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Ärzteschaft

Botzlar sieht keine Existenzberechtigung für Heilpraktiker

Mittwoch, 22. Januar 2020

Andreas Botzlar /picture alliance, Robert Schlesinger

München – In der Diskussion um die Zukunft des Heilpraktikerberufs hat der Vizepräsi­dent der Bayerischen Landesärztekammer, Andreas Botzlar, von der Politik klare Entschei­dungen gefordert. „Wenn man es genau nimmt, gibt es für Heilpraktiker keine wirkliche Existenzberechtigung“, sagte Botzlar.

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, den Beruf auf den Prüfstand zu stellen. Nach Ansicht des Kammervize ist es nicht zeitgemäß, dass Heilpraktiker um­fangreiche Möglichkeiten haben, Patienten zu behandeln, ohne dass für diesen Beruf eine geregelte Ausbildung vorgeschrieben wäre.

Heilpraktiker müssen zwar eine Prüfung beim Gesundheitsamt ablegen, Voraussetzung für die Anmeldung ist aber nur das Mindestalter von 25 Jahren und ein Hauptschulab­schluss. Etliche Gesundheitspolitiker wollen die jetzigen Regeln ändern, die bis ins Jahr 1939 zu­rück­reichen. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, sie wollten „das Spektrum der heilpraktischen Behandlung überprüfen“.

Als Grund nennen die Koalitionspartner die Patientensicherheit. Die hält auch eine Gruppe von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen namens Münsteraner Kreis für gefährdet, wenn sich an den Regeln für den Heilpraktikerberuf nichts ändert. Christian Weymayr, der zum Münsteraner Kreis gehört, hält es für eine „große Gefahr“, dass Patien­ten, die zu Heilpraktikern gehen, „auf sinnvolle Therapien verzichten“.

Aller Kritik zum Trotz erlebt der Heilpraktikerberuf aber geradezu einen Boom, gerade in Bayern. Nach Daten des Landesgesundheitsamtes hat sich die Zahl der Heilpraktiker im Freistaat in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt, auf zuletzt 23.283.

Damit liegt ihre Zahl mehr als doppelt so hoch wie die der Hausärzte. Bundesweit gibt es keine genauen Zahlen, Berufsverbände gehen von 60.000 Beschäftigten in Heilpraktiker-Praxen aus. Private Schulen werben für eine Ausbildung in einem „Traumberuf“.

Die Berufsverbände sehen sich auch durch den Zuspruch vieler Patienten bestätigt. Nach einer Umfrage des Bunds Deutscher Heilpraktiker aus dem Jahr 2017 gehen jeden Tag rund 128.000 Deutsche in eine Heilpraktikerpraxis.

Viele private Krankenversicherer übernehmen die Behandlungshonorare. Bei einem Groß­teil der Beamten beteiligt sich auch die staatliche Beihilfe an den Kosten. Und auch eini­ge Krankenkassen erstatten Heilpraktikerrechnungen, obwohl das im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eigentlich nicht vorgesehen ist. Sie regeln das über die eigene Satzungsleistung.

Heilpraktiker weisen Kritik zurück

Der Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern, Wolfgang Hegge, weist die Warnun­gen vor einer Gefährdung der Patientensicherheit zurück. Seiner Ansicht nach bemühen sich die Berufsverbände um möglichst hohe Qualität.

So betreibt sein Verband in München eine eigene Schule, die eine dreijährige Ausbildung mit 3.000 Stunden anbietet. Kostenpunkt: rund 12.000 Euro. Anders als bei anderen Ins­tituten würden Lehrpläne der Josef-Angerer-Schule vom bayerischen Kultusministerium kontrolliert, betont Hegge: „Das ist auch ein Qualitätskriterium der Ausbildung.“

Kritiker des Heilpraktikerberufs wie Weymayr vom Münsteraner Kreis halten es aber für abwegig, von Qualität zu reden, wenn Methoden wie die Iris-Diagnostik auf dem Stun­den­plan stehen, bei der aus der Netzhaut von Patienten Rückschlüsse auf die Gesundheit gezogen werden.

Weymayr kritisiert, die deutsche Gesundheitspolitik messe mit zweierlei Maß. Auf der einen Seite werde in der GKV bei Medikamenten und Therapien berechtigterweise immer stärker auf Wirksamkeitsnachweise gepocht, gleichzeitig werde der Alternativmedizin in solchen Fragen aber großer Spielraum gelassen. „Kein Wirtschaftspolitiker dürfte eine Wahrsagerin beschäftigen, um Entscheidungen zu treffen. Im Gesundheitswesen dürfen das Politiker aber schon“, ärgert sich Weymayr.

Und Botzlar von der Landesärztekammer findet, Deutschland könnte sich beim Thema Heilpraktiker durchaus an Österreich orientieren: „Da ist das Kurpfuscherei und strafbar.“ Er erwartet aber keine einschneidenden Änderungen durch die Gesundheitspolitik. Denn die Angebote von Heilpraktikern seien bei vielen Patienten beliebt. „Und die Patienten sind ja auch Wähler, mit denen es sich Politiker nicht unbedingt verscherzen wollen“, sagt Botzlar.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will sich nicht vorwerfen lassen, die Politik rede einzelnen Interessengruppen nach dem Mund. Die Vereinbarung des Koaliti­ons­vertrages, wonach der Rechtsrahmen des Heilpraktikerberufs auf den Prüfstand kom­men soll, werde umgesetzt, sagt sie. Aber sie ergänzt auch: „Ich erlebe viele Heilprakti­ker, die sehr verantwortungsvoll mit ihrem Beruf umgehen.“

Der Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern, Wolfang Hegge, ist durch solche Aus­sagen der Gesundheitsministerin nur zum Teil beruhigt. „Der Druck hat zugenommen“, sagt er. Aber auch er ist sicher, dass die Heilpraktiker von ihren Patienten verteidigt wer­den. Er halte es da mit einem Kollegen, der ihm schon vor langer Zeit einen Rat mitgege­ben habe, erzählt Hegge: „Sie müssen sich keine Sorgen machen, es bestimmen letztlich die Füße des Patienten.“ © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #882575
Mrs. S
am Donnerstag, 29. April 2021, 10:40

Differenzieren

Es sollte differenziert werden, es gibt verschiedene Arten von Heilpraktikern. Einige beschränken sich auf den HP Psychotherapie. Sicher sind die Prüfungszulassungen niedrig, doch es wäre ja möglich den Zugang etwas enger zu Fassen und ggf. Vorausbildung (B.A. / M.A.) zu fordern. Ich habe verschiedene Ausbildungen in Bereich Pädagogik und Beratung und würde mein spezialisiertes Wissen und meine Kompetenz zu Gunsten der Klienten und meiner Handlungsfähigkeit gern beruflich erweitern, ohne gleich zum allgemeinen Therapeuten zu werden.

Pfuscher und Heuchler finden sich in den meisten beruflichen Bereichen, auch in der Medizin, im Sozialen, beim Bau und nicht zu vergessen hochbezahlt in der Politik.
Zum weiteren ergänzen sich die Bereiche des HP und die Medizin, sie sollten nicht in Konkurrenz stehen müssen aufgrund des kapitalistischen Systems.
Es wäre schön gemeinsam einen lösungsorientierten Verbesserungsansatz zu finden, statt aufgrund weniger Menschen, Alle und den Beruf ansich zu verteufeln. Auch die Medizin ist nicht das Maß aller Dinge und nicht alle Ärzte gleich kompetent. Der Trend geht zu interdiziplinären Wirken, auch im Team.

Wenn wir generell miteinander statt gegeneinander leben würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Gegenseitige Bereicherung.
Avatar #851906
Mehr als Schulmedizin
am Mittwoch, 2. Dezember 2020, 12:46

Integration ist die Antwort

Sieht man doch, die Menschen brauchen Hilfe in einem größeren und alternativen, naturheilmedizinischen Rahmen. Daran ist aus meiner Sicht überhaupt nichts Verwerfliches.
Ich bin nicht-Ärztin und 100% Befürworterin beider Lager: nämlich integrativer zu arbeiten. Mehr Behandlungen anzubieten, die beide Richtungen, die Schuldmedizin und die Alternativen Methoden abstecken. Die Ausbildungen der Ärzte nachzuziehen oder mind. dafür zu sorgen, dass sich Ärzte mit Heilpraktikern zusammen tun. In einigen Fällen klappt das bereits.
Und schlussendlich die Leistungen so anzubieten, dass es für die Krankenkassen, aber auch private Investitionen bezahlbar sind.

Außerdem ist meiner Meinung nach super wichtig, dass Menschen mit Schmerzbild genauer hinschauen, an wen sie sich wenden und dabei systematisch vorgehen: Hier bedarf es sicherlich einiger Aufklärung, aber das ist alles machbar:
Zum vorab-check kann sich jeder gut vorinformieren; über vielfältige Portale oder auch Google über Bewertungen etc Oder man fragt im Freundeskreis nach Erfahrungen und Empfehlungen. Dann passieren solche Vaux-Pas auch weniger.
Als kranker Mensch muss ich mich kümmern, das kann mir niemand abnehmen. Natürlich ist das nicht einfach. Die Zeiten sind vorbei, dass Krankheiten klar, bekannt und einfach zu behandeln waren. Aber in unserer heutigen Zeit mit immer wieder neuen Krankheitsbildern und vielfältigen Wirkungsweisen unserer Lebensumstände müssen wir alle über den Tellerrand hinwegschauen. Kein noch so toller Arzt wird mich retten können. Und schwarze Schafe gibt es nun halt überall...
Mich hat die Alternative Medizin jedenfalls gerettet und dafür bin ich sehr dankbar.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 25. Februar 2020, 22:45

@Mitdenker

... und war der HP in der Lage, die Folgen seiner Überdosierung von 3-BP zu erkennen oder zu behandeln? Der hat nicht mal gewusst, wieviel von dem Zeug er seinen todkranken Patienten verabreicht hat!
Es ist ja der Skandal, dass sich HP in den Kreis der Erlaubnisträger nach §13b AMG "hineingemogelt haben. Wahrscheinlich mit Verweis auf Kräutertees und selbstgemixte Vitaminkombinationen... da dachte niemand daran, WIE sich HP die Teilhabe zurechtbiegen würden.
Es ist ja dummerweise legal - und saugefährlich.
Wie immer- selektive Wahrnehmung: Niemand regt sich wegen Vitamin C auf - solange das nicht grammweise infundiert wird!
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 23. Februar 2020, 13:29

§13 (2b) AMG und das Geschäftsprinzip der orthomolekularen Therapie

Zur Erklärung der entscheidende Satz aus dem AMG: „Einer Erlaubnis nach Absatz 1 bedarf ferner nicht eine Person, die Arzt oder Zahnarzt ist oder sonst zur Ausübung der Heilkunde bei Menschen befugt ist, soweit die Arzneimittel unter ihrer unmittelbaren fachlichen Verantwortung zum Zwecke der persönlichen Anwendung bei einem bestimmten Patienten hergestellt werden.“

Der §13 Abs. 2b des AMG ist ein Ermächtigungsparagraf, der es z.B. einem Arzt ermöglicht bei einem austherapierten Patienten oder einem Patienten mit einer seltenen Erkrankung eine individuelle Therapie jenseits der üblichen Leitlinien auszuprobieren. Außerdem hilft dieser Paragraf bei der Einführung neuer Therapien.

Wenn §13 (2b) zur Anwendung kommt, handelt es sich um off label Therapien. Wir Ärzte sind darauf konditioniert bei einer off label Therapie immer zu hinterfragen, wie belastbar ist die Indikation, wie riskant sind mögliche Kontraindikationen, welche Risiken und Wechselwirkungen müssen wir beachten? Zu einer off label Therapie gehören auch immer besondere Pflichten bei Aufklärung und Dokumentation. Beim Beispiel intravenöses Vitamin C wird z.B. in der Onkopedia explizit auf zwei Kontraindikationen hingewiesen: das Risiko einer Hämolyse bei Patienten mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel und das Risiko einer Oxalatnephropathie bei eingeschränkter Nierenfunktion. Das bedeutet eine gute Verträglichkeit bei Beachtung der Kontraindikationen ist nicht das Selbe wie das Fehlen von Risiken und Nebenwirkungen. Offensichtlich müssen einige Personen noch sehr an ihrem Sprachverständnis arbeiten.

