgang der TMAO-Werte. TMAO wurde relativ rasch über die Nieren ausgeschieden. Auf welche Weise es das Fortschreiten der Atherosklerose beschleunigt, ist nicht klar. Experten vermuten, dass TMAO den Einbau von Cholesterin in die Gefäßwand fördern könnte.

Ob eine Ernährung, die die Bildung von TMAO vermindert, eine protektive Wirkung hätte, kann aus den bisherigen Studien nicht geschlossen werden. Der Nachweis würde längere randomisierte Interventionsstudien erforderlich machen, die sehr aufwendig sind und deshalb selten durchgeführt werden. Hazen hat allerdings einen Wirkstoff entwickelt, der die Enzyme der Darmbakterien blockiert, die an der Bildung von TMAO beteiligt sind. Im Frühjahr veröffentlichte der Forscher in Nature Medicine (2018; 24: 1407-1417) erste tierexperimentelle Ergebnisse, in denen die einmalige Einnahme die TMAO-Konzentration im Plasma über 3 Tage senkte. Klinische Studien am Menschen sind bisher nicht durchgeführt worden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #754496
Wähnert
am Freitag, 28. Dezember 2018, 18:49

plaquebildung

Stirbt der pharmainduzierte Irrglaube an Cholesterin nie aus!?
Homocystein ist der Verursacher der Plaquebildung und der Schutz davor die Folsäure im Salat/Gemüse. Zu einfach und zu billig.
Avatar #753217
Pater Rolf Lingen
am Sonntag, 16. Dezember 2018, 16:14

"Studienlage zu rotem Fleich nicht eindeutig"

So oder so ähnlich hätte der Titel des Artikels lauten müssen.
Und der erste Satz hätte z.B. so lauten müssen:
"Ob eine Ernährung ohne rotes Fleisch eine protektive Wirkung hätte, kann aus den bisherigen Studien nicht geschlossen werden."
Das wäre der Intention zu informieren (im Gegensatz zu beunruhigen) angemessener gewesen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 14. Dezember 2018, 11:27

DIE "HAXE DES BÖSEN"?

Carcinogenicity of consumption of red and processed meat‘ war der plakative Titel einer Publikation, von 22 internationalen Experten aus 10 Ländern gemeinsam mit der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon/F im Lancet. Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch (‚processed meat‘), insbesondere gebraten, gegrillt und nitrosamin-/acrylamid-haltig wurde mit unbehandeltem Schlachtfleisch (rotem Fleisch) in einen Topf geworfen. Peinlich für WHO-IARC-Experten: Sie mussten mit ihren voreiligen Schlussfolgerungen und Warnungen (Lancet Oncol 2015, online 26. Oktober) zurückrudern.
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2815%2900444-1/fulltext

Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch erhöht beim Menschen geringfügig das allgegenwärtig altersabhängige Krebsrisiko. Das wissen wir schon lange. Die Gattung Mensch is(s)t allerdings mit ihrem Gebiss, ihrer Beißmuskulatur, ihren Darm-, Verdauungs- und Ausscheidungs-Tätigkeiten „Allesfresser“ (Omnivore): Vergleichbar mit hochentwickelten Primaten ist der Homo sapiens auf eine obst- und vegetabil betonte Mischkost mit Fleisch, Fisch, Geflügel, Getreide und Milch-(Produkten) angewiesen.

Sein Energiebedarf über Protein, Kohlenhydrat, Fett, Mineralstoffe und Spurenelemente ist wegen der Gehirnentwicklung viel höher als bei anderen Primaten. Der global immer weniger Energie-verbrauchende Lebensstil, mangelnde Anstrengungs- und Aufwands-Kultur bzw. Bewegungsarmut post-industrieller Gesellschaften bei exzessivem Nahrungsmittelüberfluss führt gegenüber Armutsländern zu metabolischer Entgleisung, Diabetes mellitus und wachsendem kardio-pulmonalem bzw. nephro-vaskulären Risiko mit sekundärer Tumorinduktion: Dennoch steigt die Lebenserwartung und deren Abstand selbst gegenüber Armuts- und Schwellenländern immer weiter an.

Das ist der wesentliche Grund für die völlig naiv-empiristisch-heuristische, vorlaute Ableitung eines erhöhten Sterberisikos bei Konsum von rotem Fleisch, wenn man nicht zwischen „processed meat“ und „non-processed meat“ differenzieren will. Wir sterben nicht weil, sondern während wir zu viel rotes Fleisch essen und weil uns der allgemeine Überfluss zu dick macht! Das sogenannte „rote Fleisch“ sieht in Wahrheit blass-grau-braun-rosé aus, wird aber vom Metzger auf Wunsch der Verbraucher extra rot eingefärbt. Es macht statistisch bei normalen Mengen keine Erhöhung des Krebsrisikos… http://news.doccheck.com/de/blog/post/3153-haxe-des-boesen-3-0/

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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