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Neuer Trend unter Jugendlichen: Selbstverletzung im Netz

Mittwoch, 7. Februar 2018

Köln – US-amerikanische Kinder- und Jugendärzte machen auf einen neuen, besorgniserregenden Trend bei Jugendlichen aufmerksam: „Digital self-harm“, selbstverletzendes Verhalten im Netz, bei dem Jugendliche anonym gemeine Dinge über sich selbst ins Netz stellen oder in sozialen Medien posten.

So hatten in einer Umfrage unter knapp 6.000 amerikanischen Schülern rund sechs Prozent der Jugendlichen angegeben, sie hätten sich im Internet schon einmal selbst bloßgestellt (Journal of Adolescent Health 2017, doi: 10.1016/j.jadohealth.2017.06.012). Als Grund dafür gaben sie vorwiegend Selbsthass, den Wunsch nach Aufmerksamkeit und Depressionen an.

Bislang ist noch nicht umfassend und sicher geklärt, was Teenager dazu bewegt, sich selbst online zu mobben. Experten vermuten jedoch, dass digitale Selbstverletzung zumindest zum Teil Ähnlichkeiten mit körperlichem selbstverletzendem Verhalten wie Ritzen aufweist: Es ist ein Mittel, um mit psychischen Schmerzen und Problemen umzugehen und dient vermutlich auch dazu, im schlechten Selbstbild bestätigt zu werden.

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„Wenn Eltern von ihrem Kind erfahren, dass es über soziale Medien gemobbt wird, sollten sie nicht zögern, eine gründliche Untersuchung einzuleiten, um den Ursprung des Cybermobbings aufzuklären“, rät Harald Tegtmeyer-Metzdorf vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Sollte sich ein Jugendlicher zusätzlich aber auch selbst online beschimpft haben, gelte es, dies als Hilferuf zu verstehen und umgehend geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten im Jugendalter

Deutschland gehört mit 25–35 % Lebenszeitprävalenz von zumindest einmaligem nichtsuizidalen selbstverletzenden Verhalten (NSSV) unter Jugendlichen innerhalb Europas zu den Ländern mit den höchsten Prävalenzraten (1, 2). Diese Thematik besitzt daher für Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen eine hohe Relevanz. In den letzten Jahren haben drei Leitlinien und ein Cochrane Review den

© hil/sb/aerzteblatt.de

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Traumatherapeut
am Sonntag, 20. Mai 2018, 16:11

Was, wenn dieses Verhalten nicht das Problem sondern ein Lösungsversuch ist?

Stellen Sie sich vor, in ihrem Kopf wäre eine Stimme, die zu Ihnen in jeder Stresssituation sagen würde, dass Sie absolut wertlos sind, zu nichts taugen und sich am Besten umbringen sollten. Manchmal scheint diese Stimme ganz plausibel, dann belastet sie Sie wieder sehr. Aber es ist schwierig, mit anderen darüber zu reden. Die würden vermutlich gar nicht verstehen, wie schlimm das ist, würden entweder mit irgendwelchen Platitüden versuchen, Sie dazu zu bringen "positiver" zu denken, oder Sie schief anschauen weil Sie solche Gedanken haben. Und außerdem ist da ja noch die unterschwellige Angst, dass die Stimme Recht haben könnte.

Aus meiner Sicht ist es eine unglaublich KREATIVE LÖSUNG, diese belastenden Sätze, die jemand ja sowieso hört, auf eine Weise zu externalisieren, dass andere sie bezeugen können und sich der eine oder andere Unterstützer und Mutmacher findet, der sich der mobbenden Stimme begrenzend entgegenstellt, den Betroffenen tröstet und ihm sagt, dass was da über ihn gesagt wird nicht wahr sei.

Gleichzeitig ist die so geschaffene Situation viel sicherer, als direkt mit einer Bezugsperson über das eigene Leid und die eigenen, möglicherweise gar nicht bewussten Bedürfnisse zu sprechen (Welcher 15jährige würde schon zu Eltern oder Freunden sagen, dass er z.B. Trost braucht, oder Empathie dafür, wie herausfordernd es manchmal ist, Raum für das eigene komplexe Erleben zu halten?).

Insofern plädiere ich dafür, sehr achtsam damit umzugehen, wenn deutlich wird, dass jemand zu sich selbst im Internet abwertende Dinge gesagt hat, und einen assoziativ weniger vorbesetzten Begriff als "digitale Selbstverletzung" zu verwenden. Insbesondere sollte der Betroffene, der höchstwahrscheinlich sowieso schon chronische Schamgefühle hat, nicht auf beschämende Weise mit seinem Verhalten konfrontiert werden, und dieses auch nicht als plumper "Hilferuf" oder "Versuch Aufmerksamkeit zu bekommen" verstanden werden.

Stattdessen würde ich davon ausgehen, dass mit diesem Verhalten gesehen zu werden sich im ersten Moment eventuell ähnlich verletzlich anfühlt wie nackt von Fremden gesehen oder beim Masturbieren überrascht zu werden. Ich würde sicherstellen, dass ich erst das Gespräch suche, wenn ich meine erste Reaktion der Verwirrung und Irritation verdaut habe und in der Lage bin, demjenigen auf Augenhöhe, vorurteilsfrei und aus einer offenen Haltung des wirklich verstehen Wollens zu begegnen.

Und anstatt über die Strategie zu sprechen, egal wie interessant und und fremd diese für mich ist, würde ich die Gelegenheit nutzen, ohne zu "Bohren" ins Gespräch über die Bedürfnisse zu kommen, die derjenige hat. Sicherheit und Zugehörigkeit (möglicherweise gerade sehr akut wenn herausgekommen ist, dass er sich im Internet selbst gemobbt hat und alle entsetzt sind).

Und wenn die Wellen sich etwas geglättet haben und genug Vertrauen im Kontakt da ist vielleicht auch, ob es möglicherweise belastende innere Stimmen gibt, die exakt dasselbe sagen wie die vermeintlichen Cybermobber.

Erstmal wirklich würdigen, was an der Strategie des Schreibens dieser Texte gut geklappt und Bedürfnisse erfüllt hat (verstanden werden, Unterstützung, Ermutigung, Trost, nicht mehr alleine mit den Attacken sein). Erst wenn ich das ernst nehmen und würdigen kann, kann ich zu einem Vertrauten werden, um gemeinsam nach besseren Lösungen zu suchen.

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