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Ausland

UN-Gipfel billigt Regelwerk zum Klimaschutz

Montag, 17. Dezember 2018

/dpa

Kattowitz – Der Weltklimagipfel in Polen hat nach zwei Wochen zäher Verhandlungen ein Regelwerk zum Klimaschutz beschlossen. Es soll helfen, die Erderwärmung und ihre Folgen wie Dürren, Stürme, Starkregen und Überschwemmungen einzudämmen. Das in Kattowitz (Katowice) von fast 200 Staaten gebilligte Dokument legt fest, dass alle Länder regelmäßig berichten müssen, wie viel Treibhausgase sie ausstoßen und was sie dagegen tun.

UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem „soliden“ Ergebnis, mahnte aber zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Er lud für September zu einem großen UN-Treffen ein, bei dem die Staats- und Regierungschefs Farbe bekennen sollen.

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Gipfel-Präsident Michal Kurtyka nannte die Beschlüsse „1.000 kleine Schritte nach vorne“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: „Ein Bravo an die UN, die Wissenschaftler, die NGOs und alle Unterhändler.“ Frankreich und Europa müssten nun den Weg weisen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte, in geopolitisch schwierigen Zeiten habe der Gipfel gezeigt, dass es sich lohne, beharrlich an einem globalen Konsens zu arbeiten. Ab 2024 müsse sich nun zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen lassen. Deutschland hinkt den eigenen Zielen sebst aber seit Längerem hinterher.

Umweltverbände zeigten sich unzufrieden mit den Ergebnissen des Gipfels und mahnten zu mehr Klimaschutz und Solidarität mit armen Ländern. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan wies darauf hin, dass etwa ganzen Nationen das Versinken im Meer und damit die „Auslöschung“ drohe. „Ein Jahr voller Klimakatastrophen und ein­dringliche Warnungen der besten Wissenschaftler weltweit hätten zu viel mehr führen sollen.“

Der Klimaforscher Ottmar Edenhofer, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgen­forschung, sagte mit Blick auf die global zuletzt gestiegenen Treibhausgasemissionen, ein Kursschwenk sei unumgänglich. „Wir bewegen uns mit großer Geschwindigkeit in die falsche Richtung.“

Sabine Minninger von Brot für die Welt nannte es bedauerlich, dass keine Einigung auf finanzielle Unterstützung von besonders armen und verletzlichen Staaten bei der Bewältigung von Klimaschäden zustande kam. Michael Schäfer vom WWF stellte fest: „Die Regierungen der Welt brauchen viel mehr Druck von ihren Bürgerinnen und Bürgern, endlich mit dem Klimaschutz Ernst zu machen.“ 

Das Präsidiumsmitglied des Deutschen Naturschutzrings, Hermann Ott, warf einer kleinen Gruppe von Staaten, „notorisch die USA, Russland und Saudi-Arabien“, vor, die Verhandlungen in Polen aus Eigeninteresse gebremst zu haben, um ihre heimische Öl- und Gasindustrie zu schützen.

Die Verhandlungen sollten eigentlich Freitag enden, zogen sich aber hin. Die Entscheidung fiel schließlich erst einen ganzen Tag später – was für Klimagipfel aber nicht ungewöhnlich ist. Zuletzt hatten noch Brasilien und die Türkei für Verzögerungen gesorgt.

Strittig waren in Kattowitz auch Fragen rund um Finanzhilfen der reicheren Länder für die ärmeren. Beschlossen wurde nun: Die Geberländer müssen künftig zwar allgemein angeben, welche Hilfen sie geben wollen. Wie viel und an welches Land genau ist damit aber nicht festgelegt. Bis zuletzt gab es auch Ärger um den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten; dieses Kapitel wurde nun ausgespart und vertagt.

Das gut 130 Seiten starke Regelbuch des Weltklimagipfels soll das als historisch eingestufte Pariser Klimaabkommen von 2015 praktisch umsetzen. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um etwa ein Grad erwärmt, Deutschland sogar noch etwas stärker. Der nächste UN-Klimagipfel tagt in Chile, und zwar nach Angaben des dortigen Umweltministeriums entweder im Dezember 2019 oder im Januar 2020. © dpa/aerzteblatt.de

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