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Umstrittene E-Zigarette kommt nach Deutschland

Mittwoch, 19. Dezember 2018

E-Zigarette Juul /dpa

Washington/Hamburg – Ab heute wird die stark nikotinhaltige und daher umstrittene E-Zigarette Juul aus den USA auch in Deutschland erhältlich sein. Im Gegensatz zu den USA enthält die E-Zigarette hierzulande laut der Tabakproduktrichtlinie mit 20 Milligramm pro Milliliter weniger als die Häfte an Nikotin als das ursprüngliche US-Produkt. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte vor Juul gewarnt – insbesondere auch wegen der vielen Schüler, die an Juul ziehen.

In der EU gibt es Liquids und E-Zigaretten in verschiedensten Nikotinstärken zwischen null und 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter zu kaufen. „Diesbezüglich hat Juul mittlerweile keinen Neuigkeitswert mehr“, sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum dem Deutschen Ärzteblatt auf Nachfrage und verweist auf eine Reihe anderer Nikotinsalz-Liquids, die längst in Deutschland erhältlich sind.

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Dennoch äußert Mons Bedenken: „Auch wenn E-Zigaretten deutlich weniger Schad­stoffe enthalten als herkömmliche Zigaretten, sind sie gesundheitlich bedenklich und besitzen ein Abhängigkeitspotenzial – letzteres gilt insbesondere für Juul, die selbst bei Einhalten der gesetzlichen Vorgaben mit 20 Milligramm pro Milliliter sehr viel Nikotin enthält.“

Nikotinobergrenze reduzieren, Werbeverbot auch für E-Zigaretten?

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) hinterfragt daher auch die aktuelle Obergrenze für Nikotin. Vergangenen Monat sagte sie: „Der Fall Juul zeigt, dass man den E-Zigarettenmarkt nicht sich selbst überlassen kann. ‎Wir müssen uns genau anschauen, ob die aktuelle Obergrenze beim Nikotin so in Ordnung ist.“

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit nutzt den Hype um Juul, um die Politik erneut aufzufordern „endlich ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und auch für E-Zigaretten in Deutschland“ durchzusetzen. Dieser Forderung schließt sich auch Niema Movassat, drogenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke an.

Insofern dürfte das Suchtpotenzial der in Europa vertriebenen Juul deutlich niedriger sein als bei der US-amerikanischen Variante. Ute Mons, DKFZ, Heidelberg

Die verkaufsüblichen Juul-Kapseln in den USA enthalten 59 mg/ml Nikotin. Das entspricht einer Nikotinkonzentration von fünf Prozent und ist selbst für erfahrene Raucher extrem viel. Erst seit einigen Monaten sind in den USA auch Kapseln mit geringeren Dosierungen erhältlich. In EU-Mitgliedstaaten dürfen E-Liquids maximal 20 mg/ml Nikotin (1,7 Prozent) enthalten.

„Insofern dürfte das Suchtpotenzial der in Europa vertriebenen Juul deutlich niedriger sein als bei der US-amerikanischen Variante“, schlussfolgert die Expertin vom DKFZ in Heidelberg. Da aber auch andere Aspekte des Produkts für Jugendliche attraktiv sein könnten – insbesondere das Design und die leichte Bedienung – sei dennoch Vorsicht geboten. Eine strikte Anwendung der Jugendschutzgesetze auf diese Produkte hält Mons daher von zentraler Bedeutung.

Deutschland ist der siebte Markt, auf dem Juul zu kaufen ist. Das Startup Juul Labs konnte gegen Großkonzerne wie Philip Morris in den USA einen Marktanteil bei E-Zigaretten von 70 Prozent erreichen. In Deutschland wird der Markt für E-Zigaretten auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt, bei steigender Tendenz.

Der Hersteller Juul Labs – ein von zwei Stanford-Studenten in Kalifornien gegründetes Startup – behauptet, ausschließlich erwachsene Raucher ansprechen zu wollen, um sie vom gesundheitsschädlichen Tabakkonsum abzubringen. Der Geschäftsführer von Juul Labs Deutschland, Markus Kramer, teilte in Hamburg mit: „Juul sollte weder von Kindern oder Jugendlichen noch von (erwachsenen) Nichtrauchern genutzt werden.“ Dennoch greifen in den USA nach einer neuen Studie der US-Gesundheitsbehörde FDA auch zahlreiche Minderjährige zur E-Zigarette. Demnach stieg die Zahl der US-amerikanischen Highschool-Schüler, die angaben, dass sie derzeit E-Zigarettenbenutzer sind, zwischen 2017 und 2018 um 78 Prozent auf 3,05 Millionen (mehr als jeder fünfte Schüler). Die Zahl der Schüler der Mittelstufe stieg um 48 Prozent auf 570.000 (oder 4,9 Prozent). Selbst der Geschäftsführer des US-Unternehmens Juul Labs, Kevin Burns, räumt ein „unbeabsichtigtes und ernstes Problem“ ein: „Die Nutzung von E-Zigaretten, inklusive Juul, bei Minderjährigen.“

Benzoesäure macht hohe Nikotinmengen rauchbar

Normalerweise wäre ein Aerosol mit solch hohen Nikotinwerten wie in den USA „sehr harsch und irritierend für die Atemwege“, erklärt Mons dem . Die Zugabe von Benzoesäure würde die Reizwirkung aber reduzieren, sodass höhere Nikotinmengen aufgenommen werden können. „Dadurch können offenbar Nikotinspiegel erreicht werden, die normalen Tabakzigaretten entsprechen“, so Mons. „Inwieweit allerdings das Nikotin durch die Zugabe von Benzoesäure womöglich auch schneller aufgenommen wird, was das Suchtpotenzial zusätzlich erhöhen würde, ist bislang unklar.“ © gie/dpa/aerzteblatt.de

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