Bei all den hier aufgeführten Beispielen zur orthomolekularen Therapie gibt es eine große Gemeinsamkeit. Nahrungsergänzungsmittel befinden sich außerhalb des Geltungsbereichs des AMG. Die Orthomolekulare Therapie verwischt die Grenzen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzeimitteln. In der Argumentation von MITDENKER werden Nahrungsergänzungsmittel zu Arzneimitteln umdeklariert. Bei Fertigarzneimitteln gilt §29 (2a), welcher die Neuzulassung regelt. Unter Missbrauch der Grauzone des §13 (2b) werden klassische Nahrungsergänzungsmittel ohne zusätzliche Prüfungen zu Arzneimitteln umdeklariert und Heilungsversprechen gegeben. In Einzelfällen mag dies sogar ohne Schaden für den Patienten funktionieren. Die Umgehung des sonst üblichen Zulassungsprozesses führt dazu, dass Indikation, Kontraindikation, Wechselwirkungen, NNT, NNH und Behandlungskosten für einen gewünschten Effekt nicht wirklich geklärt werden. Der Missbrauch des §13 (2b) führt zu Heilungsversprechen, die nicht oder ungenügend durch vorherige Überprüfungen gedeckt sind. Für Heilpraktiker ist dies ein neues und großes Geschäftsfeld ohne lästige Konkurrenz. In meinen Augen ist dies Betrug am Patienten. Es ist kein Zufall, dass im Zusammenhang mit den Todesfällen bei der Anwendung von 3-BP der Heilpraktiker nur wegen der ungeeigneten Waage belangt wurde.

Wenn sich die Koalition ernsthaft mit der Rolle der Heilpraktiker beschäftigen möchte, dann sollte sie sich unbedingt und zuallererst um §13 (2b) AMG kümmern. Die bisherige Formulierung ist das Ergebnis erfolgreicher Lobbyarbeit der Heilpraktiker und eines parlamentarischen Betriebsunfalls, wie er nun mal vorkommen kann. Wenn dieser Absatz des AMG überarbeitet wird, dann sollte er dahingehend verschärft werden, dass bei der Anwendung am Menschen ein Facharzt vorgeschrieben wird (die Aufklärungs- und Dokumentationspflichten bei einem off label use würde ich einem Assistenzarzt nicht zumuten). Angesichts der Heilpraktikerdichte in Bayern erwarte ich Widerstände von einigen Hinterbänklern aus der CSU. Andererseits ergibt sich aus dem regelhaften Missbrauchs des §13 (2b) auch die Möglichkeit einer Normenkontrollklage anderer Institutionen.

Ich möchte mich bei MITDENKER ausdrücklich dafür bedanken, dass er mit seinen Beiträgen so nachdrücklich auf dieses Defizit der bestehenden Gesetzeslage hingewiesen hat.
Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 23. Februar 2020, 01:18

@Mitdenker

Lesen hilft - aber bitte den ganzen Post und nicht nur die passenden Zeilen...
S. Rex bezog sich auf parenterales Vitamin C in mehrhundertfacher Standarddosis. Das ist wiederum mit möglichen Risiken verbunden, die nur unzureichend erforscht sind. Und mögliche unerwünschte Effekte zu erkennen und ggfs auch zu behandeln - das muss ein Ärzt machen, weil ein Heilpraktiker das nicht kann!
Wenn ein Arzt so etwas macht und Probleme nicht erkennt oder behandelt, haftet er - während Heilpraktiker nicht verpflichtet sind, über Risiken aufzuklären, die sie selbst nicht zu kennen brauchen (kurios - aber wo keine Kunst, da kein Kunstfehler - HP-Patienten sind im Zweifel selber schuld)
Der Wunderheiler aus Kleve wurde ja nicht etwa verurteilt, weil er eine gefährliche und unwirksame Behandlung durchführte, sondern weil er eine ungeeignete Waage(!) verwendet hat!
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 20. Februar 2020, 00:14

Verstehendes Lesen und Zeit für das Kleingedruckte

sind notwendige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Literaturarbeit.

Fangen wir an mit der geplanten chinesischen Studie. Aufgrund der aktuellen Situation in China stehen dort die Ärzte mit dem Rücken zur Wand und versuchen Therapieoptionen, deren Evidenz noch lange nicht gesichert ist: „Among patients with sepsis and ARDS, patients in the high-dose vitamin group did not show a better prognosis and other clinical outcomes.“

Die Verwendung von hochdosiertem Vitamin C bei onkologischen Patienten ist zuallererst eine Umwidmung einer bekannten Substanz. Anstatt mit niedrigen Dosen einen Mangel auszugleichen, werden hier bei hoher Dosierung zusätzliche Wirkungseffekte genutzt. In diesem Kontext wird auch in der von MITDENKER zitierten Onkopedia auf Kontraindikationen und Interaktionen verwiesen. Das bedeutet aber auch, eine derartige Indikationserweiterung für eine spezielle Patientengruppe muss fachärztlich begleitet werden und hat nichts in den Händen von Heilpraktikern zu suchen. Dass Substanzen in unterschiedlichen Konzentrationen unterschiedliche Wirkungen haben, ist klassische Pharmakologie und hat mit orthomolekularer Therapie wenig Gemeinsamkeiten.

Der von MITDENKER zitierte PNAS-Artikel zum Thema Vitamin B12 und Alzheimer beschäftigt sich mit einer interessanten Fragestellung und präsentiert einen möglichen Wirkmechanismus. Bei diesem Artikel liegt der Pferdefuß im Interessenskonflikt des Letztautors (das ist in der Regel der Arbeitsgruppenleiter), dieser hält mehrere Patente für diese Indikation. Anderen Arbeitsgruppen war es jedenfalls nicht vergönnt, den Effekt in dieser Stärke zu reproduzieren, wie ein Reviewartikel zu dieser Thematik zeigt:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29255909
Und auch hier gilt, sollte sich ein belastbarer pharmakologischer Effekt zeigen, dann müssen Indikation, Kontraindikation, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen abgewogen werden und dann gehört diese Therapie in die Hand eines Facharztes.

Was dagegen die spezielle Seite zu Vitamin B12 betrifft:
https://www.vitaminb12.de/mangel/demenz/
Hier reicht ein Blick in das Impressum (Verein zur Förderung ganzheitlicher Gesundheit) sowie die Äußerung: „Unsere Inhalte dienen rein informativen Zwecken und ersetzen nicht die Beratung / Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker.“ um zu erkennen, dass mit dem Begriff Doktoren nicht unbedingt Ärzte gemeint sind und dass es sich bestenfalls um eine sehr subjektive Sekundärquelle handelt.

Langer Rede kurzer Sinn, Orthomolekulare Therapie hört sich medizinisch an, ist es aber nicht. Eine Supplementierung ist nur bei Mangelzuständen erforderlich, was selten genug der Fall ist. Zusatzeffekte bei hoher Dosierung gehören in die Hand eines Pharmakologen und Facharztes und nicht in die Reichweite von Heilpraktikern.

Alle therapeutischen Interventionen kann man letztendlich mit wenigen Sätzen beschreiben: Man braucht die number needed to treat (NNT) für den gewünschten Effekt. Man braucht die number needed to harm (NNH) für unerwünschte Effekte. Und man kann in Abhängigkeit von der NNT die Kosten berechnen, um einen gewünschten Effekt zu erreichen (z.B. ein Jahr Überleben in der Krebstherapie). Dies dient einfach nur dazu, verschiedene Behandlungsoptionen vergleichbar zu machen und hat nichts mit Ideologie zu tun.

RCT’s sind aufwendig und nervig, sind aber bei allen Fragestellungen, wo Placeboeffekte eine Rolle spielen unvermeidbar. Überall, wo Störfaktoren eine wichtige Rolle spielen und NNT und NNH empirisch bestimmt werden sollen, geht es nicht ohne RCT. Es geht auch nicht darum, dass ich überall RCT einfordere, sondern es geht darum, dass ich eine strukturierte und logische Denkweise einfordere. Das beinhaltet, dass zur Klärung einer Fragestellung die dafür geeigneten Hilfsmittel verwendet werden. Ca. 90% meiner Argumentation hier zielt darauf ab, dass die Alternativmedizin sich wissenschaftlicher Hilfsmittel bedient, die für diese Fragestellung ungeeignet sind. Die restlichen 10% zielen auf die inneren Widersprüche der alternativmedizinischen Methoden und auf die methodischen Grundlagen der jeweiligen Verfahren.

Gerade was die Homöopathie betrifft, es müssen nicht hunderte RCT mit Tausenden Teilnehmern sein. Es gibt in Wissenschaftsgeschichte Einzelexperimente, die für Jahrzehnte wegweisend waren. Dazu gehörte z.B. das Michelson-Experiment. Danach war klar, dass die klassische Physik unvollständig ist und die Grundlage für die moderne Physik wurde gelegt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelson-Morley-Experiment

In Analogie dazu wäre eine experimentelle Bestätigung einer Unterscheidbarkeit von Hochpotenzen so wie in der GWUP-Auslobung vorgeschlagen ein echter Beweis einer der beiden Säulen der Homöopathie, nämlich der Potenzierung:
https://www.gwup.org/ausschreibungsunterlagen
Obwohl die Ausschreibung seit knapp zwei Jahren läuft und nur noch 70 Tage für die Anmeldefrist verbleiben, hält sich das Interesse an Bewerbern in Grenzen und es hat noch niemand erfolgreich abgeschlossen. So lautstark die Vertreter der Alternativmedizin beim Anpreisen ihrer Methode sind, so leise werden sie, wenn sie die Möglichkeit hätten, dies in einem harten experimentellen Rahmen zu beweisen.

Was hat diese ganze Diskussion mit dem o.g. Artikel zu tun? Lt. Koalitionsvertrag ist es vorgesehen, den Beruf des Heilpraktikers auf den Prüfstand zu stellen. Für diese Überprüfung brauchen die Beteiligten Informationen, z.B. womit beschäftigen sich Heilpraktiker? Wie viel Heilkunde, wie viel Wellness und wie viel pseudoreligiöser esoterischer Unfug ist damit verbunden? Wie hoch ist die naturwissenschaftliche und medizinische Kompetenz der Heilpraktiker? Wie reformwillig und wie reformfähig ist der Berufsstand der Heilpraktiker? In dieser Diskussionsrunde gibt es zahlreiche Beiträge von Heilpraktikern, die deren Selbstbild klar verdeutlichen. Wer in der Lage ist, etwas zwischen den Zeilen zu lesen, kann sich für die o.g. Fragen ein einigermaßen rundes Gesamtbild erarbeiten.

PS: Die regionale Ungleichverteilung von Heilpraktikern hatte ich schon angesprochen. Das ist nur eine unbewiesene Hypothese, aber die Dichte der Heilpraktiker passt nicht nur zur finanziellen Situation in der jeweiligen Region, sondern auch zu konfessionellen Ungleichverteilungen. Die katholische Kirche hat wegen ungelöster Probleme (Pädophilie bei Priestern, Zölibat, Rolle der Frau etc.) mit einer Reihe von Kirchenaustritten zu kämpfen. Ist es vorstellbar, dass ein Teil der Klienten bei Heilpraktikern keine medizinische Behandlung braucht sondern nur eine Ersatzreligion? Dass psychosomatische Beschwerden nur Ausdruck einer Glaubenskrise sind? Wenn der Heilpraktiker die Rolle eines Ersatzpriesters übernehmen soll, ist eine naturwissenschaftliche Orientierung des Heilpraktikers kontraproduktiv. Schließlich gibt es neben den ca. 43 000 Heilpraktikern noch zusätzlich ca. 15 000 Geistheiler in Deutschland die alle ihre Kundschaft haben und offensichtlich von ihren Einnahmen ganz gut leben können. (Der folgende Artikel aus der Welt ist nicht nur als Quelle für diese beiden o.g. Zahlen sondern auch wegen des ganzen Artikels interessant):
https://www.welt.de/gesundheit/article154994909/Zum-Arzt-Viele-vertrauen-heute-ihrem-Heiler.html
Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 18. Februar 2020, 20:57

Die Mehrheit der Vitamin-C-Anwender ...

