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Medizin

Morbus Hodgkin: Hohes Zweitkrebsrisiko nach Behandlung von Kindern in den 1970er-/80er-Jahren

Montag, 17. Dezember 2018

/dpa

Birmingham/Alabama – Bis zu einem Viertel aller Patienten, die bis Mitte der 1980er-Jahre zur Behandlung eines Morbus Hodgkin eine Hochrisiko-Bestrahlung erhielten, ist seither an einem Zweittumor erkrankt. Dies kam in einer Kohortenstudie in Cancer (2018; doi: 10.1002/cncr.31807) heraus.

Eine Radiotherapie hat vor einem halben Jahrhundert erstmals eine Heilung des Morbus Hodgkin ermöglicht. Anfangs wurden alle Körperregionen, die vom Lymphom befallen waren, großflächig bestrahlt. Heute erfolgt in der Regel eine kombinierte Chemo-Strahlentherapie, um die Folgen der Radiotherapie zu minimieren.

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Zu den späten Folgen gehören Zweittumore, die oft erst Jahrzehnte nach der Behandlung auftreten. Ein Team um Smita Bhatia von der Universität von Alabama in Birmingham hat hierzu die Daten von 1.136 Patienten ausgewertet, bei denen zwischen 1955 und 1986 ein Morbus Hodgkin diagnostiziert wurde. Die Patienten waren zum Zeitpunkt der Behandlung unter 18 Jahre alt.

Jeder vierte (26,4 Prozent) ist seither erneut an Krebs erkrankt. Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung ist das Krebsrisiko um den Faktor 14 erhöht (95-%-Konfidenzintervall 12,0‐ bis 16,3‐fach).

Das Krebsrisiko hängt vom Alter bei der Behandlung und von den bestrahlten Körperregionen ab: Eine Bestrahlung des Brustkorbs im Alter von 10 bis 16 Jahren hatte bei Frauen am häufigsten ein Mammakarzinom zur Folge. Bei Männern war das Risiko auf einen Lungenkrebs am höchsten, wenn sie vor dem zehnten Lebensjahr eine Thoraxbestrahlung erhalten hatten.

Die Kombination aus Bauch-/Beckenbestrahlung und einer hochdosierten Chemo­therapie mit Alkylanzien führte am häufigsten zu einem Kolorektalkarzinom. Frauen, bei denen im Alter von unter 10 Jahren die Halsregion bestrahlt wurde, hatten das höchste Risiko auf ein Schilddrüsenkarzinom.

Die kumulativen Inzidenzen in den Hochrisikogruppen betrugen 45,3 % für Brustkrebs, 4,2 % für Lungenkrebs, 9,5 % für Darmkrebs und 17,3 % für Schilddrüsenkrebs.

Bhatia rät den betroffenen Patienten dringend, an Vorsorge- und Früherkennungs­untersuchungen teilzunehmen. Patienten, die heute behandelt werden, haben möglicherweise ein geringeres Risiko auf Zweittumore, da die Strahlentherapie seit den 1980er-Jahren deutlich eingeschränkt wurde und die Chemotherapie weniger aggressiv ist. © rme/aerzteblatt.de

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