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Medizin

Patienten mit Muskelspastiken können von Cannabistherapie profitieren

Mittwoch, 19. Dezember 2018

/Andrey Popov, stockadobecom

Mailand – Patienten mit Erkrankungen der motorischen Endplatte und daraus resultierenden Spastiken können von einer Therapie mit Cannabis profitieren. Das berichten Wissenschaftler um Nilo Riva vom San Raffaele Scientific Institute in Mailand in Lancet Neurology (2018; doi: 10.1016/S1474-4422(18)30406-X).

Spastik ist ein häufiges Symptom bei neurodegenerativen Erkrankungen, das Motoneuronen betrifft. Sie tritt bei Menschen mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) in unterschiedlichem Maße auf und ist ein prägendes Merkmal der primären Lateralsklerose (PLS).

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„Es gibt keine Heilung für eine Erkrankung der Motoneuronen, daher sind eine verbesserte Symptomkontrolle und Lebensqualität für die Patienten wichtig“, sagte Riva. Es gebe zwar mehrere Medikamente zur Linderung der Spastik, aber der Nachweis für ihre Wirksamkeit sei gering und sie verbesserten die Symptome nur unzulänglich. Darüber hinaus könnten sie unerwünschte Nebenwirkungen haben, zum Beispiel zunehmende Muskelschwäche und Müdigkeit.

Um zu untersuchen, ob Cannabinoide auch die Spastik bei Motoneuronenerkrankungen reduzieren können, rekrutierten die Forscher 60 Erwachsene im Alter von 18 bis 80 Jahren mit ALS oder PLS aus 4 Zentren für tertiäre Motoneuronenerkrankungen in Italien. Um an der Studie teilnehmen zu können, mussten die Patienten mindestens 3 Monate lang Spastiksymptome erlebt haben und 30 Tage vor der Aufnahme und während der gesamten Studie eine stabile Dosis anderer Anti-Spastik-Medikamente einnehmen. 

Die Teilnehmer wurden randomisiert, um ein THC-CBD-Mundspray (29 Teilnehmer) oder Placebo (30) für 6 Wochen zu erhalten. Die Anzahl der Sprays wurde in den ersten 2 Wochen der Behandlung schrittweise erhöht, bis die optimale Dosis erreicht war, dann wurde diese Dosis für 4 Wochen beibehalten.

Die Veränderung der Spastik wurde auf der Modifizierten Ashworth-Skala (MAS) bewertet – einem Instrument zur Beurteilung der Intensität des Muskeltonus. Die Teilnehmer wurden auch gebeten, ein tägliches Symptomtagebuch über Spastik, Schmerzen, Spasmenhäufigkeit und Schlafstörungen zu führen.

Am Ende der Behandlung, also nach 6 Wochen, war die Spastik in der THC-CBD-Sprühgruppe im Vergleich zur Placebogruppe signifikant verbessert (mittlere MAS-Scores um durchschnittlich 0,11 gegenüber durchschnittlich 0,16). Auch die Schmerzzahlen in der THC-CBD-Sprühgruppe waren im Vergleich zu Placebo auf einer Skala von 0-10 (-0,97 versus -0,06) signifikant besser.

Laut den Forschern war das THC-CBD-Spray gut verträglich und die Nebenwirkungen waren leicht bis mittelschwer und typisch für Cannabinoide – neben Energieverlust und Müdigkeit kamen auch Schwindel und Übelkeit vor. 21 (72 %) Teilnehmer in der THC-CBD-Sprühgruppe und 4 (13 %) in der Placebogruppe berichteten über mindestens ein potenziell behandlungsbedingtes unerwünschtes Ereignis. „Es gab keine schwerwiegenden Nebenwirkungen und keine Teilnehmer, die die Behandlung dauerhaft eingestellt haben“, berichten die Forscher.

„Unsere Proof-of-Concept-Studie zeigt eine positive Wirkung von THC-CBD-Spray bei Menschen auf behandlungsresistente Spastik und Schmerzen. Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse müssen wir zunächst bestätigen, dass THC-CBD-Spray in größeren, längerfristigen Phase-3-Studien wirksam und sicher ist“, sagte Riva. © hil/aerzteblatt.de

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