... sind keine ärztlich gut begleiteten Tumorpatienten, die an Studien teilnehmen, sondern gesunde Menschen, die präventiv etwas für sich tun wollen. Für diesen Personenkreis ist diese Metastudie einschlägig: https://academic.oup.com/advances/article/8/1/27/4566587
Avatar #760158
wilhem
am Dienstag, 18. Februar 2020, 12:20

Oder man liest solch eine Studie!

https://www.welt.de/gesundheit/article4355556/Die-dunkle-Seite-des-Vitamin-C.html
Avatar #737432
Rollkragen
am Dienstag, 18. Februar 2020, 08:05

Coronavirus

@ Mitdenker
Seltsam, Sie schreiben stets despektierlich von "Scientisten" und "evidenzb(l)asiert", verweisen jedoch wie hier beim Coronavirus auf eine klinische Studie, die erst zeigen muss, ob die Vitamin C-Infusionen tatsächlich wirksam sind, ob es also Evidenz für diese Therapie gibt. Dafür gelten anerkannte wissenschaftliche Regeln und Prinzipien, so wie es sie auch für die von Ihnen angewandten Verfahren Homöopathie etc. geben muss. Binnenkonsens reicht dafür nicht aus..
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 18. Februar 2020, 00:33

Verschleiern, Verdrehen, Verleugnen...

... all dies ist man von MITDENKER mittlerweile gewohnt. Da ist sein letzter Beitrag keine Ausnahme.

Orthomolekulare Therapie hat nur auf den ersten Blick etwas mit Medizin zu tun. Ja, der menschliche Körper ist auf bestimmte Vitamine und Mineralstoffe angewiesen. Und ja, es gibt einige wenige Indikationen, wo eine Supplementierung notwendig ist. Wer sein Geld für Nahrungsergänzungsmittel zum Fenster hinauswerfen will, darf dies natürlich auf eigene Verantwortung tun. Aber ein echter Vitamin/Nährstoffmangel ist wesentlich seltener als die Verfechter der Orthomolekularen Therapie behaupten. Wenn eine Supplementierung erforderlich ist, sollte dies unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um parallel die Ursache des Mangels zu ergründen, in der Regel erfordert dies diagnostische Ressourcen, über die ein Heilpraktiker nicht verfügt. Die hochdosierte Gabe von Vitamin C ist oral nicht möglich, deshalb auch in früheren Diskussionen der Aufschrei seitens der Heilpraktiker, wenn es um das Verbot von i.v.-Therapien für Heilpraktiker geht. Die Haltung der Schulmedizin dazu ist eindeutig. Für den Normalfall reicht eine ausgewogene Mischkost. Übrigens sind wir hier nicht bei der Bild-Zeitung, wenn anekdotisch Studien zu Alzheimer und Vitamin B12 in den Raum geworfen werden, gehört es zum guten Ton dies mit Originalquelle zu versehen. Ich schreibe hier in meiner Freizeit und sehe keinen Sinn darin, für Denkfaule die Arbeit der Literaturrecherche zu erledigen.

Und wieder versucht MITDENKER mit einer Metaanalyse eine spezifische Wirksamkeit der Homöopathie zu beweisen. Wenn die Anhänger der Homöopathie über einen Rest an Selbstreflektion verfügen würden, würden sie sehen, dass hier das Studiendesign der Metaanalyse zweckentfremdet wird, um erstens schnellstmöglich Abstand zu den zweifelhaften Rohdaten zu gewinnen und zweitens aus vielen kleinen Pseudoevidenzen eine große Pseudoevidenz zu berechnen. Weder sind es seltene Krankheiten, welche homöopathisch behandelt werden, noch sind die Globuli exorbitant teuer. Es gibt viele Einzelstudien mit Stichprobengrößen zwischen 20 und 40, und dann gibt es Metaanalysen. Was fehlt sind saubere Einzelstudien mit ordentlichen Stichproben oder ggf. für seltenere Fragestellungen Multizenterstudien.
Mit der Problematik des Studiendesigns bei Homöopathie hatte ich mich bereits in früheren Diskussionsrunden beschäftigt:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104596/Koalitionspolitiker-uneinig-ueber-Erstattung-homoeopathischer-Mittel
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107261/Bayerischer-Landtag-fuer-Homoeopathiestudie
Einer Frage geht Prof. Hahn übrigens komplett aus dem Weg: Gibt es bei der Frage der Wirksamkeit der Homöopathie Unterschiede zwischen Publikationen in konventionellen wissenschaftlichen Zeitschriften und alternativmedizinischen Zeitschriften? Wenn ja (was als sehr wahrscheinlich anzunehmen ist), dann zeigt dies ein erhebliches publication bias. Daraus folgt die nächste Frage, ist die Qualität in alternativmedizinischen Zeitschriften geringer, einfach weil die Reviewer aufgrund des Binnenkonsens innerhalb des Journals weniger streng bei Defiziten der eingereichten Arbeiten sind? Wird diese Frage mit Ja beantwortet, dann sind Metaanalysen automatisch vom Tisch, weil diese Methode nur bei Rohdaten ohne systematischen Fehler anwendbar ist.

Wenig überraschend ist der Versuch von MITDENKER das eigene Methodenspektrum schönzureden. Über Homöopathie wurde schon ausreichend gesprochen. Eine Fußreflextherapie mag für den Patienten eine kurzzeitige Linderung bringen, ist aber dem Wellnessbereich zuzuordnen. Überhaupt scheint MITDENKER in der Grauzone zwischen Physiotherapie, Wellness und Scharlatanerie (der Hinweis auf das Psiram-Gütesiegel war als deutlicher Hinweis gedacht) seine Nische gefunden zu haben. Solange die Kunden privat dafür zahlen, ist dagegen nicht einzuwenden, nur mit Heilkunde hat dies nicht mehr viel zu tun. Ich würde ja gern etwas mit MITDENKER lachen, aber wenn ich sehe, in welcher pseudowissenschaftlichen Blase er sich verbarrikadiert hat, bleibt mir das Lachen im Halse stecken...
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 22:27

Das Gruselkabinett der Alternativmedizin

Homöopathie: „eine pseudowissenschaftliche Methode“
https://www.psiram.com/de/index.php/Homöopathie

Orthomolekulare Therapie: „eine... pseudomedizinische Methode“
https://www.psiram.com/de/index.php/Orthomolekulare_Medizin

Fußreflextherapie: „eine pseudomedizinische Behandlungsmethode“
https://www.psiram.com/de/index.php/Fußreflexzonenmassage

Akupunktur: „eine Methode aus ... der TCM, ... obwohl keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte.“
https://www.psiram.com/de/index.php/Akupunktur

Gerson: Gerson-Diät als Diät für Tuberkulose und Krebs
https://www.psiram.com/de/index.php/Gerson-Diät

Budwig: Budwig-Diät als Krebsdiät
https://www.psiram.com/de/index.php/Johanna_Budwig
https://www.psiram.com/de/index.php/Öl-Eiweißkost

Physio-Techniken, Massagen, Elektrotherapie sind ohne genauere Angaben der Methodik und der Indikation nicht beurteilbar, ob ihr Einsatz im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Bei allen anderen verwendeten Methoden und Vorbildern hat MITDENKER sich wirklich nur auf die beschränkt, welche das „Psiram-Gütesiegel“ besitzen.

Was die Literaturquelle zur Hömöopathie betrifft, bei genauerem Durchlesen bleibt nur etwas heiße Luft übrig. Von 71 RCT werden 62 ausgeschlossen, 9 bleiben übrig. Die RCT mit der höchsten statistischen Signifikanz ist die berüchtigte Frass-Studie zur Sepsis und dort ist P=0,043, also knapp unter der üblichen Irrtumswahrscheinlichkeit von 5%, und das bei jeweils 35 Patienten in der Verum- und Placebo-Gruppe. Jeder Statistiker würde hier einen Lachanfall bekommen...

Was die Quelle zu den Leitlinien betrifft, so habe ich Zweifel, ob MITDENKER seine eigene Quelle wirklich gelesen hat. Genau mit dem Ziel die Leitlinien zu objektivieren, wurde der Prozeß der Leitlinienentwicklung gestartet. Die Schulmedizin hat hier ihre Hausaufgaben gemacht, ganz im Gegensatz zur Alternativmedizin. Genau dafür, dass sich historische Ereignisse wie mit Semmelweis nicht wiederholen, dafür gibt es Leitlinien. Der Weg von der Eminenzbasierten Medizin zur Evidenzbasierten Medizin ist bisweilen schmerzhaft, deshalb führt an Leitlinien auch kein Weg vorbei.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 00:52

Sturm im Wasserglas

Ein Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer ist nicht die Person, welche über die Zukunft des Berufsstandes der Heilpraktiker entscheiden wird. Dafür ist der Gesetzgeber zuständig. Aber es ist ein Testballon zur aktuellen Stimmung und ein Versuch, die Protagonisten aus der Reserve zu locken. Die Reaktion der Wutbürger ließ nicht lange auf sich warten, dabei haben sich die Wutbürger wirklich die größte Mühe gegeben, alle bestehenden Vorurteile in Bezug auf den Berufsstand des Heilpraktikers zu bestätigen.

Ja, Ärzte tun sich schwer damit, Heilpraktiker als Teil des Gesundheitssystems zu akzeptieren. Das hat vor Allem damit zu tun, dass seitens der Heilpraktiker massiv Etikettenschwindel betrieben wird. Dort wo Heilkunde draufsteht, sollte auch Heilkunde drin sein. Wenn sich Heilpraktiker ausschließlich mit Naturheilkunde im engeren Sinn (Phytotherapie, milde Physiotherapien etc.) beschäftigen würden, wäre all dies kein Problem. Sehr wohl ein Problem ist das Sammelsurium an esoterischen alternativen Verfahren, die sich sowohl einer wissenschaftlichen Erklärung als auch einer Bestätigung ihrer klinischen Evidenz widersetzen. Das fängt schon mit der Ausbildung an, praktisch jede Heilpraktikerschule hat in ihrem Curriculum Angebote wie Irisdiagnostik, Schüsslersalze, Homöopathie etc. Das setzt sich fort mit der Weigerung der Heilpraktiker sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen ihrer Tätigkeit auseinanderzusetzen. Das ist auch kein Problem der Neuzeit, bereits in einem DÄ-Artikel von 2011 wurde diese Problematik dargestellt:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/85221/Schulmedizin-versus-Naturheilverfahren-Hauptsache-pflanzlich

Da ist es auch wenig hilfreich, wenn ein Nichtdenker mit geballtem Einsatz von Whataboutismen versucht, vom Kern des Problems abzulenken, dieser Forist zeigt eindringlich, wie wissenschaftsfern ein Großteil der Heilpraktiker in dieser Frage ist und dass eine eigene Auseinandersetzung der Heilpraktiker mit dem esoterischen Unfug im eigenen Tätigkeitsspektrum auch in zwanzig Jahren nicht zu erwarten ist.

Ein Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer kann die Gesetze nicht ändern, aber er kann eine Diskussion anstoßen, die sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der Berufsausübung der Heilpraktiker beschäftigt. Egal ob Homöopathie, Irisdiagnostik, Schüsslersalze oder Geistheilung, all dies sind verschiedene Varianten einer ritualisierten Zuwendung. Der Beruf des Heilpraktikers ist ein freier Beruf und kann nicht einfach abgeschafft werden, auch hier gelten die Prinzipien des Bestandsschutzes. Aber die Rahmenbedingungen können und müssen hinterfragt werden. Dies fängt an mit der Berufsbezeichnung, der ganze esoterische Hokuspokus ist keine Heilkunde, deshalb sollte der Berufsstand in Ritualtherapeut umbenannt werden. Nur dort wo ausschließlich echte Naturheilkunde drin ist, wäre die Bezeichnung Heilpraktiker weiterhin legitim. Und es geht weiter mit dem Tätigkeitsspektrum. Bisher gab es nur eine kurze Negativliste mit Verboten. Nach den Erfahrungen z.B. mit alternativen Krebstherapien wäre es sinnvoller, sich auf eine Positivliste mit erlaubten Behandlungen zu beschränken, wobei individuell das Tätigkeitsspektrum durch zertifizierte Zusatzausbildungen erweiterbar sein sollte.

Streng genommen schaden sich die Heilpraktiker mit ihrer Haltung selbst. Gerade beim Thema Homöopathie gibt es schon lange heftige Diskussionen. Wenn die Anhänger der Homöopathie dies als spezielles Ritual mit starker Placebowirkung akzeptieren würden, stünde einer Integration in die Schulmedizin nichts entgegen. Die Placebowirkung ist wissenschaftlich akzeptiert und bewiesen. Für die Berechnung der Wirksamkeit (numbers needed to treat=NNT) könnte man eine Interventionsgruppe mit einer Nichtinterventionsgruppe vergleichen. Dies entspricht sicher auch den Alltagserfahrungen der Hömöopathieanwender. In dem Augenblick, wo aber eine spezifische Wirksamkeit der Homöopathie postuliert wird, muss sich die Hömöopathiegruppe in einer verblindeten randomisierten placebokontrollierten Studie messen lassen, die NNT geht unter diesen Bedingungen gegen unendlich.

Warum also tun sich die Anhänger der Homöopathie (und all der anderen pseudowissenschaftlichen Therapien) so schwer damit, das Ritual als wirksames Agens anzuerkennen? Das hängt damit zusammen, dass ein Ritual bzw. Placebo am besten wirkt, wenn der Patient von der Wirkung überzeugt ist. Auch gibt es bei den Ritualtherapien einen kulturellen Aspekt, nicht jeder Patient ist für jedes Ritual empfänglich. Zusätzlich wird der Patient im Vorgespräch für das geplante Ritual konditioniert, deshalb benötigt eine homöopathische Anamnese auch relativ viel Zeit. Die Haltung des Behandlers zum Ritual erlaubt drei mögliche Kommunikationsstrategien. Erstens, der Behandler steht dem Ritual kritisch gegenüber und klärt den Patienten über die Rolle des Rituals auf, das wäre die sauberste Lösung, würde aber den Verzicht auf einen Teil des Placeboeffekts bedeuten. Zweitens, der Behandler steht dem Ritual kritisch gegenüber, verschweigt dies aber dem Patienten. Das wäre bei freundlicher Auslegung Beihilfe zum Selbstbetrug und bei unfreundlicher Auslegung eine Lüge. Dies würde das Vertrauensverhältnis zwischen Behandler und Patient gefährden und wäre deshalb nur für Ausnahmesituationen akzeptabel. Drittens, der Behandler belügt sich selbst und gibt all den Ritualen einen besonderen Sinn, indem ihnen ein bisher unverstandener spezifischer Wirkmechanismus angedichtet wird. Offensichtlich ist dies die einfachste und am häufigsten praktizierte Variante. Aus diesem Grund sollten auch Ärzte die Finger von der Homöopathie lassen, der Selbstbetrug ist gleichbedeutend mit Kontrollverlust in der Funktion als Lotse des Patienten und mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.

Noch ein paar Worte zum Thema Leitlinien. So abfällig wie sich einige Foristen aus der Heilpraktikerecke über Leitlinien äußern, zeigt dies, dass sie das Prinzip wissenschaftlicher Arbeitsweise nicht verstanden haben. Ich empfinde Leitlinien nicht als Gängelung, sondern als Bereicherung. Nur reproduzierbare und objektivierbare Daten können helfen, sich im Dschungel der verschiedenen Therapiemöglichkeiten nicht zu verirren. In den letzten Jahren haben Leitlinien in ihrer Struktur große Veränderungen durchgemacht. Moderne Leitlinien haben ein Verfallsdatum, damit neue Erkenntnisse regelmäßig integriert werden. Moderne Leitlinien machen Angaben zu den Interessenskonflikten ihrer Autoren, um die Einflussnahme der Industrie zu begrenzen. Moderne Leitlinien wichten ihre Aussagen in Abhängigkeit von der Belastbarkeit/Evidenz der zugrundeliegenden Daten. Die nächste Strukturänderung bei Leitlinien wird wahrscheinlich dahin gehen, dass dort die Einschlusskriterien der wichtigsten Studien thematisiert werden, damit besser sichtbar wird, für welche Patienten die Leitlinie anwendbar ist und für welche Patienten eine individualisierte Therapieentscheidung notwendig ist. Auch fehlt aktuell noch ein Hinweis, ob alle Bevölkerungsgruppen (Frauen, Kinder, bestimmte Ethnien, bestimmte Altersgruppen) in den zugrundeliegenden Studien hinreichend berücksichtigt wurden. Wie gesagt, Leitlinien sind noch nicht perfekt, auch werden sie zunehmend umfangreicher (eine Lang- und eine Kurzfassung ist fast überall üblich). Aber Leitlinien zeigen am deutlichsten den medizinischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte.

Ich weiß, dass Psiram auf Heilpraktiker wie ein rotes Tuch wirkt, aber dort gibt es zwei Übersichtsartikel zum Thema Argumentationsweisen und Alternativmedizin, die aus meiner Sicht absolut lesenswert sind:
https://www.psiram.com/de/index.php/Rhetorik_der_Pseudomediziner_und_Vermarkter_zweifelhafter_Produkte
https://www.psiram.com/de/index.php/Alternativmedizin
Wenn sich Heilpraktiker mehr mit den methodischen und fachlichen Grundlagen ihres Berufs beschäftigen würden, dann müssten dies nicht andere für sie tun und dann könnte sich auch ein Herr Botzlar anderen Themen zuwenden.
Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 11. Februar 2020, 00:30

Strophanthin

@ Mitdenker:

Was genau wollen Sie mit dem Hinweis auf Strophanthin sagen? Ein verhindertes Wundermittel ist es nach derzeitigem Stand des Wissens nicht: https://www.medizin-transparent.at/strophanthin-das-verschwundene-herzmedikament/

Aber mehr würde mich interessieren, wie Sie den Hinweis von "Practicus" beurteilen, dass die Homöopathie "Schulmedizin" par exellence ist. Die Lehren von Hahnemann gelten bei klassischen Homöopathen bis heute, ebenso die von Kent bei spiritualistischen Vertretern der Homöopathie. Es gibt innerhalb dieser Schulen keinen Fortschritt. Sogar die Zahl der Schläge bei der Potenzierung wird einfach beibehalten, ohne dass Studien je verglichen hätten, wie oft man schlagen soll.

@ Naturfreund:

Wissenschaftliche Thesen werden nicht demokratisch entschieden, aber deswegegen gefährdet Wissenschaft nicht die Demokratie. Die korrekte Auskunft der Uhrzeit ist ja auch nicht "undemokratisch".
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 8. Februar 2020, 02:21

"Schulmedizin"

allein diese Bezeichnung durch Anhänger der Homöopathie ist eigentlich ein genialer Werbetrick, genauso die "Erstverschlimmrung" als Beweis einer besonderen Wirksamkeit von "Hochpotenzen".
Das suggeriert, die wissenschaftliche Medizin sei verschult, verknöchert, apodiktisch und fortschrittsfeindlich... und "Hochpotenzen" auch besonders "hochpotent"!
Dabei ist wie schon mehrmals aufgeführt, besonders die Homöopathie eine "Schulmedizin", die Repertorsiation ist seit ihrer "Erfindung" unverändert, die "Arzneiprüfungen" oftmals geradezu bizarr und ausserordentlich subjektiv und halten selten der Nachprüfung stand, der Donner-Report enthält dazu viele Beispiele, die zwar 80 Jahre alt, aber - wen wundert das? - immer noch aktuell sind.
Wenn Sie, Naturfreund, sich darauf berufen, die "Schulmedizin" hätte Sie krank und die "Homöopathie" wieder gesund gemacht, dürfen Sie das ja gern glauben... aber ob Sie sich wirklich als Beispiel eignen, ist ohne nähere Kenntnis der Umstände nicht überprüfbar. Am Ende wird das ja der Pathologe klären...
Avatar #737432
Rollkragen
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 14:53

@B.Schmidt

Sie irren sich, HP dürfen mehr behandeln als Sie annehmen, zudem sollten Sie die Kommentare von Naturfreund und seinen Mitstreitern zu verschiedenen Artikeln, insbesondere auch Impfungen, lesen, um feststellen zu müssen, dass "Schulmedizin" und Ärzte verunglimpft werden. Es geht auch nicht um Naturheilkunde, die selbstverständlich einen Platz auch in der Medizin hat. Das Problem für Kommentatoren wie Mitdenker, Pro-Natur u.a. ist , dass Ihnen bei aerzteblatt.de überraschenderweise auch Ärzte widersprechen..
Avatar #778771
B.Schmidt
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 13:47

@Rollkragen

Es geht doch gar nicht um Herzinfarkte, Schlaganfälle, Verletzungen, Infektionen u.v.m. Dies dürfen HPs ohnehin nicht behandeln! Warum fällt Ärzten das respektierende Miteinander so schwer? Es gibt doch sowohl für die Schulmedizin, als auch für Naturheilkunde eine Berechtigung - Nach mittlerweile 35 Jahren Schulmedizin in einer Klinik, weiß ich beide Seiten zu schätzen.
Avatar #737432
Rollkragen
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 11:09

Schulmedizin...

@Naturfreund
Werter Herr, schön, dass Sie mit alternativen Methoden so positive Erfahrungen gemacht haben. Sicherlich verzichten Sie gerne auf die "Schulmedizin" und die Behandlung durch "habsüchtige Mediziner" , wenn es bei Ihnen und Ihrer Familie um Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Verletzungen, Infektionen u.v.m. geht. Bleiben Sie einfach gesund!
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 00:16

Grundrechenarten

Wenn etwa die Hälfte aller Heilpraktiker in Bayern sitzen, dann passt dies nicht so recht zum Anspruch der Heilpraktiker versorgungsrelevant zu sein. Offensichtlich gibt es Gegenden in Deutschland, die hervorragend ohne oder mit wenigen Heilpraktikern auskommen. Im Gegensatz zum Ärztemangel war ein „Heilpraktikermangel“ noch nie Thema der öffentlichen Diskussion. Man muss kein Statistiker sein, um zu sehen, dass die Dichte der Heilpraktiker sehr wenig mit dem medizinischen Versorgungsbedarf zu tun hat, aber sehr viel mit der Schwere der Geldbörsen in der jeweiligen Region.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 23:43

Ausgerechnet die UdSSR...

nicht ohne Grund begaben sich die "Granden" der Nomenklatura in westliche Krankenhäuser oder liessen die Spezialisten einfliegen (zB Cooley, deBakey)... Spezialität der Russen sind ja stets ganz geheime Therapien aus irgendwelchen geheimen Militärinstituten, die nur an einem einzigen Ort gegen unheimlich viel Geld durchgeführt werden können - gegen Krebs, Drogenabhängigkeit, Alkoholismus... dennoch gehören die Staaten der früheren SU zu den Staaten mit den meisten Drogentoten, Alkoholabhängigen, der kürzesten Lebenserwartung...
@Mitdenker: Ihnen ist aber schon aufgefallen, dass die von Ihnen zitierten Studien 23 bzw 28 Jahre alt sind?
Nur die Homöopathie und "Alternativmedizin" sind lernunfähig und verknöchert, die behandeln ihre Patienten noch genauso wie vor 50 oder 200 Jahren! Ich bin seit 40 Jahren Arzt, und in dieser Zeit haben sich 90% der Behandlungen erheblich verändert. Ich benutze Medikamente, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die es vor 40 Jahren nicht mal als Idee gab, während Homöpathie und Akupunktur stolz darauf sind, seit 200 bzw 2000 Jahren nach den gleichen Methoden diagnostizieren und behandeln - und auch noch damit werben...
Avatar #103488
KuhnJ
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 22:05

Mitdenken!

@ Mitdenker:
Die 5-Jahresüberlebensraten bei Krebs liegen auch bei uns in ähnlicher Größenordnung. Dazu gäbe es viel zu sagen. Ebenso zur Chemotherapie. Hatte ich nicht gesagt, dass die Chemotherapie (übrigens nur eine von drei Standardbehandlungen bei Krebs, neben OP und Bestrahlung) nicht immer hilft und manchmal unnötig angewandt wird, z.B. am Lebensende? Halten Sie mir jetzt meine eigene Aussage vor?
Aber was hat das alles damit zu tun, dass die alternative Krebsbehandlung im Vergleich mit seriöser Krebsbehandlung Menschenleben kostet? Das interessiert Sie nicht, weil es nicht in Ihr Weltbild passt? Oder verstehen Sie nur nicht, dass das, was Sie sagen, damit nichts zu tun hat, weil das mit dem Mitdenken so schwer ist?

@ Naturfreund:
Ach Gott, was soll man dazu noch sagen?
Avatar #103488
KuhnJ
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 08:27

Der natürliche Tod

@ Naturfreund:

Sie mögen die medizinische Behandlung von Krebs als "Gift-Therapie" denunzieren. Richtig ist, dass Chemotherapie oft erhebliche Nebenwirkungen hat, nicht immer angezeigt ist und natürlich auch nicht immer hilft.

Aber man sollte auch sehen, dass die "natürlichen" Alternativen Menschenleben kosten. Wer bei Krebs auf Alternativmedizin setzt, hat ein höheres Sterberisiko: https://academic.oup.com/jnci/article/110/1/121/4064136 und https://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2687972. Das Sterberisiko ist dabei gerade bei den Krebsarten erhöht, bei denen medizinische Behandlungen erfolgversprechend gewesen wären.

Eine Analogie zum Verständnis: Bei schweren Verkehrsunfällen sterben dem Notarzt viele Unfallopfer unter der Hand weg. Auf die Idee, diese Verkehrstoten dem Notarzt in die Schuhe zu schieben und statt dessen Globuli zu empfehlen, ist gottseidank noch niemand gekommen. Das Ergebnis wäre gleich tödlich wie bei der alternativmedizinischen Krebsbehandlung.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 4. Februar 2020, 23:15

@Naturfreund

Eine Untersuchung hat mal ergeben, dass Heilpraktiker*innen den aktuellen Stand der "Schulmedizin" meist nicht kennen und deren Wirksamkeit generell unterschätzen, während sie die Wirksamkeit der eigenen Therapien überschätzen.
Ich habe Patienten mit inoperablen Bronchialkarzinomen, die seit 2 bzw 5 Jahren in voller Remission sind, Darmkrebs im Stadium Dukes C mit Infiltration der Bauchmuskulatur, seit 10 Jahren ohne Rezidiv...
Klar, Chemotherapie ist die Kunst, den Tumor ganz und den Patienten möglichst nicht zu vergiften - und das funktioniert inzwischen ganz gut, jedenfalls viel besser als Sie glauben.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 4. Februar 2020, 20:47

@KuhnJ

Mitdenker schmeisst sich hier immer für seine Heilpraktikerkollegen in die Bresche. Beliebtes Argument: Wir machen keine Kunstfehler... das ist einer einfachen Tatsache geschuldet: Wo keine Kunst, da kein Kunstfehler... Gerichtlich festgestellt ist unter anderem: Einem HP kann kein Aufklärungsfehler vorgeworfen werden, weil er nicht über Umstände aufklären kann, die er nicht zu wissen braucht! Wer zu einem HP geht, tut das auf eigene Gefahr, HP haften nur in extremen Ausnahmefällen.
Ein HP muss lediglich die gesetzlichen Beschränkungen beachten - ansonsten dürfen HP praktisch alles: Irgendwelche Stoffe als Krebsmittel verabreichen (wenn sie eine geeignete Waage benützen), auch wenn die hochgefährlich sind, Honorare nach Gusto fordern (es gibt keine verbindliche Gebührenordnung), Laborwerte interpretieren ohne die Physiologie dahinter zu verstehen, EKGs schreiben und interpretieren, ohne zu wissen was sie da tun... Krebs anhand der Form der Leukozyten diagnostizieren und und und
Sogar Sonografiegeräte stehen in den Praxen...
Avatar #103488
KuhnJ
am Montag, 3. Februar 2020, 20:01

Mitdenken!

Ihr Vergleich mit dem Krankenpfleger hinkt auf drei Beinen. Krankenpfleger bekommen die Erlaubnis, diese Berufsbezeichnung zu führen, nur nach einer soliden dreijährigen Ausbildung. Diese Ausbildung vermittelt Kenntnisse, die sie für ihre Tätigkeit brauchen und was sie tun dürfen, was "Pflege" ist und was nicht, ist auch geregelt.

Heilpraktikter müssen keine Ausbildung haben, wenn sie sich eine Heilpraktikerschule gönnen, muss dort nicht vermittelt werden, was sie später tun und was sie tun, bleibt in weiten Bereichen ihnen überlassen.

Ein Fall wie der des Krankenpflegers, der seine Pfleglinge getötet hat, ist der Tatsache geschuldet, dass Menschen immer versagen können, egal wie gut ihre Tätigkeit reguliert ist. Die Fälle, in denen Heilpraktiker ihre Patienten getötet haben, sind meist der Tatsache geschuldet, dass sie nicht wissen, was sie tun.
Avatar #103488
KuhnJ
am Samstag, 1. Februar 2020, 08:56

Gehaltsnachstellungen der Justiz

Im bayerischen Schrobenhausen geht in einem spektakulären Fall gerade der Staatsanwalt der Gehaltsfrage nach: https://www.donaukurier.de/lokales/schrobenhausen/wochennl052020-Auch-die-Heilpraktikerin-ist-in-U-Haft;art603,4474082. Dort wurde u.a. ein wirkungsloses Mittel gegen Krebs für 5.900 Euro pro Packung verkauft.

Zu solchen Fällen hört man von den Heilpraktiker-Verbänden in der Regel nichts, im Gegenteil, sie werden stets als "Einzelfälle" bagatellisiert. Ohne damit alle Heilpraktiker über einen Kamm scheren zu wollen - es gibt sicher auch viele, die ihre Grenzen kennen - die Zahl der schwarzen Schafe sollte nicht erst durch den Staatsanwalt reduziert werden. Es braucht andere Regularien und auch mehr selbstkritische Reflexion unter den Heilpraktikern.
Avatar #751406
Dr. Hans-Werner Bertelsen
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 16:27

Heilpraktiker-Irrsinn?

Ich habe in einer Zahnarztpraxis gearbeitet, dessen Inhaber auch die Lizenz zum heilpraktiken sein eigen nannte.

Es wurde viel gependelt, homöopathisch "behandelt", Knochen gefräst, Amalgam herausgebohrt (besonders bei Krebspatienten!) und nach Kräften injiziert.

Auch der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern, einer Asthmatikerin, wurde injiziert. Frischzellen - um eine "Immunantwort zu provozieren". Sie verstarb im Zahnarztstuhl.

Stoppt den Irrsinn:

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/heilpraktiker-den-gegenwaertigen-irrsinn-nicht-laenger-hinnehmen-a-1163792.html
Avatar #810513
cthulhu
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 08:53

@ B.Schmidt

Mein abschließender Satz bezog sich auch nicht mehr direkt auf Ihren Kommentar, sondern auf den obigen Text. Haben Sie ihn gelesen?
Mit Weißdorn führen Sie ein schönes Beispiel für ein Phytopharmakon an, also klassische Naturheilkunde. Freilich: wo Sie Wirkung haben, ist auch Nebenwirkung garantiert. Diese muss ja nicht immer sicht- und spürbar sein. Auf die Gesamtverträglichkeit kommt es an.
Avatar #778771
B.Schmidt
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 14:25

@cthulhu

zu 1. Angst = beklemmendes, banges Gefühl, bedroht zu sein. So nehmen Heilpraktiker das Wettern lediglich einiger Ärzte( denn es gibt durchaus Ärzte, die das Wissen der Heilpraktiker nutzen) wahr. Kein Heilpraktiker will schwere Erkrankungen behandeln, die durch den Segen und die guten Methoden der Schulmedizin behandelt werden können. Auch da gibt es Richtlinien und Behandlungsverbote für HPs.
zu 2. Muss denn immer die neuste, nebenwirkungreiche Methode bei Beschwerden angewandt werden, die durch eine bewährte, nebenwirkungsfreie Therapie ebenso gut behandelt werden kann? (z. B. ist die Behandlung einer leichten Hypertonie z.B. mit Weißdorn genauso effektiv, wie der medikamentöse Eingriff in das RAAS)
zu 3. da kann ich gerade keinen Zusammenhang zu meinem Kommentar finden. Wieso reden Sie von Irisdiagnostik und Esoterik?
Avatar #810513
cthulhu
am Dienstag, 28. Januar 2020, 13:07

@B.Schmidt

1. Niemand hat Angst vor Heilpraktikern - wie kommen Sie darauf?
2. Das Wissen um historische Medizin mag ja vor alten Fehlern bewahren, anwenden sollte man jedoch lieber die neuesten und validierten Methoden. Schließlich wusste man "damals" noch nichts von Bakterien, Immunsystem, Säure-Basen-Haushalt oder Tumor-Antigene und musste sich auf Erfahrungen = Anekdoten verlassen.
3. Sie sprechen von Naturheilkunde. Diese gehört per Definition nicht zur Esoterik und wurde hier auch gar nicht kritisiert.
Irisdiagnostik dagegen, gehört natürlich nicht zur Naturheilkunde, sondern ist Esoterik = Fantasie.
Avatar #778771
B.Schmidt
am Dienstag, 28. Januar 2020, 12:32

Keine Angst vorm Heilpraktiker

Achje, diese Angst der Ärzte vor dem Heilpraktiker nimmt wohl kein Ende... Es wäre schön, wenn die Ärzte darüber nachdenken, woher sie kommen - nämlich aus der Erfahrungsmedizin, die über Jahrtausende weitergegeben wurde. Heute, in der evidenzbasierten Schulmedizin wissen die jungen Mediziner wohl gar nicht mehr, dass sich diese sich hieraus entwickelt hat.
Heilpraktiker WOLLEN gar keine Ärzte sein. Es gibt Regeln, an die sie sich halten müssen, auch wenn das immer wieder anders dargestellt wird. Die Naturheilkunde kann die Schulmedizin ergänzen und bereichern, warum wird es den Menschen nicht als ergänzende und unterstützende Therapie empfohlen??? Achja dafür gibt es ja keine DRG´s und ein OPS Code für Schröpfen ist mir auch nicht bekannt... Da kann die Abrechnung nicht erfolgen.
Avatar #808754
Pascal_Physiotherapeut
am Montag, 27. Januar 2020, 20:09

Heilpraktiker sind elementar

Wer war denn zuerst da, der Heilpraktiker oder die Schulmedizin? Die Antwort lautet übrigens der Heilpraktiker.
Wieso findet die Diskussion so eine Relevanz? Wissen die Mediziner denn nicht mehr was sie können? Der Heilpraktiker kann hervorragend als Komplementärmedizin angesehen werden. Wer sagt denn nicht, das eine schulmedizinisch austherapierte Rheumapatientin bei einem Heilpraktiker physikalische Anwendungen machen lassen kann, oder phytotherapie für die Aktivierung innerer Organe ? Kann das jemanden umbringen? Und zudem bietet der Heilpraktiker für Physiotherapeuten die Möglichkeit, eigenverantwortlicher zu arbeiten. Der Heilpraktiker gehört in das nichtstaatliche System, was bedeutet, das es für die Patienten das „i Tüpfelchen“ zur Hauptbehandlung ist. In der amtsärztlichen Überprüfung werden lebensbedrohliche Zustände geprüft. Es wäre absurd zu denken, das Heilpraktiker Patienten davon abhalten würden, sich bei Anzeichen einer Appendizitis nicht dem Arzt vorzustellen. Und achja irisdiagnostik; wieder schön verdreht, aber irisgranulome darf man diagnostizieren? Bitte überdenken
Avatar #43086
chris.goepfert
am Montag, 27. Januar 2020, 19:10

Wer braucht HeilpraktikerInnen?

Die Medizin gehört in ärztliche Hände, und diese müssen adäquat vergütet sein. Für HeilpraktikerInnen, die übrigens in der Gegend, in der ich arbeite ein Vielfaches eines Arztgehaltes verdienen, gibt es keine Existenzberechtigung. Alternative Behandlungen werden immer ihre Kunden finden. Aber es würde dann kein medizinisches Wissen vorgegaukelt. Bezeichnungen wie "Psychotherapie", "Zentrum", "Therapie" müssen klar definiert sein und medizinisch fachlich kompetenten Leuten vorbehalten bleiben. In Deutschland hat jeder die Möglichkeit Medizin zu studieren, wenn er oder sie die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt und bereit ist, sich auf eine jahrelange qualifizierte Ausbildung einzulassen.
Avatar #810513
cthulhu
am Montag, 27. Januar 2020, 11:23

@Mitdenker

Ich bin etwas irritiert.
Zum einen schreiben Sie, "Neuskeptiker" (was ist das?) würden einem erzählen, man sei "auf einen Placebo-Effekt hereingefallen" und verlinken dann auf eben diese Skeptiker, die dort sehr schön zusammengefasst haben, was man derzeit darüber weiß.
Weder wird dort angedeutet, der Placebo-Effekt kann alles erklären (s. "Der natürliche Krankheitsverlauf selbst", "Regression zur Mitte", "Fluktuationen bei chronischen Beschwerden", "Andere Behandlungen und Veränderungen der Lebensumstände" und "Die innere Einstellung des Patienten zu den Beschwerden", noch empfinde ich es als "Dauerplattheit", nur auf dessen Existenz und Einfluß hinzuweisen.

"... ich bevorzuge Therapien die wirksamer sind als Placebos ..."
Nun, dann wären Sie der erste Heilpraktiker, von dem ich höre, daß er kein "Abrakadabra" anbietet.
Ich habe da so meine Zweifel.

PS: haben Sie denn schon mal einen Patienten mit Migräne geheilt? Also dauerhaft und zweifelsfrei von den Kopfschmerzattacken befreit?
Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 26. Januar 2020, 01:30

@Pro-Natur

Das machen Strahlentherapeuten tatsächlich: Die sogenannte "Radiosynoviorthese". Anstatt die Gelenkinnenhaut bei rheumaischen Fingergelenkentzündungen chirurgisch zu entfernen, wird diese durch eine lokale Bestrahlung zerstört. Das funktioniert auch bei Knie- Hüft- Schulter- und Sprunggelenken und kann Gelenkersatzoperationen um viele Jahre hinausschieben. Durch die Verödung der Gelenkinnenhaut wird der Patient schmerzfrei und die Gelenkfunktion bleibt erhalten.
Die Reichweite und die Dauer der Strahleneinwirkung läßt sich sehr genau steuern, die Nebenwirkungen sind gering, Spätfolgen der Strahlenexposition sind minimal.
Die Risiken einer langjährigen Behandlung mit NSAR sind tendenziell größer.
Natürlich ist Ihnen unbenommen, zur Befriedigung einer irrationalen "Strahlenangst" lieber Schmerzen und den Verlust der Greiffunktion Ihrer Hände hinzunehmen - aber die vorgeschlagene Behandlung ist durchaus rational und sicher.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 25. Januar 2020, 15:16

Würdeloses Heilpraktikergesetz

Die Problematik der drei Todesfälle bei einem Heilpraktiker in einer alternativen Krebsklinik im Jahr 2016 nahe der niederländischen Grenze unter Anwendung des Präparates „3-Bromopyruvat“ als experimentelle allopathische Chemotherapie von Krebskranken war nicht – wie irrtümlich von medizin- und bildungsfremden Kreisen in Aufsichtsbehörden, Verwaltung, Gesundheitswesen und Jurisprudenz angenommen – die Homöopathie.
Die Homöopathie als Behandlungsmethode bezieht sich in der Regel auf Krankheiten, Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die mit oder ohne Therapie auch spontan von selbst ausheilen können. Unter diesem „Schutzschirm“ ist und bleibt diese „besondere Therapierichtung“ (SGB V) in der Bevölkerung beliebt und wird meist unproblematisch und unkritisch betrachtet.

Völlige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
Das Hauptproblem bei dem onkologischen Sterbedrama in NRW waren übermotivierte, in „illusionärer Verkennung“ ihrer Fähigkeiten und Begrenzungen ebenso invasiv und interventionell wie notfallmedizinisch inkompetent arbeitende Heilpraktiker gewesen. Dabei sollte eigentlich gelten: Alle – inklusive der Ärzteschaft – sollten ihre professionellen Grenzen kennen!
Geschützt werden hier Heilpraktiker-Scharlatane, die es im Übrigen unter Ärzten ebenfalls geben kann, durch eine weltweit einmalige juristische Fiktivkonstruktion: Akademisch grundlagen-orientiert, pathophysiologisch, klinisch und in der Praxis ausgebildete Ärzte werden mit „Erfahrungsheilern“ ohne wissenschaftlich fundierte Ausbildung nahezu gleichgestellt.

Entwertung der ärztlichen Ausbildung
Darum ist das Heilpraktikergesetz als „HeilprG“ einfach nur würdelos! Es entwertet Abitur und Vollstudium Humanmedizin, PJ und klinische Fachausbildung. Es zieht die Befähigung zur Ausübung der Heilkunde als sogenannte „Heilkunde-Erlaubnis“ und „Heilkunde-Privileg“ ins Lächerliche.
Das kann man auch billiger haben: Einfach den „Heilpraktiker“ ohne zusätzliche Berufsausbildung machen! Dann kann man sich nach Herzenslust an Patienten als freiwilligen Versuchskaninchen austoben; wird damit jedoch genauso entwertet.

Hilfe aus dem Ministerium
Und wer hilft einem dabei, ohne störende Ausbildungshürden, ohne lästiges Arztregister, Bundes- und Landesärztekammern, Weiterbildungs- und Fortbildungspflichten, Berufsordnungen bzw. weitere staatliche Kontroll- und Aufsichtsbehörden? Ein völlig unbedarftes „Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz“ mit einem geradezu „bahnbrechenden“ Heilpraktikergesetz von 1939, das auch noch auch noch weitschweifig und kommentarlos im Internet präsentiert wird:
„Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung
(Heilpraktikergesetz), HeilprG, Ausfertigungsdatum: 17.02.1939
„Heilpraktikergesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 2122-2, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2702) geändert worden ist“.
[...]
Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis.
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
(3) Wer die Heilkunde bisher berufsmäßig ausgeübt hat und weiterhin ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen; er führt die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“.
§ 2 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft ... erhalten.
(2) Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.
§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.
§ 4 und § 5 Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 zu besitzen, die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 5a (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 die Heilkunde im Umherziehen ausübt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zweitausendfünfhundert Euro geahndet werden.
§ 6 (1) Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
(2)Eingangsformel
§ 7 Der Reichsminister des Innern erläßt ... die zur Durchführung ... dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
§ 8 (1) Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig treten § 56a Abs. 1 Nr. 1 und § 148 Abs. 1 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung, soweit sie sich auf die Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes beziehen, außer Kraft.“

Juristische Nazi-Propaganda im 21. Jahrhundert?
Das ist nicht nur übelste juristische Nazi-Propaganda einer demokratisch gewählten Deutschen Bundesregierung des 21. Jahrhunderts. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht aller staatsexaminierten Ärzte, die auf hohem professionellen Standard ihre ärztliche Profession ausüben. Es entwertet ihre universitäre, theoretisch und praktisch orientierte, klinische und ambulante, wissenschaftliche und versorgungsmedizinische Ausbildung und beschädigt die rechtliche Bedeutung der Erteilung einer Heilkunde-Erlaubnis mit sogenannter „Bestallung“.
Und dies vor dem Hintergrund, dass ein HeilprG auch noch unter „Sieg Heil“-Rufen von Nazi-Schergen, die damit die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und jüdischen Patienten bejubelten, verabschiedet wurde.
Der Deutschen Reichsregierung fehlten Ärzte an allen Ecken und Enden, die wenigen weiblichen wurden meistens gar nicht für voll genommen: An den Kriegsfronten, in den Lazaretten, in den Akutkliniken, in den Praxen in Stadt und Land.
Das ist die eigentliche Entstehungsgeschichte dieses würdelosen und schändlichen Heilpraktiker-Gesetzes!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #810513
cthulhu
am Freitag, 24. Januar 2020, 14:46

Placebo - ein Segen

Lieber Mitdenker,
ist es "dem Patienten" wirklich egal, was genau hilfreich war? Ich denke, beim nächsten Migräne-Anfall ist es eben nicht egal, die Sache mit dem Fehlschluss habe ich schon erwähnt.
Also ich jedenfalls möchte wissen, ob mir eine Tablette, die Massage oder das Blut eines bei Vollmond geschlachteten Huhns weiterhilft. Denn nur dann kann ich den Erfolg (wenn es denn einen gibt) wiederholen.

Schließlich veranschaulichen Sie sehr schön das schiefe Bild, welches die meisten Menschen vom Placebo-Effekt haben. Niemand muss auf diesen Effekt "hereinfallen", er ist quasi bei jeder Behandlung vorhanden.
Leider besteht offenbar die Ansicht, dass dieser Mechanismus etwas von Täuschung oder Selbstbetrug inne hat.
Obwohl er noch nicht besonders gut verstanden ist, kann man ihn (auch klinisch) nachweisen und ist wahrscheinlich eines der besten Heilmittel überhaupt.
Und ich muss Ihnen wohl nicht erklären, dass echte Medikamente sehr wohl nachweisen müssen, dass sie besser als der reine Placeboeffekt sind - Meridiane und Miasmen stehen offenbar darüber.
Avatar #103488
KuhnJ
am Freitag, 24. Januar 2020, 12:08

Lobbyistenvorwurf unberechtigt

Einige Kommentare werfen Herrn Botzlar vor, er spreche als Lobbyist. Der Vorwurf soll seine Position delegitimieren, indem seine Person angegriffen wird.

Vielleicht sollte man sich einmal vergegenwärtigen, dass er z.B. Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychotherapeuten usw. nicht als überflüssig erklärt, obwohl sie doch auch am Gesundheitsbudget teilhaben, also mit den Ärzten um knappe Ressourcen konkurrieren. Wie plausibel ist also der Lobbyistenvorwurf?
Avatar #810471
Elisabeth Schnakenberg
am Freitag, 24. Januar 2020, 10:42

Heilpraktiker*innen leisten einen hohen Beitrag für die Gesundheitsversorgung!

Wie kann es sein, dass einige wenige Menschen denken über 50% der Bevölkerung bevormunden und ihr Therapie- und Therapeut*innenwahl einschränken zu wollen? Echte mitmenschliche Sorge umeinander würde erst mal die Betroffenen fragen, statt über sie bestimmen zu wollen.
Im Besonderen frage ich mich wie die Ethikrichtlinien des Ärzteblattes sind, wenn Titel veröffentlicht werden, in denen ein Mensch ca 45.ooo anderen Menschen die Existenzberechtigung abschreibt? Selbst wenn Hr. Botzlar das so sagt, sollte die Überschrift wohl überlegt sein! Eine Berufsgruppe, die sich der EBM verschreibt, sollte besonders bei Hypothesen zu anderen Berufsgruppen wissenschaftlich vorgehen und erst eine umfängliche Untersuchung zur täglichen Praxis der Heilpraktiker*innen inklusive deren Anteil am Gesundheitssystem durchführen, bevor im aktuellen Hype ungeprüft vorverurteilt wird, nur weil es en vogue ist.
Fair wäre gewesen in der Umfrage zum Artikel auch die Möglichkeit anzubieten, sich für eine Behandlung bei einer/em Heilpraktiker*in zu entscheiden.
Avatar #810513
cthulhu
am Freitag, 24. Januar 2020, 09:58

Zusammenfassung

Ich fasse zusammen:
Ch.H.69:
- Ärzte arbeiten also symptomorientiert ...
- Heilpraktiker sollen dagegen auf Heilung ausgerichtet sein, obwohl sie kein Heilversprechen machen dürfen
- es wäre gut, wenn HPs, die im schlechtesten Fall ohne jegliche Ausbildung nur mit Glück beim achten mal den Test bestanden haben, ihre Grenzen kennen würden
- Ärzte sollen sich nicht nur ständig fortbilden und die neuesten Therapieentwicklungen kennen, nein sie sollen auch "jahrhunderte alte Medizinweisheiten", die Patienten zumeist schnellstens umgebracht haben, kennen und anerkennen (sic!)
- die Umwelt ist schädlich und es gibt Krankenhauskeime (ach...?)
- Ärzte und andere Berufsgruppen machen auch Fehler, aber bei HPs stirbt dabei meistens niemand
- Wer heilt hat Recht - äh, das ist übrigens Quatsch. Wer nachgewiesen hat, das er/sie geheilt hat, hat schon eher Recht
- Ärzte, mit ihren bildgebenden, mikrobiologischen, hämatologischen usw. Diagnoseverfahren "haushalten" Krankheiten nur
seetie:
- gegen HPs wird gehetzt
- jeder soll selbst entscheiden können (nicht wie bisher, wo es offenbar irgendeinen Zwang gibt), ob er zum jahrelang fachlich ausgebildeten Doktor mit den o.g. Verfahren geht, oder doch lieber zu jemanden, der irgendwann einen Multiple Choice Test bestanden hat, aber schon wenn er Akupunktur anwendet, von einer völlig falschen Physiologie und Anatomie ausgeht
- es gibt anscheinend Richtlinien und Kontrollen, die für HPs "streng gefordert" sind, die bei Ärzten aber wohl nicht durchgeführt werden
Julius Senegal:
- ich vertraue nur gut und fundiert ausgebildeten Profis in allen Bereichen, in denen es gefährlich werden kann
Gulderling:
- ... antibiotikaresistente Keime ... Antibiotika-Mißbrauch ... Ärzte und Tierärzte sind schuld ...
- über den einen(?) Toten, der durch einen HP verursacht wurde, wurde viel zu viel geschrieben
- (Anekdoten über Akupunktur und Homöopathie, in denen auch noch stolz davon berichtet wird, wie man Kindern die Leidenszeit verlängert)
- dieser "besessene Kampf" gegen Pseudomedizin macht mich so dermaßen mißtrauisch, dass ich lieber z.B. dutzende gute Argumente gegen Homöopathie nicht wahrnehme, sondern lieber so bauchgefühlsmäßig unterwegs bin
- wenn ich Krebs habe, gehe ich aber doch zum Arzt

Nun, die (echte, evidenzbasierte) Medizin wurde erfunden, um anekdotische Fehlschlüsse so gut es geht auszuschließen.
Dass man das heutige System kritisieren kann, steht außer Frage. Kapitalismus und Profitgier haben in der Vergangenheit einen unschönen drift verursacht, und jetzt haben wir die Situation, dass es zu wenig Zeit für den individuellen Patienten hat, der sich in der "Apparatemedizin", in der man von einem Verfahren zum nächsten geschoben wird, verloren fühlt.
Muss man deswegen zu einem Laien, der an "geistartige Kräfte" oder "Meridiane" glaubt, gehen?
Ich finde, so etwas sollte es in aufgeklärten Zeiten in dieser Form nicht geben.
Avatar #810566
Gulderling
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 21:35

Gute Gründe für alternative Heilverfahren

Wir haben jedes Jahr einige Tausend Tote, verstorben durch antibiotikaresistente Keime, erworben während eines Krankenhausaufenthaltes und verursacht durch einen viel zu hohen Antibiotika-Mißbrauch, verschrieben von Ärzten (oder in der Landwirtschaft verschrieben von Tierärzten). Über dieses RIESIGE Problem reden Ärzte in der Öffentlichkeit nicht halb so viel wie über den einen Toten, den es mal gab, weil ein Heilpraktiker seiner Verantwortung nicht gerecht wurde. Warum bloß?
Ich bin jetzt über 60 Jahre alt und gehe - wenn ich mal gesundheitliche Probleme habe - zum Heilpraktiker (den ich selbst bezahlen muss) und war schon seit 25 Jahren nur noch äußerst selten beim Arzt. Habe also meiner Krankenkasse viel Geld erspart. Ein alter Kinderfreund von mir hatte jahrelang schreckliche Migräne und keine ärztliche Kunst hat ihm helfen können, seine Krankenhausaufenthalte haben Hunderttausende gekostet. Eine Heilpraktikerin hat in 7 Sitzungen Akupunktur ihm eine jahrelange Besserung verschafft, dennoch wollte die Krankenkasse die 700.- DM nicht übernehmen. Mein Sohn ist fast die gesamte Kindheit nur mit homöopathischen Mitteln behandelt worden, und zwar erfolgreich (auch gegen Bronchitis, Krupphusten u.a.m.) - also mit genau der Therapieform, die nur ein Bruchteil von dem kostet, was die Schulmedizin kostet, und die von vielen Ärzten momentan mit aller Schärfe bekämpft und für wirkungslos erklärt wird. Jeder, der schon mal am eigenen Leib (oder an seinen Kindern erlebt hat), wie durchschlagend diese vermeintlich "wirkungslosen Zuckerkügelchen" eine nachhaltige Gesundung gebracht haben (während viele chemische Medikamente nicht ohne Nebenwirkungen sind), kommt spätestens dann ins Nachdenken darüber, wie unsere Gesundheit wirklich zusammenhängt und funktioniert. Der geradezu bessenene "Kampf" vieler Mediziner in der Öffentlichkeit gegen alle alternativen Heilmethoden macht mich ehrlich gesagt nur noch mißtrauischer gegen diese vermeintlichen Alleswisser.
Damit will ich keineswegs alle Schulmediziner verteufeln. Auch die Schulmedizin hat an bestimmten Stellen ihren Wert und ihren Platz.
Avatar #772524
Julius Senegal
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 20:39

Heilpraktiker sind sinnlos

Wenn ich den Bus nehme, soll ihn ein Busfahrer fahren - kein Buspraktiker.
Ein Pilot soll fliegen, kein Flugpraktiker.
Und wenn man ein gesundheitliches Problem hat, das nicht von selbst weggeht, geht man zum Arzt und nicht zu einem Nobody, der 75 % der Fragen in einem beliebig wiederholbaren Kreuzeltest richtig beantwortet hat.

Kein anderes Land der Welt ist so ignorant und hat Unheilpraktiker als Aushängeschild.

Entweder auf dem Müllhaufen der Geschichte, oder so beschränken, dass diese Möchtegerns kein Unheil mehr anrichten können.
Avatar #810553
seetie
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 20:03

Bevormundung des Patienten

Ich finde diese Hetzkampagnen gegen die Heilpraktiker unmöglich. Jeder soll selbst entscheiden können ,ob er zum Arzt oder lieber zum Heilpraktiker geht. Zentral im Raum stehend ist die Frage,warum der Zulauf zu Heilpraktikern stetig steigt. Ich selbst bevorzuge eine Kombination aus Arzt und Heilpraktiker und lasse mir das nicht von der Politik oder Ärzten vorschreiben. Es wird ja keiner gezwungen in eine Heilpraktikerpraxis zu gehen. Die streng geforderten Richtlinien und Kontrollen sollten bei Ärzten genauso durchgeführt werden. Es gibt dort auch viele schwarze Schafe. Wir brauchen gut ausgebildete Ärzte, aber ich schätze einen erfahren und verantwortungsvollen Heilpraktiker ebenso.
Avatar #810537
Ch.H.69
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 18:22

Die Aus- & Weiterbildung der Ärzte gehört auf den Prüfstand!

Wenn Ärzte tatsächlich syndromorientiert behandeln würden und nicht wie so oft symptomorientiert, bräuchte es die alternativen Heilverfahren bzw. Heilpraktiker wirklich nicht. Doch die weitgehendst pharmakologische Orientierung der Arztausbildung vernachlässigt den Patienten mit seinen Ressourcen bzgl. humoraler Abwehr und Selbstheilung. Arzt und Heilpraktiker unterscheiden sich schon grammatikalisch - einer ist auf Heilung ausgerichtet. Natürlich hat die Schulmedizin ihre Daseinsberechtigung und es wäre gut, wenn Heilpraktiker die Grenzen ihrer Therapiemöglichkeiten kennen würden. Doch genauso müssen Ärzte die Chancen guter und jahrhundertealter Medizinweisheit anerkennen. Mit unserer schädlichen Umwelt gibt es für alle genug zu tun. Ich finde das Thema, den Heilpraktikerberuf auf den Prüfstand zu stellen verfehlt. Geht es doch eher um Fehler, die Heilpraktikern vorgeworfen werden. Doch kommen unsere Politiker nicht auf die Idee, andere Berufsgruppen auf den Prüfstand zu stellen. Denn es sterben bestimmt weit mehr Menschen durch Ärztepfusch und akquirierte Krankenhauskeime (ich habe keine Zahlen, hier spricht mein Bauchgefühl und Erfahrung) als durch Behandlungen beim Heilpraktiker. Und vergessen wir doch nicht, wer hat es denn zu verantworten, dass das Vertrauen der Menschen in die Ärzteschaft mangelhaft ist? Musste doch der Gesetzgeber die Beweislastumkehr einführen, weil Ärzte nicht nur pfuschen, sondern ihren Pfusch auch noch vertuschen!
Ein Hinweis an die Politiker: WER HEILT, HAT RECHT. In diesem Sinne sollte man sich mal die Fakten ansehen, die sprechen ganz klar für die Notwendigkeit eines Therapeuten der heilt und nicht Symptome bzw. Krankeiten haushaltet, wie Ärzte es idR tun. Und was spricht dagegen, dass Hauptschüler sich in diese Richtung qualifizieren? Muss doch jeder die Prüfung vor einer qualifizierten öffentlichen Institution bestehen.
Avatar #810513
cthulhu
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 16:19

HPs brauchen eine neue Berufsbeschreibung

"... da kommen Leute mit jahrelang anhaltenden Rückenschmerzen, Allergiepatienten, Hautproblemen, depressiver Verstimmung, Migränepatienten, Schmerzpatienten, Reizdarm/Verdauungsprobleme etc."
Jo, sage ich doch. All diesen Leuten ist anscheinend schon geholfen, wenn sich mal jemand richtig viel Zeit nimmt, zuzuhören und zu nicken. Dann ein bisschen Abrakadabra - und der Patient ist zufrieden (! - nicht geheilt).
Dementsprechend müssten die Heilpraktiker eigentlich im Raum hinter dem Arzt sitzen und dann die Patienten bekommen, die noch ausführlich Gesprächsbedarf haben.
Avatar #810513
cthulhu
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 15:26

Warum zum Heilpraktiker?

Verstauchung, Nebenhöhlenentzündung, Magenverstimmung etc.
Da gehe ich doch nur zum Arzt, um mir eine Krankmeldung abzuholen, ansonsten kann man doch eh nur die Selbstheilung abwarten und Tee trinken.
Ok, Antibiotika gibt's auch nur über den Arzt, aber warum sollte ich zum Heilpraktiker gehen?
'rumjammern, wie schlecht es mir geht, kann ich auch bei meiner Frau.
Avatar #810476
seth2020
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 13:16

Ärztemangel und HP-Reform

Hallo,
dass das HPG von 1939 mit seinem Reichsadler gut, gerne und dringend mal "überarbeitet" werden könnte, steht bei vielen wohl ausser Frage. ABER was den Meinungs-Vorstoß einiger Mediziner zum Thema HP-Abschaffung angeht, so wäre es vielleicht ganz hilfreich, wenn diese doch mal darüber nachdenken, wer die ganzen HP-Patienten denn wohl auffängt. Der Hausarzt? Der Landarzt? Oder dass ost-europäische Mediziner-Outlet?
Wer behandelt zukünftig die oben im Text erwähnten 28.160.000 HP-Kunden jährlich? Und was geschieht mit den rund 60.000 Beschäftigten aus der HP-Branche? Ist nur ein "Bauchgefühl", aber es scheint sehr wohl eine "Existenzberechtigung" für den ein oder anderen Heilpraktiker zu geben?!

Vielleicht weiß die LÄK-Bayern mit ihren rund 9000 anscheinend von Langeweile geplagten (Kassen-)Hausärzten aber mehr?! Gesamt-Deutschland übrigens 44.903 Hausärzte (Stand 2020 laut Statista Research Department, 05.12.2019). Kann man googeln.

Man kann nur inständig hoffen, dass an dem Thema ein sachlicher und seriöser Kopf dran beteiligt ist. Dieses ewige und emotionale "Mimimi - ich finde Heilpraktiker blöd" - Gehabe darf jedenfalls nicht zu irgendeinem schädlichen Ergebnis für unser deutsches Gesundheitssystem führen! Denn merke: "Auch Ärzte können nicht über Wasser laufen!" Trotz jahrelangem Studium!

Danke und Gruß.

P.s.: Ach ja - man muss kein Heilpraktikerkunde für diese Meinung sein. Es reicht, wenn man mal im Arztwartezimmer gesessen hat!!
Avatar #704484
Dr. Eckhoff
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 13:10

Dr.Paul-Ulrich Eckhoff

Als Orthopäde in eigener Praxis, jetzt Ruhestand, hatte ich viele patienten, die mit "alternativen"Therapien behandelt worden sind . Und ich hatte etliche, die mal zu mir und mal zum Heilpraktiker gingen. Oder sie wurden mir direkt vom Heilpraktiker zugewiesen. Und mein Rsumee aus dieser Zeit: Der aufgeklärte Patient geht zum Doktor, weil dessen Unterschrift für die Bürokratie des sozialen NEtzes ( AU, Reha, Krankenhaus, Rente ) gebraucht wird und er geht zum Heilpraktiker für seine Gesundheit. An mancher Fortbildung traf man Heilpraktiker, die sich arg gewundert haben, dass ein Kassenarzt ( ich ) bis zu 100 Patienten am Tag behandeln konnte, während sie mit 10 Patienten am Tag voll ausgelastet waren. Solange die HEilpraktiker verantwortungsvoll den Patienten betreuen sind sie eine gute Ergänzung.
Laßt die Heilpraktiker doch leben. Macht es wie mit der Homöopathie. Wer es haben will bezahlt es selbst. Aber er darf es haben. Denkt bitte an den Alkohol: Im Übermaß schädlich, aber er wird auf Selbstzahlerbasis weiterhin abgegeben. Und die allerneueste Entwicklung: Glücksspiel im Internet.
Avatar #810479
Da schau..
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 12:49

Ja und?

