NewsÄrzteschaftLan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg warnt vor Glyphosat
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg warnt vor Glyphosat

Dienstag, 1. August 2017

/fotohansel, stock.adobe.com

Stuttgart – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hat vor dem Unkraut­bekämpfungsmittel Glyphosat gewarnt und die Bundesregierung aufgefordert, einer weiteren Zulassung von Glyphosat auf europäischer Ebene im Herbst dieses Jahres nicht zuzustimmen. Grund dafür ist, dass die Kammer weiterhin Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit der Substanz hat.

Glyphosat wird seit Ende der 1970er-Jahre zur Unkrautbekämpfung in der Land­wirt­schaft und im Gartenbau eingesetzt. Es ist weltweit der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden.

Der Einsatz der Substanz aus der Gruppe der Phosponate ist seit Jahren in der Diskus­sion. Die Zulassung für Glyphosat war auf europäischer Ebene zum 30. Juni 2016 aus­gelaufen. Die EU-Kommission hatte sie um 18 Monate verlängert, obwohl der weitere Einsatz des Herbizids unter den Mitgliedsstaaten umstritten war. Eine von der EU-Kommission bei der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) in Helsinki in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, Glyphosat sei nicht als krebserregend, mutagen oder organtoxisch einzustufen. Allerdings sei eine schädigende Wirkung auf Augen und Haut sowie eine Giftigkeit für Tiere und Pflanzen in Gewässern belegt.

Anzeige

Diese Beurteilung steht allerdings im Gegen­satz zu den Ergebnissen der International Agency for Research on Cancer (IARC) der Welt­gesund­heits­organi­sation aus dem Jahre 2015, die Glyphosat als krebserregend einstuft, sowie einer Studie der Deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom Mai 2016, die eine mögliche organschädigende Wirkung von Glyphosat beschreibt.

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Lan­des­ärz­te­kam­mer wies jetzt darauf hin, dass Glypho­sat unabhängig von seiner ungeklärten Giftigkeit für Menschen die Artenvielfalt in der Umwelt nachhaltig schädige. Der Einsatz von Glyphosat töte Pflanzen aller Art ab und zerstöre so die Lebensgrundlage vieler Tiere, argumentieren die Ärzte. Bereits der 119. Deutsche Ärztetag hatte 2016 die Bundesregierung und die Europäische Kommission aufgefordert, Glyphosat nicht weiter zuzulassen.

Die Bundesregierung ist in Bezug auf das Unkrautschädigungsmittel gespalten: Bundes­umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bekräftigte vor einigen Tagen im Hessischen Rundfunk ihr Nein zu Glyphosat, weil es Nahrungsnetze und die biologische Vielfalt schädige. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) ist für eine weitere Zulassung. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11. Juli 2018
Washington – Die juristischen Probleme der Bayer-Tochter Monsanto in den USA wegen des Unkrautvernichtungsmittels Roundup weiten sich aus. Ein Bundesrichter in San Francisco ließ gestern mehr als 400
US-Richter lässt mehr als 400 Klagen gegen Monsanto zu
10. Juli 2018
San Francisco – Im US-Prozess eines Krebspatienten gegen den Pestizidhersteller Monsanto haben am Montag die Eröffnungsplädoyers begonnen. Der Verteidiger des Klägers Dewayne Johnson, Brent Wisner,
Eröffnungsplädoyers in US-Prozess von Krebspatient gegen Monsanto
20. Juni 2018
San Francisco – Für Dewayne Johnson ist klar: Seine Krebserkrankung im Endstadium ist auf Roundup zurückzuführen – das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel des US-Saatgutherstellers Monsanto.
Krebskranker in den USA klagt wegen Glyphosat gegen Monsanto
29. Mai 2018
Paris – Das geplante Glyphosatverbot ist in Frankreich vorerst gescheitert. Die Pariser Nationalversammlung lehnte ein gesetzliches Aus für den umstrittenen Unkrautvernichter gestern ab. Dies ist ein
Glyphosatverbot in Frankreich vorerst gescheitert
2. Mai 2018
Wien – Ein Experte fordert im Streit um die Wirkung von Pestiziden auf den Menschen mehr Offenheit von der Industrie. Fast alle Studien der Konzerne seien geheim und nur den Behörden im
Experte fordert Offenlegung geheimer Pestizidstudien
16. April 2018
Berlin – Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich skeptisch über ein Glyphosatverbot geäußert, zugleich einen raschen Vorstoß zur Reduzierung des Unkrautvernichters angekündigt. Sie werde
Bundesregierung will Glyphosat reduzieren
11. April 2018
Brüssel – Die EU-Kommission will Ärger wie bei der Glyphosatzulassung künftig vermeiden und die Genehmigungen für Unkrautvernichter und ähnliche Mittel transparenter machen. Entsprechende Vorschläge
NEWSLETTER