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Ärzteschaft

Höhe der Vergütung für Zweitmeinungs­verfahren steht fest

Mittwoch, 19. Dezember 2018

/Photographee.eu, stockadobecom

Berlin – Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Deutsche Krankenhaus­gesellschaft und GKV-Spitzenverband haben sich im ergänzten Bewertungsausschuss darauf verständigt, welche Leistungen Ärzte beim Zweitmeinungsverfahren abrechnen dürfen. Damit kann dieses in den nächsten Wochen starten.

Für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit einem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren wird zum 1. Januar die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) im Abschnitt 1.6 aufgenommen. Der indikationsstellende Arzt kann sie einmal im Krankheitsfall abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,12 Euro) bewertet. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär – befristet bis Ende 2021. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.

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Der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, rechnet für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Die Vergütung erfolgt ebenfalls befristet bis Ende 2021 extrabudgetär. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen beziehungsweise veranlassen, muss sie aber medizinisch begründen. Diese Leistungen bekommt er bis Ende des Jahres 2021 ebenfalls extrabudgetär vergütet.

Für die erforderliche Genehmigung der KV müssen Ärzte, die Zweitmeinungen abgeben wollen, bestimmte allgemeine fachliche Voraussetzungen nachweisen, die je nach Eingriff weiter ergänzt werden können. Die Details dazu gibt der G-BA in der Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren vor.

Der Rechtsanspruch auf eine Zweitmeinung bei bestimmten planbaren Operationen gilt zunächst nur bei einer Mandelteilresektion (Tonsillotomie), bei einer vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) sowie bei einer Gebärmutter­entfernung (Hysterektomie). Weitere Eingriffe sollen folgen.

Details zum Ablauf des Verfahrens hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) am 8. Dezember in einer Richtlinie festgelegt. Rät ein Arzt einem Patienten zu einer Tonsillektomie, Tonsillotomie oder Hysterektomie muss er den Patienten darauf hinweisen, dass er sich vor dem Eingriff eine Zweitmeinung einholen kann. Er händigt ihm dazu alle für die Zweitmeinungsberatung nötigen Befunde sowie ein Merkblatt des G-BA aus. Das Merkblatt mit Informationen zum Leistungsumfang des Verfahrens und zur Inanspruchnahme stellt der G-BA auf seiner Internetseite bereit.

Ferner soll der indikationsstellende Arzt den Patienten auf die Liste der Zweitmeiner hinweisen, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen bereitgestellt wird, sowie auf weiterführende Informationen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 20. Dezember 2018, 12:47

Umsatzvergütung Realsatire!

„Der Arzt, der die Indikation für eine der oben genannten Operationen [Zweitmeinungsverfahren] stellt, kann ab 1. Januar 2019 die EBM Nr. 01645, die in den EBM-Abschnitt 1.6. aufgenommen wird, abrechnen. Dazu muss er den Patienten über sein Zweitmeinungsrecht aufklären und ihn über das Verfahren beraten. Zudem ist er verpflichtet, Befundmitteilungen, Berichte, Arztbriefe etc. zu kopieren und dem Patienten mitzugeben. Auch die Mitgabe eines Informationsblattes des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (GBA) zum Zweitmeinungsverfahren inklusive Informationen zu Ärzten, die zur Zweitmeinung berechtigt sind, gehören zum Leistungsumfang. Dafür erhält der Arzt 75 Punkte (8,12 Euro)“ https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/article/978460/ebm-verguetung-zweitmeinung-steht-fest.html

Wenn Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Deutsche Krankenhaus­gesellschaft und GKV-Spitzenverband im ergänzten Bewertungsausschuss sich darauf verständigen, Leistungen für Vertrags-Ärzte beim Zweitmeinungsverfahren extrabudgetär als Praxisumsatz zu vergüten, wird damit belegt und bewiesen, dass betriebswirtschaftlich gesehen, alle infrabudgetären Anstrengungen, Leistungen und Bemühungen nur noch Praxisumsatz-schädlich und mindernd sind. Willkommen im Hamsterrad!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 19. Dezember 2018, 18:16

So viel Geld für so eine popelige Zweitmeinung? Gebärmutterentfernung ist doch ein Klacks

... das schüttelt der Arzt aus dem Ärmel, das kann er sogar an eine VERAH delegieren. Die erledigt den Job in 2 Minuten, was einem Stundenhonorar von ca. 240€ entspricht.

Man darf halt keinen kompetenten und engagierten Frauenarzt damit beauftragen. Denn der braucht glatt ne halbe Stunde, immerhin muss er die Unterlagen sichten und mit der Patientin die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsoptionen erörtern. Soll es die Hysterektomie werden, muss man ein geeignetes Krankenhaus finden, die Versorgung der Familie (Kinder, Eltern, bettlägerige Oma, ...) muss erörtert werden und noch so manches mehr.

Damit erwirtschaftet der Arzt ein Honorar von 16€ pro Stunde.

Also ist es besser, die Gebärmutterentfernung so zu sehen, wie es der GBA sieht: Ein Klacks. Und ein Klacks kann von einer guten MFA versorgt werden.

Oder?
LNS

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