NewsMedizinStress erhöht Fehlerrate von Chirurgen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stress erhöht Fehlerrate von Chirurgen

Dienstag, 18. Dezember 2018

/Kzenon, stockadobecom

Palo Alto/Kalifornien – Eine gewisse mentale Anspannung mag nützlich sein, weil es die Aufmerksamkeit erhöht. Ein zu hoher Stresslevel kann jedoch die Fehlerrate von Chirurgen erhöhen, wie eine Studie im British Journal of Surgery Open (2018; doi: 10.1002/bjs5.104) zeigt.

Studien haben gezeigt, dass Piloten und Leistungssportler vermehrt Fehler begehen, wenn sie unter Stress stehen. Bei Chirurgen wurde dies bisher kaum untersucht, obwohl Fehler bei einer Operation zweifellos schwerwiegende Folgen haben können. Bisher gab es aber kaum Möglichkeiten, den Stresslevel von Chirurgen zu messen, ohne sie bei der Arbeit zu behindern. Inzwischen gibt es hierfür eine einfache Lösung. Sie besteht in einer Weste, die kontinuierlich ein EKG aufzeichnet und die Ergebnisse drahtlos an den Forscher schickt, der gleichzeitig die Operation aufzeichnet.

Anzeige

Da die Weste 256 EKG-Signale pro Sekunde aufzeichnet, konnten Peter Grantcharov von der Stanford University School of Medicine in Palo Alto die Herzfrequenz­variabilität bestimmen. Sie ist unter Stress vermindert, weil die erhöhte Aktivität des Sympathikus das Herz nicht nur schneller, sondern auch regelmäßiger schlagen lässt. 2 häufig verwendete Parameter der Herzfrequenzvariabilität sind die „root mean square of successive differences“ (RMSSD) und die „standard deviation of RR intervals“ (SDNN).

Grantcharov setzte die beiden Parameter mit der Fehlerrate eines laparoskopischen Chirurgen in Beziehung. Dieser wurde während 12 Magenbypass-Operationen, 7 Sleeve-Gastrektomien (beides Adipositas-Operationen) und 6 peroralen endosko­pischen Myotomien (zur Behandlung der Achalasie) gefilmt. Danach bewerteten andere Chirurgen die Fehlerrate ihres Kollegen mit dem „Generic Error Rating Tool“ (GERT).

Ergebnis: Immer wenn der mentale Stress zu- und die Herzfrequenzvariabilität abnahm, stieg die Fehlerrate. In den Intervallen von 1, 2 beziehungsweise 5 Minuten mit den höchsten SDNN-Werten war die Fehlerrate im GERT um 55,5 %, 62,5 % beziehungsweise 66,1 % höher als in den entspanntesten Momenten der Operation.

Der gleiche Trend wurde für den RMSSD-Parameter gefunden. Hier war die Fehlerrate in den Intervallen von 1, 2 beziehungsweise 5 Minuten um 57,7 %, 46,8 % und 54,7 % erhöht.

Dass die Studie lediglich an einem Chirurgen durchgeführt wurde, schränkt die Aussagekraft der Studie allerdings ein. Die Messmethode ist jedoch einfach, sodass ein Stress-Monitoring von Chirurgen ohne große Belästigung durchführbar wäre. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. März 2019
München – Die Chirurgen in Deutschland warnen vor Nachwuchsmangel. Gerade auf dem Land fehle es längst nicht mehr nur an Hausärzten, sondern auch an Chirurgen, sagte der Präsident der Deutschen
Fachgesellschaft warnt vor Chirurgenmangel auf dem Land
15. März 2019
Pretoria – Erneut haben Ärzte in Südafrika Medizingeschichte geschrieben: Wie die Universität von Pretoria gestern mitteilte, sei es einem Ärzteteam erstmalig gelungen, ein Mittelohr aus dem
In Südafrika erstmals Mittelohr aus 3-D-Drucker transplantiert
13. März 2019
Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Beschwerden über mögliche Behandlungsfehler registriert. Knapp 6.000 Versicherte wandten sich deswegen an die Kasse, das
TK stellt mehr Beschwerden wegen möglicher Behandlungsfehler fest
12. März 2019
Dresden – Die Zahl der Behandlungsfehler in Sachsen ist auf sehr niedrigem Niveau stabil bis rückläufig. Das berichtet die Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen bei der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer.
Behandlungsfehler in Sachsen auf niedrigem Niveau
12. März 2019
Berlin – Der Druck im Beruf belastet die Ärzte in Deutschland stark. Das signalisiert eine Umfrage des Gesundheitsportals Medscape. Das Unternehmen befragte Ärzte in sechs Ländern. In Deutschland
Arbeitsdruck belastet Ärzte stark
11. März 2019
Silver Spring – Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) beklagt in einem Brief an Ärzte („Health Care Providers“) eine zunehmende Zahl von Komplikationen („medical device reports“,
FDA sieht Sicherheitsrisiken bei chirurgischen Klammern und Klammernahtgeräten
26. Februar 2019
Nürnberg – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) will seine Nachwuchsarbeit ausbauen und dabei unter anderem auf das Praktische Jahr (PJ) setzen. „2025 werden wahrscheinlich 10.000 Chirurgen
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER