NewsPolitikSachverständige bemängeln Überkapazitäten in stationärer Versorgung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Sachverständige bemängeln Überkapazitäten in stationärer Versorgung

Dienstag, 18. Dezember 2018

/dpa

Berlin – Eine Schließung oder Umnutzung von Krankenhäusern könnte den Qualitäts­wettbewerb im Krankenhaussektor stärken und die Bedarfsgerechtigkeit der Versorgung erhöhen. Darauf haben der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen in einer erstmals gemeinsam vorgelegten Analyse hingewiesen.

Man komme„hinsichtlich des Reformbedarfs zu weitgehend übereinstimmenden Schlussfolgerungen“, hieß es von beiden Sachverständigenräten. So weise Deutschland im internationalen Vergleich im stationären Sektor nach wie vor hohe Kapazitäten auf. „Im Abbau von Überkapazitäten dürften signifikante Qualitäts- und Effizienzgewinne schlummern. Daher sehen beide Räte weiterhin einen erheblichen Restrukturierungs- und Konsolidierungsbedarf“, heißt es weiter. Mit 800 Betten je 100.000 Einwohner nehme Deutschland in Europa einen Spitzenplatz ein und verfüge über doppelt so hohe Kapazitäten wie manches andere Land.

Anzeige

Die Sachverständigen begrüßen zwar, dass der Gesetzgeber die Arbeit des Struktur­fonds verlängert hat, um Schließungen, Konzentrationen und Umwandlungen von Krankenhäusern zu fördern. „Er sollte künftig aber stärker auf den Kapazitätsabbau konzentriert werden.“ Auch Privatversicherte sollten an den Kosten des Fonds beteiligt werden, hieß es.

Zugleich empfehlen die beiden Gremien eine Finanzierung der Krankenhäuser aus einer Hand. „Die Krankenhausfinanzierung sollte daher vom bisherigen dualen auf ein monistisches System umgestellt werden“, schreiben die Experten. Die Investitions­kosten würden dann nicht wie bislang von den Ländern, sondern auch von den Krankenkassen finanziert. Bislang sind die Länder für die Krankenhausplanung und Finanzierung der Investitionen in die Krankenhäuser verantwortlich, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlungen und damit des Betriebs.

Das diagnosebezogene Fallpauschalensystem (DRG) zur Vergütung von Krankenhaus­leistungen hat sich aus Sicht der Wirtschaftsexperten grundsätzlich bewährt. Allerdings habe sich die Anzahl der DRGs und der Zusatzentgelte verdoppelt. „Dadurch wurde das Vergütungssystem zunehmend verkompliziert.“ Zudem seien Anreize zu einer Leistungsausweitung geschaffen worden. „Daher sollten künftig pauschale Vergütungselemente einen höheren Anteil an der Krankenhausvergütung erhalten.“

Zugleich setzen sich die beiden Gremien für mehr ambulante medizinische Leistungen ein. „In deutschen Krankenhäusern werden viele Behandlungen stationär durchgeführt, die in anderen Ländern ambulant erbracht werden, ohne die Versorgungsqualität zu kompromittieren“, heißt es. Dabei sei die ambulante Behandlung typischerweise mit geringeren Kosten verbunden. Deshalb sollten die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung durchlässiger und eine sektorenübergreifende Versorgung ausgebaut werden. © may/kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. März 2019
Bad Frankenhausen – Das von der Insolvenz der DRK-Betreibergesellschaft betroffene Manniske-Krankenhaus in Bad Frankenhausen (Kyffhäuserkreis) soll nach Plänen des künftigen Betreibers KMG Kliniken
Neuer Betreiber will Klinikstandort Bad Frankenhausen erhalten
21. März 2019
Berlin – Die Krankenhäuser in Deutschland benötigen pro Jahr rund sechs Milliarden Euro an Investitionen, um ihre Gebäude und die Ausstattung zu erhalten. Auf diese Zahl kommen GKV-Spitzenverband,
Investitionsbedarf der Krankenhäuser liegt bei sechs Milliarden Euro pro Jahr
19. März 2019
Bad Frankenhausen – Für die vier Krankenhäuser der insolventen DRK-Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg ist ein Käufer gefunden. Der im brandenburgischen Bad Wilsnack ansässige Konzern KMG
Neuer Betreiber für DRK-Kliniken in Thüringen und Brandenburg
18. März 2019
Gießen – Die Krankenhäuser in Hessen haben in diesem Jahr 132 Millionen Euro mehr zur Verfügung als 2018. Das teilte das Regierungspräsidium (RP) in Gießen am Freitag mit. Das Gesamtbudget erhöhe sich
Hessische Krankenhäuser erhalten mehr Geld
18. März 2019
Münster – Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) wünscht sich mehr Mitspracherecht bei der Finanzierung der Krankenhäuser im Land. Bei ihrem Treffen am vergangenen Samstag riefen
Ärzte in Westfalen-Lippe wollen mehr Mitspracherecht bei Krankenhausfinanzierung
15. März 2019
Mainz – Rheinland-Pfalz baut seine Förderung für die Krankenhäuser in diesem Jahr weiter aus. 2019 stehen rund 147 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln zur Verfügung und damit vier Millionen Euro
Mehr Geld für Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz
12. März 2019
Erfurt – Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen (LKHG) und Verbände der Krankenkassen sowie der privaten Kran­ken­ver­siche­rung in Thüringen haben sich auf eine höhere Vergütung für
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER