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Ärzteschaft

Digitales Rezept: Montgomery begrüßt geplanten Gesetzentwurf

Freitag, 14. Dezember 2018

/makistock, stockadobecom

Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die in dem Entwurf zum Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) enthaltenen Regelungen für das digitale Rezept begrüßt. „Der Deutsche Ärztetag hat in diesem Jahr berufsrechtlich den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung geebnet“, sagte Frank Ulrich Montgomery im Vorfeld der Verbändeanhörung des Referentenentwurfs im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium am kommenden Montag.

Es sei folgerichtig, dass jetzt auch der Gesetzgeber tätig wird und die ärztliche Verschreibung von Arzneimitteln im Rahmen einer ausschließlichen Fernbehandlung ermöglicht. Montgomery wies darauf hin, dass Ärzte auch bei der Arzneimittel­verordnung im Rahmen der ausschließlichen Fernbehandlung ihrer im Berufsrecht verankerten Sorgfaltspflicht nachkommen müssten. „Sie müssen in jedem Einzelfall prüfen, ob die Arzneimittelverschreibung aus der Ferne medizinisch vertretbar und sicher ist oder nicht", so der BÄK-Präsident.

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Geplante Sicherheitsmaßnahmen lobenswert, aber ausbaufähig 

In einer schriftlichen Stellungnahme zu dem Gesetzesvorhaben hat die BÄK zusammen mit der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zudem die geplanten Maßnahmen für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung gelobt. Insbesondere sind aus Sicht der BÄK und der AkdÄ die Stärkung der Koordinierungsfunktion der Bundesoberbehörden bei Vorkommnissen mit gefälschten beziehungsweise qualitätsgeminderten Arzneimitteln sowie die Erweiterung ihrer Rückrufkompetenz bei Sachverhalten richtige und wichtige Vorhaben. Weitere Schritte seien jedoch notwendig. BÄK und AkdÄ haben sich deshalb dafür ausgesprochen, vorhandene „Lücken“ in der Überwachung des Verkehrs mit Arzneimitteln durch geeignete gesetzliche Regelungen zu schließen und damit für höhere Patientensicherheit in der medikamentösen Therapie zu sorgen.

Verbot des Parallelvertriebs von Arzneimitteln notwendig

So haben BÄK und AkdÄ den Gesetzgeber aufgefordert, ein Verbot des Parallelvertriebs von Arzneimitteln in die fachliche und politische Diskussion einzubringen. Der Grund: Die Vertriebswege und Lieferketten von Arzneimitteln in und außerhalb der Europäischen Union mit mehreren Zwischenhändlern seien unübersichtlich und hätten in den letzten Jahren häufig zu kriminellen Manipulationen geführt beziehungsweise diese begünstigt. „Der Parallelvertrieb von Arzneimitteln dient dabei zunehmend als Zugangsweg für gestohlene oder gefälschte Arzneimittel. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der sogenannte Lunapharm-Skandal“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch für die Sicherstellung der Versorgung von Patienten mit essenziellen Arznei­mitteln seien die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend. Versorgungsengpässe bestünden weiterhin. Als Beispiele nannten BÄK und AkdÄ die aktuellen Liefer- und Versorgungsengpässe zu Ibuprofen, zum Antibiotikum Piperacillin/Tazobactam sowie zum Antimykotikum Amphotericin B. Sie haben daher die Einführung einer verpflichtenden Meldung der pharmazeutischen Unternehmer im Fall von unmittelbar drohender Gefahr eines Versorgungsmangels gefordert. © hil/sb/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 16. Dezember 2018, 12:07

Illusionäre Verkennung?

Illusionäre Verkennung?
Mit dem Statement. „Rezepte auf Papier könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Mit der zügigen Einführung des elektronischen Rezepts (E-Rezept) will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vor allem die Telemedizin voranbringen“ belegen nicht nur der Fachminister, sondern auch KBV- bzw. GKV-Funktionärsriegen weitgehende Ahnungslosigkeit.

Jede/r, der/die schon einmal auch nur einen Tag den Mitarbeitern/-innen einer Vertragsarztpraxis über die Schulter geschaut hat, müsste wissen, dass unseren Patientinnen und Patienten das rote „Kassenarzt“-Rezept nur für kurze Zeit zur Verfügung steht: Denn spätestens beim Verlassen der Apotheke gehört das rote GKV-Rezept als Muster 16 „der Vergangenheit an“, weil die Apotheke es ersatzlos einbehält. Der Patient weiß so noch nicht einmal, ob das korrekte Medikament (unter anderem Namen und Hersteller?) ausgehändigt, beschriftet und für ihn so günstig wie möglich (Festbetrag/Arzneimittel-Rabatt/Zuzahlung/galenische Kompatibilität) abgerechnet wurde. Manche Krankenkassen schließen z. B. gezielt prioritär zu bedienende Rabattverträge mit Medikamenten-Zuzahlungen ab, um ihr Medikamenten-Budget mit den Patienten-Zuzahlungen von 5€ bis 10€ zusätzlich zu entlasten, obwohl es zuzahlungsfreie, vergleichbare Generika-/Original-Präparate gibt. Es steht zu befürchten, das unsere Patientinnen und Patienten diese Problematiken auch in Zukunft mit dem elektronischen Rezept (E-Rezept) nur mit sehr ausgefeilten EDV-Kenntnissen durchschauen werden.

Das ist auch einer der entscheidenden Gründe, dass zusätzlich Medikationspläne erstellt werden müssen: Weil Patienten oft gar nicht mehr wissen, bei welchen Ärzten sie welche Medikamente gegen welche Krankheiten auch immer bekommen haben oder schon gar nicht memorieren können, in welchen Apotheken wofür oder wogegen sie verschiedene, rezeptfrei verkäufliche Präparate (OTC) bekamen.

Elektronische Rezepte (E-Rezept) werden daran insbesondere für unsere älteren, EDV-fernen, teilhabe- und kommunikations-eingeschränkten Patientinnen und Patienten keine Verbesserungen bringen können. Und die Politik spekuliert darauf, dass die oben beschriebenen Feinheiten des elektronischen Rezepts (E-Rezept), wie auch die des bisherigen, papiergestützten "Kassenrezepts", von den eigentlichen "Endverbrauchern" niemals durchschaut werden können.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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