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Ausland

Fälschungen: In Malawi entsprechen viele Medikamente nicht den Standards

Freitag, 5. Mai 2017

In dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“ lernen afrikanische und deutsche Studenten, wie man gefälschte Medikamente erkennt. /Christoph Jäckle, Universität Tübingen
In dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“ lernen afrikanische und deutsche Studenten, wie man gefälschte Medikamente erkennt. /Christoph Jäckle, Universität Tübingen

Tübingen – Von gefälschten Medikamenten geht für die Einwohner vieler Entwick­lungs­länder eine große Gefahr aus, so auch in Malawi. Das bestätigt eine aktuelle Studie, die im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene publiziert wurde (2017; doi: 10.4269/ajtmh.16-1008). Vor allem die Ausbildung von Pharmazeuten soll jetzt die Versorgung der malawischen Bevölkerung verbessern. Das Pharmazeutische Institut der Universität Tübingen will mithilfe von Fördergeldern des Deutschen Akade­mischen Austauschdienstes (DAAD) das südostafrikanische Land im Kampf gegen gefälschte Medikamente unterstützen.

Zwei Jahre hat der Pharmazeut Lutz Heide von der Universität Tübingen in Malawi geforscht. Gemeinsam mit Kollegen vor Ort untersuchte er 155 Antibiotika und Malariamedikamente. Davon entsprachen sieben Präparate nicht den pharmazeu­tischen Standards. Mehrere dieser Medikamente blieben bei Einnahme weitgehend wirkungslos.

Eine Probe stellte sich als noch gefährlicher heraus: Um einen höheren Gewinn zu erzielen, verkauften kriminelle Händler Tabletten in der Verpackung eines hochwertigen Malaria­medikaments. Das Präparat enthielt jedoch andere – billige – Wirkstoffe. Sie helfen nicht gegen Malaria und setzen Patienten zudem ohne ihr Wissen unbekannten Risiken und Nebenwirkun­gen aus. Vor allem für schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder ist das lebens­bedrohlich. Diese gefälschten Medikamente wurden vor allem von illegalen Straßenhändlern in Umlauf gebracht, in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen waren sie nicht zu finden.

Im Moment gibt es in Malawi nicht genügend gut ausgebildete Apotheker, um flächen­deckend über öffentliche Einrichtungen eine hochwertige Arzneimittelqualität zu garan­tieren. Hier setzt das Projekt der Universitäten Tübingen und Malawi an. Sie haben ein Abkommen abgeschlossen, um die malawischen Partner in Forschung und Lehre zu unterstützen.

Mehrere Lehrprojekte in Malawi und Tübingen

Zu diesem Zweck wurden mehrere Lehrprojekte an der Universität von Malawi aber auch in Tübingen initiiert. Mit einem Austauschprogramm kommen malawische Studierende nach Deutschland und eine deutsche Pharmaziestudentin studiert ein Semester in Malawi. Daniel Männle, ein Dozent aus Tübingen, wird in Malawi zu pflanzlichen Arzneimitteln lehren. Die Herstellung von Salben lernen malawische Studierende und Dozenten bei einem Krankenhausapotheker aus Deutschland. Fachlichen Austausch in beide Richtungen gibt es im Oktober 2017 in dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“, der in Tübingen stattfindet. An ihm nehmen sowohl deutsche als auch malawische Dozierende, Studierende und Apotheker teil. In einem weiteren Kooperationsprojekt soll die Qualität der Medikamente gegen Nachgeburtsblutungen verbessert werden, die eine häufige Todesursache in dem afrikanischen Staat sind.

Die DAAD unterstützt vor allem die Ausbildung von Apothekern in Malawi. Darüber hinaus umfasst die Kooperation der Pharmazeutischen Institute in Malawi und Tübingen aber auch wissenschaftlichen Austausch und Forschung, wie unter anderem die Teil­nahme an und Ausrichtung von eigenen Symposien. © gie/idw/aerzteblatt.de

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