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Medizin

Computermodell sagt Verlauf von Prostatakrebs voraus

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Schnitt durch das Gewebe einer Prostatabiopsie. Prostatazellen sind grün gefärbt, rote und weiße Bereiche stellen tumorrelevante Veränderungen in Prostatakrebszellen dar. /Niclas Blessing, UKE

Berlin – Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat nach der Analyse von knapp 300 Prostatatumoren ein Computermodell entwickelt, das den voraussichtlichen Verlauf der Erkrankung prognostizieren kann. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Cancer Cell erschienen (2018; doi: 10.1016/j.ccell.2018.10.016).

Die Forschenden der Charité haben zusammen mit anderen deutschen und internationalen Arbeitsgruppen das gesamte molekulare Profil von fast 300 Prostata­tumoren untersucht. Dazu entschlüsselten sie die Sequenz und die chemischen Veränderungen der Erbinformation und maßen die Genaktivität im Krebsgewebe. Die Analyse der Daten gab Hinweise auf die zeitliche Abfolge von Mutationsereignissen, durch die Prostatakrebs entsteht.

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„Wir wissen jetzt, welche die frühesten Mutationen sind, die eine Entartung von Prostatazellen einleiten, und welche Mutationen häufig folgen“, erläuterte Thorsten Schlomm, Direktor der Klinik für Urologie an der Charité und einer der leitenden Studienautoren. Auf Basis dieser Ergebnisse entwickelten die Wissenschaftler ein Computermodell, das den Krankheitsverlauf eines einzelnen Patienten prognostizieren kann.

„Wenn der Tumor eines Patienten eine bestimmte Mutation aufweist, können wir nun vorhersagen, welche Mutation voraussichtlich als nächstes auftreten wird – und wie gut die Prognose des Patienten ist“, so Schlomm.

Prostatakrebs ist in Deutschland mit knapp 60.000 neu diagnostizierten Fällen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Bisher war es laut der Arbeitsgruppe nicht möglich, zwischen gutartigen und aggressiven Typen der Erkrankung zu unterscheiden – insbesondere, wenn der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt wurde. „Wir konnten jetzt Tumor-Subtypen identifizieren, die verschieden schnell fortschreiten und deshalb unterschiedlich therapiert werden müssen“, erläuterte Schlomm.

Im Augenblick arbeiten die Forscher daran, das Computermodell an der Charité in die Behandlungsstrategie einzubinden, um vor einer Therapie deren Erfolg zu simulieren. „Wir rechnen mit einem Zeithorizont von 2 bis 3 Jahren, bis das algorithmenbasierte Vorgehen vollständig etabliert ist“, so der Urologe. 

Die Wissenschaftler wollen dazu auch mit dem neu gegründeten Haupstadt-Urologie-Netzwerk zusammenarbeiten – einem Zusammenschluss der Charité mit nieder­gelassenen Urologen in Berlin und Brandenburg. Auf diese Weise sollen zusätzliche Daten von einigen Tausend Patienten in das Computermodell einfließen und die Prognosequalität weiter verbessern. © hil/aerzteblatt.de

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