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Medizin

iPad-App bessert Gedächtnis bei leichter kognitiver Einschränkung

Dienstag, 4. Juli 2017

giangi555 - stock.adobe.com

Cambridge - Gedächtnisspiele für Tablet-Computer sollen das episodische Gedächtnis von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen verbessern. Ein von britischen Psychiatern für das iPad konzipiertes Spiel hat in einer randomisierten kontrollierten Studie im International Journal of Neuropsychopharmacology (2017; doi: 10.1093/ijnp/pyx040) sogar die Ergebnisse im MMST-Test leicht verbessert.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) beginnen häufig mit einer gesteigerten Vergesslichkeit im Alltag. Der Schlüssel ist verlegt, das Auto an einer vergessenen Stelle geparkt. Die Betroffenen behalten in der Regel noch ihre Unabhängigkeit, die Gedächtnislücken werden jedoch zunehmend zu einer Belastung. Für die Störung gibt es derzeit keine anerkannte Arzneimittelbehandlung, doch die Beschäftigung mit einem Tablet-Computer könnte möglicherweise helfen.

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Forscher der Universität Cambridge haben speziell für MCI-Patienten das Spiel „Game Show“ entwickelt. Bei dem Spiel können die Teilnehmer virtuelle Münzen erwerben, wenn sie bestimmte geometrische Formen den richtigen Schachteln zuordnen, in die sie nach einer kurzen Präsentation gesteckt werden. Für jede richtige Antwort erhält der Spieler eine Münze. Das Spiel ist nach sechs fehlerhaften Versuchen beendet oder wenn alle Formen identifiziert wurden. Das Sammeln der Münzen ist als Anreiz gedacht und der Schwierigkeitsgrad lässt sich am Schweregrad der kognitiven Störung anpassen.

Das Spiel wurde in Zusammenarbeit mit betroffenen Patienten entwickelt und dann von 21 Patienten zuhause getestet. Die im Mittel 76 Jahre alten Patienten haben das Spiel in vier Wochen über insgesamt acht Stunden getestet. Dabei verbesserten sich ihre Werte. Wie das Team um Barbara Sahakian von der Universität Cambridge berichtet, machten die Patienten bei der abschließenden Untersuchung ein Drittel weniger Fehler als vor Beginn der Studie und sie benötigten weniger Versuche, um die Formen zuzuordnen. In einem unabhängigen Gedächtnistest (Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery Paired Associates Learning, CANTAB PAL) verbesserten sich die Leistungen laut Sahakian um 40 Prozent. Bei den 21 Teilnehmern einer Kontrollgruppe veränderten sich die Testergebnisse dagegen nicht.

Das iPad-Training hatte sogar positive Auswirkungen auf die Scores in der Mini Mental State Examination (MMSE). Auch im Brief Visuospatial Memory Test-Revised (BVMT-R) und in der Apathy Evaluation Scale (AES) verbesserten sich die Werte, während sich die Kontrollgruppe weiter verschlechterte. Ein Erfolgsrezept der Studie war vermutlich, dass die Patienten das Spiel mochten und die meisten versprachen, das Spiel auch nach dem Ende der Studie weiter zu benutzen.

Die Forscher hatten bereits 2015 ein Gedächtnisspiel für Patienten mit Schizophrenie entwickelt, das inzwischen über die App-Stores von Apple und Google Play angeboten wird. © rme/aerzteblatt.de

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