NewsMedizinVorsorgekoloskopie: Darmkrebs- und Sterberisiko auch nach zehn Jahren deutlich gesenkt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vorsorgekoloskopie: Darmkrebs- und Sterberisiko auch nach zehn Jahren deutlich gesenkt

Dienstag, 18. Dezember 2018

/Robert Przybysz, stock.adobe.com

Oakland/Kalifornien – Wenn bei einer Vorsorgekoloskopie keine Polypen gefunden werden, ist das Risiko, in den nächsten 10 Jahren an Darmkrebs zu erkranken, gering. Dies zeigt eine Auswertung von Daten einer US-Kran­ken­ver­siche­rung in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.5565). Sie bestätigt die empfohlenen langen Untersuchungsintervalle.

Die meisten Leitlinien raten alle 10 Jahre zu einer Vorsorgekoloskopie, die in Deutschland ab einem Alter von 55 Jahren eine Kassenleistung ist. Das lange Intervall beruht auf Überlegungen, nach denen sich kolorektale Karzinome grundsätzlich erst nach einer langen Latenzphase aus Adenomen entwickeln, deren Entfernung die Koloskopie zu einer Vorsorgeuntersuchung macht während etwa die Mammografie beim Brustkrebs eine reine Früherkennung ist.

Anzeige

Da die Vorsorgekoloskopie in Deutschland eine relativ neue Untersuchung ist, gibt es noch keine empirischen Daten zur Bestätigung des 10-Jahres-Intervalls. Der Kranken­versicherer Kaiser Permanente North California bietet die Vorsorgekoloskopie schon seit 1998 an. In dieser Zeit wurden bei 17.253 Versicherten in der Untersuchung keine Polypen entdeckt. 

Dieser Negativbefund ist keine Garantie, dass in den Folgejahren kein Krebs auftritt. Dem Krebsregister des Versicherers wurden später 184 Patienten gemeldet, die 2,4 bis 11,6 Jahre später an Darmkrebs erkrankten, davon 91 in einem fortgeschrittenen Stadium.

Jeffrey Lee vom Forschungszentrum des Versicherers in Oakland ermittelt eine Inzidenz von 16,6 auf 100.000 Personenjahre im ersten Jahr, die allmählich auf 133,3 auf 100.000 Personenjahre im zehnten Jahr nach einer Koloskopie mit Negativbefund anstieg.

In einer Kontrollgruppe von etwa 260.000 Versicherten, die nicht an der Vorsorge­koloskopie teilnahmen, war die Krebsinzidenz deutlich höher. Im ersten Jahr betrug die Inzidenz bereits 62,9 auf 100.000 Personenjahre. Nach 12 Jahren war sie auf 224,8 auf 100.000 Personenjahre angestiegen.

Während der gesamten Zeit erkrankten Versicherte mit einem Negativbefund seltener als die Versicherten, die nicht an der Vorsorgekoloskopie teilgenommen hatten. Lee ermittelt für das erste Jahr eine Hazard Ratio von 0,05 (95-%-Konfidenzintervall 0,02-0,10), also ein um 95 % vermindertes Darmkrebsrisiko.

Dieser Vorteil schwächte sich mit der Zeit ab. Nach 10 Jahren betrug die Hazard Ratio noch 0,54 (0,31-0,94), das Krebsrisiko war also um 46 % niedriger als bei den Nichtteilnehmern. Krebserkrankungen im proximalen Kolon traten über die Jahre zu 22 bis 87 % seltener auf, bei distalen Darmkrebserkrankungen betrug der Rückgang 50 bis 99 %.

Noch deutlicher war der Einfluss auf die Darmkrebssterblichkeit. Nach einem negativen Koloskopiebefund kam es im ersten Jahr zu 6,8 Darmkrebstodesfällen auf 100.000 Personenjahre, im zwölften Jahr waren es 92,2 Todesfälle auf 100.000 Personenjahre. Bei den Nichtteilnehmern stieg die Mortalitätsrate dagegen von 10,5 auf 192,0 auf 100.000 Personenjahre. Lee ermittelt für das zehnte Jahr eine Hazard Ratio von 0,12 (0,02-0,82), was eine Verminderung der Darmkrebssterblichkeit um 88 % bedeutet. 

Menschen, die an der Vorsorgeuntersuchung teilnehmen, haben damit auch im zehnten Jahr gute Chancen, einen Tod am Darmkrebs zu vermeiden, auch wenn es wie bei allen Krebsvorsorgeuntersuchungen keine Garantie dafür gibt. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Januar 2019
Berlin – Bis Ende März dieses Jahres will der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) damit beauftragen, den Nutzen des PSA-Tests
IQWiG soll ab März PSA-Tests für Früherkennung des Prostatakarzinoms prüfen
14. Januar 2019
Berlin – Auf neue Regelungen bei der Qualitätssicherung der Zervixzytologie hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen. Danach haben die bundesweit rund 900 Pathologen und
Neue Vereinbarung zur Qualitätssicherung in der Zervixzytologie
21. Dezember 2018
Berlin – Das PSA-Screening soll einem Bewertungsverfahren unterzogen werden. Einen entsprechenden Antrag der Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) hat das Gremium gestern
Früherkennung von Prostatakrebs: Patientenvertretung will Klarheit
18. Dezember 2018
Berlin – Knapp 60 % der US-amerikanischen Gynäkologen empfehlen eine Eierstockkrebsfrüherkennung, obwohl deren Nutzen nicht belegt ist. Das zeigt eine Onlinestudie in Scientific Reports des
US-Gynäkologen überschätzen den Nutzen der Eierstockkrebsfrüherkennung
6. Dezember 2018
Brisbane – Unterschiede in der DNA-Methylierung zwischen gesunden Zellen und Krebszellen könnten einen überraschend einfachen und schnellen Früherkennungstest für Krebserkrankungen ermöglichen, den
„Methylscape“-Test weist Krebszellen in zehn Minuten durch Farbumschlag nach
30. November 2018
Hamburg – 2016 haben 11,4 Prozent weniger Menschen in Deutschland Hämoccult-Tests als noch 2012 genutzt. Das zeigen Analysen der Barmer, die sich dabei auf Abrechnungsdaten von gesetzlich
Darmkrebs: Hämoccult-Tests werden seltener genutzt
26. November 2018
Helsinki – Das Screening mit einem Guajak-basierten Stuhlbluttest hat in Finnland zur häufigeren Diagnose von Darmkrebserkrankungen im linken Kolon geführt. Der Vorteil war laut einer randomisierten
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER