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Medizin

Stethoskope auf Intensivstationen häufig mit Keimen besiedelt

Dienstag, 18. Dezember 2018

/dpa

Philadelphia – Die Stethoskope, die auf Intensivstationen verwendet werden, sind häufig mit Bakterien kontaminiert, darunter auch solchen, die nosokomiale Infektionen verursachen können. Die üblichen Reinigungsversuche der Ärzte waren in einer Studie in Infection Control & Hospital Epidemiology (2018; doi: 10.1017/ice.2018.319) nur selten in der Lage, die Bakterienkonzentration deutlich zu senken.

Stethoskope werden auf Intensivstationen häufig benutzt. Jeder Arzt trägt ein Exemplar mit sich. In manchen Situationen werden auch Einmal-Stethoskope verwendet. Frühere mikrobiologische Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Membran der Stethoskope häufig mit Bakterien kontaminiert ist. Die Aussagekraft war jedoch begrenzt, da in den Kulturen immer nur bestimmte Erreger nachgewiesen werden können. Mit modernen genetischen Untersuchungen lässt sich dagegen die Gesamtheit der Erreger erfassen und das Ausmaß der Kontamination besser abschätzen.

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Ein Team um Ronald Collman von der Perelman School of Medicine in Philadelphia hat auf einer Intensivstation 20 Stethoskope des medizinischen Personals, 20 Einmal-Stethoskope aus Patientenzimmern und 20 saubere, noch nicht verwendete Einmal-Stethoskope untersucht.

Ergebnis: Alle auf der Intensivstation verwendeten Stethoskope waren mit einer Vielzahl von Pathogenen kontaminiert. Die höchste Konzentration wurde auf den Stethoskopen gefunden, die das Personal bei sich trug. Auf den Einmal-Stethoskopen wurden weniger Bakterien gefunden, aber immer noch mehr als auf den frisch ausgepackten Stethoskopen, auf denen nicht mehr Keime vorhanden waren als in den Kontrollabstrichen. 

Die Stethoskope enthielten alle Bakterienarten, die normalerweise auf der Haut, im Mund und im Darm vorkommen. Es waren aber auch Bakterien darunter, die nosokomiale Infektionen auslösen können. Am häufigsten wurde S. aureus gefunden. Aber auch Pseudomonas und Acinetobacter, Enterococcus, Stenotrophomonas und Clostridium waren auf der Membran des Stethoskops vorhanden.

Im nächsten Schritt wurden Ärzte gebeten, die Stethoskope zu reinigen. Sie sollten einmal ihre persönlich bevorzugte Methode wählen. In einer zweiten Serie wurde eine Standardreinigung mit Wasserstoffperoxid (1,4 % über 60 Sekunden mit anschließender Trocknung) durchgeführt.

Beide Reinigungsmethoden führten zu einer signifikanten Verringerung der bakteriellen Kontamination. Es waren jedoch weiter Keime nachweisbar: Nach der standardisierten Reinigung wurde bei 5 von 10 Stethoskopen das Niveau der frisch ausgepackten Stethoskope erreicht. Die von den Ärzten bevorzugte Methode war nur in 2 von 10 Fällen erfolgreich.

Die Studie lässt zwar offen, ob und wie häufig nosokomiale Keime durch Stethoskope übertragen werden. Die häufigen Kontaminationen machen es nach Ansicht von Collman jedoch notwendig, die üblichen Infektionskontrollverfahren auch auf Stethoskope anzuwenden. Bei gefährdeten Patienten sollten besser separate Stethoskope verwendet werden, rät Collman. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 18. Dezember 2018, 19:48

Kontaminationen "allüberall"?

Eine Studie unter dem Titel "Contamination of Stethoscopes and Physicians' Hands After a Physical Examination" in den Mayo Clinic Proceedings (2014; 89(3):277-280) belegte, dass der Kontaminationsgrad des Stethoskops nach der klinischen Untersuchung eines Patienten substanziell vergleichbar ist mit der Kontamination von Teilen der führenden Hand beim Arzt. Es sind die Ärzte/-innen selbst, die ihr eigenes Stethoskop anfassen, und es manuell den Patientenkörpern nähern. In einem Editorial meldete sich umgehend Dennis G. Maki, MD, Infektiologe an der "University of Wisconsin in Madison"(WI/USA) mit dem Titel "Stethoscopes and Health Care-Associated Infection" dramatisierend zu Wort.

Aber würde ein professionell agierender Mediziner sein frisch gereinigtes Stethoskop in infizierte Wunden hineinhängen, um es danach bei weiteren Patienten über deren Körperöffnungen infektiös auspendeln zu lassen? Eine intakte Hautbarriere des Brustkorbs wäre doch stabil gegenüber aggressiven Keimattacken, die eher nur theoretisch von angreifenden, kontaminierten Stethoskopen ausgeführt werden könnten? Potenziell kontaminierte Stethoskope sollten nicht unnötig angefasst und nach Hautekzem- und Wundkontakt gereinigt bzw. mit alkoholfreiem Octenisept® desinfiziert werden. Keinen Alkohol nehmen! Der greift die Membranen und Kunststoff- bzw. Gummiringe an.

"Molecular analysis of bacterial contamination on stethoscopes in an intensive care unit" von Vincent R. Knecht et al. https://www.cambridge.org/core/journals/infection-control-and-hospital-epidemiology/article/molecular-analysis-of-bacterial-contamination-on untersucht systematisch vergleichend und gezielt Stethoskop-Kontaminationen speziell auf Intensivstationen.

Es gibt weitere Hygieneprobleme? Verschmutzte, selten gewechselte, ungewaschene oder nicht desinfizierbare Arztkittel bzw. die nicht abwaschbare Krawatte, könnten zu größten infektiologischen Bedenken Anlass geben:
www.sueddeutsche.de/leben/arztkittel-vor-dem-aus-dreckschleudern-in-weiss-1.890152
www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/hygiene-gefaehrliche-schlipse-556433.html
www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/krankenhaus-hygiene-schlips-am-aerztehals-kann-toedlich-sein-a-402255.html
Eine schottische Infektiologin hat sich wohl mehr aus optischen Gründen für das Krawatte-Tragen ausgesprochen: "Put your ties back on: scruffy doctors damage our reputation and indicate a decline in hygiene" BMJ 2013;346:f3211

Doch auch PC-Tastaturen, Tablets, Smartphones und Touchscreens sind für Praxis- und Klinik- Hygiene-Beauftragte bzw. Infektiologen ein "gefundenes Fressen": www.springermedizin.de/so-wird-die-tastatur-nicht-zur- keimschleuder/4938140.html - "Der Tod lauert nicht in der Tastatur, sagte eine Infektionsexpertin dazu, sondern direkt davor. Trotzdem sollte das PC-Zubehör im Hygieneplan von Klinik und Praxis seinen Platz haben. Denn Computer-Tastaturen hätten ständigen Kontakt mit Händen.

Da ist es nicht mehr weit zu obligatorischen täglichen Rachenabstrichen, Blutkulturen, Abklatschproben der Hände bzw. Fragebögen, um potenziell infektiöse Lebensgewohnheiten, moralisch-ethisch einwandfreien Lebenswandel und psychische Verhaltensauffälligkeiten beim gesamten medizinischen Personal zu detektieren? Verwaltungs- und Administrations-Bereiche selbstverständlich ausgenommen. Zugleich werden Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren von Heerscharen keimtragender Besucherinnen und Besucher heimgesucht, die oft nicht mal elementare Hygiene-Regeln beherzigen ("nach dem Klo und vor dem Essen - Händewaschen nicht vergessen"). Ungeduscht und ungewaschen bzw. n i c h t auf gewaschene oder ungewaschene Kleidung, kurz geschnittene Finger- bzw. Fußnägel untersucht, bevölkern sie die Klinikflure, die Cafeteria, das "Büdchen" am Klinikeingang und die Anmeldetresen der Praxen, um dann in die Kernzonen nosokomialer Infektionsrisiken vorzudringen: In die Krankenzimmer zu ihren kranken Angehörigen, in die Räume der Stationsmitarbeiter, in die Funktionsbereiche und Nasszellen. Von den Patienten selbst ganz zu schweigen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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