Herr Botzlar ist Ärztefunktionär, vertritt also eine Lobby. Genausogut könnte man den Vorsitzenden des Automobilclubs fragen, ob er eine Existenzberechtigung für Fahrräder sieht - und das dann für eine objektive Beurteilung halten. Mit welchem Recht glaubt ein Funktionär den Bürgern vorzuschreiben, von wem sie sich behandeln lassen müssen? Jeder Patient hat das Recht sich so behandeln zu lassen, wie er das wünscht. Das entscheidet - Gott sei Dank - weder die Ärzteschaft, noch sonst ein Therapeut, sondern nur derjenige, den es wirklich betrifft - der Patient. Ihm dieses Selbstbestimmungsrecht durch die Hintertür entziehen zu wollen, ist der eigentliche Skandal.
Avatar #754654
Peter H.
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 11:14

Die Kampagne...GWUP, Münsteraner Kreis

Zur GWUP und deren "Pseudowissenschaftlichkeit" empfiehlt es sich, den Erfahrungsbericht des Gründungsmitgliedes und "Aussteigers" Edgar Wunder anzusehen:

https://swprs.org/das-skeptiker-syndrom/?fbclid=IwAR31S2KaQBiyWbxluo-wRgj8vKsUzrR289ergXOAXE0dyiXtqf7Oo1RS64U

Fakt ist, dass die "Kollegen" der Anti-Homöopathie-Kampagne auf Twitter/Facebook und in den Kommentarspalten(siehe hier) eine Meinungsmehrheit erzeugen, die mit realen Bevölkerungsmehrheiten nichts zu tun hat und die mit PSIRAM zudem ein rechtlich im Graubereich befindliches "Denunziationsportal" unterstützen. Dies nennt sich auch "Astroturfing" und ist heutzutage ein gängiges PR-Instrument.
Allerdings hat dies alles sehr wenig mit echten Bevölkerungsmehrheiten und damit Demokratie zu tun und sollte durch Staat und Justiz untersucht werden.
Avatar #810432
Erhalt Therapiefreiheit
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 10:28

Mündige Patient_innen?

Wie Herr Hegge schon sagte, sind Patient_innen mündige Bürger_innen und können mit „ihren Füßen“ abstimmen.
JedeR Patient_in hat ein Anrecht, sich frei für eine Therapierichtung oder Therapiemethode zu entscheiden.
Wie kann es sein, dass für mich fremde Menschen, wie Politiker_innen oder Sie Herr Botzlar, glaubt entscheiden zu dürfen, was für mich der richtige Weg zur Gesundung oder Gesunderhaltung sei.
Ich plädiere doch sehr dafür, dass es meine eigene Entscheidung bleibt, ob ich bei bestimmten Krankheiten lieber eineN Heilpraktiker_in oder eineN Ärzt-in aufsuche.
Sicherlich lassen sich Ausbildung und Fortbildungen standardisieren.
Halten wir uns doch lieber an die Schweiz. Hier es möglich das Heilpraktiker_innen durch eine Zusatzprüfung zu Naturärzt-innen werden, mit den gleichen Rechten und Pflichten.
Avatar #799946
info@heilpraxis-hege.de
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 10:28

Wer die Konkurrenz fragt...

seit es Mediziner gibt würden diese die Volksheiler (heute Heilpraktiker) gerne los werden, auf dass der Patient sein Geld nur noch zum Doktor trägt. Daran hat sich über die Jahrhunderte nicht viel geändert. Dummerweise denken die Patienten weniger daran, dass der Doktor gut lebe, sondern es ihnen selbst gut geht. Und gehen daher (auch) zum Heilpraktiker...
Avatar #734411
Bushin
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 23:41

Bitte Fragen zum Berufsstand der Heilpraktiker den eigentlichen Spezialisten überlassen, Herr Botzlar!

"„Wenn man es genau nimmt, gibt es für Heilpraktiker keine wirkliche Existenzberechtigung“, sagte Botzlar."

Wenn man es genau nimmt fehlt Botzlar hierzu vor allem jede Kompetenz, seine Meinung gefragt oder ungefragt abzugeben. Ein Medizinstudium absolviert zu haben ist weder autoamtische Legitimation, bei den Belangen einer ganz anderen Berufsgruppe mitzureden, noch besteht hierfür im Hinblick auf die Berufsaufgaben der Heilpraktiker eine automatische Qualifikation: Selbsterklärt gilt der Beruf des Heilpraktikers als der Spezialist der Naturheilkunde im vollständigsten Sinne schlechthin. Dieses Thema ist weder Bestandteil des Curriculums der medizinischen Hochschulen, noch ist es auch nur Aufgabe streng naturwissenschaftlich ausgerichteter Medizin, sich darüber den Kopf in mehr als kenntnisnehmenden Maß zu zerbrechen. Selbstverständlich braucht es gerade bei diesem Thema entschiedenerweise den Heilpraktikerberuf, der sich den Erhalt und die Weiterentwicklung der echten und vollständigen Naturheilkunde erlärt auf die Fahnen geschrieben hat.

Entscheidend ist bei dieser Botzlars Aussage jedoch der Blick aus einer ganz anderen, nämlich hier wirtschaftlichen und damit auch politisch relevanten Sicht. Die ERHEBLICHE Entlastungsleistung für das gesetzliche Krankenversicherungssystem, die durch Heilpraktiker TAGTÄGLICH mit bundesweiten Konsultationszahlen von ca 128Tsd Patienten gemäß BDH-Umfrage von 2017 erbracht wird. Wer will denn das entstehende Versorgungsloch für die Patienten, die es nun mal vorziehen, mit bestimmten gesundheitlichen Problemen zum Heilpraktiker zu gehen, auffangen? Die Ärzteschaft? Und wer darf die Finanzen für das aufbringen, was genau durch die Heilpraktikerschaft, für die es angeblich "keine Existenzberechtigung" gäbe, geleistet wird, wenn diese nicht mehr leistet?

Herr Botzlar sollte sich um seine Aufgabengebiete kümmern, vor der Tür der eigenen Berufsgruppe gibt es mehr als genug zu kehren.

"Christian Weymayr, der zum Münsteraner Kreis gehört, hält es für eine „große Gefahr“, dass Patien­ten, die zu Heilpraktikern gehen, „auf sinnvolle Therapien verzichten“."

Christian Weymar tut das auf Grund seiner letztlich pseudoskeptischen Geisteshaltung, der auch viele der anderen "Spezialisten" im Münsteraner Kreises, solche wie zum Beispiel Dr. Natalie Grams, offen fröhnen. Er konstruiert hier einerseits in typischer Manier manipulierender Rhetorik, dass naturheilkundliche Therapien dann wohl im Vergleich "nicht sinnvoll wären" - was als absolutistische Aussage natürlich schon mal blanker Mumpitz ist. Zum Zweiten verkennt er die Tatsache, dass gerade durch das deutliche Mehr an Zeit für die Patienten oft erst durch genau diese Konsultation des Heilpraktikers notwendige medizinische Schritte eingeleitet werden. Indem Patienten bei entsprechender Notwendigkeit ordentlich und umfänglich über Hintergründe vorliegender Erkrankungen aufgeklärt werden und ihnen somit die tatsächliche Notwendigkeit ärztlicher Konsultation, etwa für umfassendere diagnostische Abklärungen, überhaupt erst nahe gebracht werden kann.

"Er (Botzlar) erwartet aber keine einschneidenden Änderungen durch die Gesundheitspolitik. Denn die Angebote von Heilpraktikern seien bei vielen Patienten beliebt."

Und über den Grund genau hierfür sollte Botzlar einmal in aller Ruhe nachdenken. Das liegt mit Sicherheit vor allem an der intensiven Zuwendung, den nahezu ausnahmslos verträglichen Therapien, und ebenso deren oft tatsächlich positiver Wirksamkeit. In der heutigen Zeit wird es kaum noch Menschen geben, die dauerhaft für Leistungen Geld bezahlen, von denen sie keinerlei Mehrwert für sich selbst ersehen können.

Es gäbe einiges mehr zu dem Artikel zu sagen. Ich schenke mir das aus gutem Grund: Weder Herr Botzlar, noch Herr Weymar, noch sonstige eingebildete Heilpraktikerspezialisten nehme ich hier ernst. Die echten Spezialisten - nicht nur für die Naturheilkunde, sondern ganz im Besonderen NATÜRLICH auch für den Heilpraktikerberuf - sind natürlich die Heilpraktiker selbst.

Nun, das vielleicht noch:

"Kritiker des Heilpraktikerberufs wie Weymayr vom Münsteraner Kreis halten es aber für abwegig, von Qualität zu reden, wenn Methoden wie die Iris-Diagnostik auf dem Stun­den­plan stehen, bei der aus der Netzhaut von Patienten Rückschlüsse auf die Gesundheit gezogen werden."

Wie der Name "Iris-Diagnostik" schon andeutet, geht es hierbei um die Beschaffenheit der Iris, nicht der Netzhaut. Ob das Sinn oder Unsinn ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sicher ist aber, dass Herr Weymayr hier keinerlei Beurteilungskompetenz hat. Es handelt sich nämlich nicht um ein naturwissenschaftlich erfassbares Verfahren, sondern eine der Erfahrungsheilkunde entspringenden Annahme, die sich in der Praxis erstaunlicherweise immer wieder bestätigt. Dass zum Beispiel bestimmte Veränderungen im Stoffwechselprozess des menschlichen Organismus sich allmählich durch charakteristische Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes des Auges niederschlagen. Solche Methoden werden auch von zahlreichen Ärzten genutzt - deutschlandweit (genauer: weltweit). Nicht etwa, weil diese naturwissenschaftlich sichere Erklärungen für das Phänomen hätten. Sondern weil sie selbst entsprechende Erfahrungen gemacht haben, dass da wohl irgendwas dran ist. Aber abgesehen davon ist der Hauptinhaltsstoff des Grundausbildungscurriculums der Angerer-Schule den rein naturwissenschaftlichen Medizingrundlagen geschuldet, die zunächst und alleerst auch für den Heilpraktikerberuf notwendig sind. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie etc etc etc. Das verschweigt ein Weymayr natürlich. Das Warum kann sich der geneigte Leser nun einmal selbst an fünf Fingern ausrechnen.
Avatar #810360
SagtDirEhNichts
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 21:53

Die Iris ist nicht die Retina

Ich unterstütze den Vorstoß voll und ganz und wünsche mir auch die Abschaffung diverser "PSeudomedizinischer Behandlungsweisen", muss jedoch auf den Fehler bezüglich der Irisdiagnostik hinweisen. Die Iris ist die Regenbogenhaut und nicht die Netzhaut. An der Netzhaut sieht man bekanntlich schon so einige Pathologien. Die Irisdiagnostik hingegen ist sinnlos. ;)
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 21:28

Naturheilverfahren

sind Teil der wissenschaftlichen Medizin und behandeln nach den Prinzipien der EBM.
"Komplementär-" oder "Alternativ-"Medizin dagegen ist gar keine Medizin! Akupunktur mag noch als "unspezifische Reiztherapie" durchgehen, aber Homöopathie, Elektroakupunktur, Kinesiologie, Bachlüten, Irisddiagnostik und Kirlianfotografie sind KEINE NATURHEILVERFAHREN!
Das sind eigenständige, erfundene Heilsysteme ohne den geringsten Beleg für eine Wirksamkeit, die über "eine Täuschung der Patnienten, verstärkt durch eine Selbsstäuschung der Beehandler" hinausgeht!
Avatar #557812
J. Aufgebauer
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 19:02

zu Peter H.

Die GWUP betreibt klassische ergebnisoffene Wissenschaft. Schauen Sie sich dazu Konzept und Durchführung der Psi-Tests an, die seit vielen Jahren sorgfältig und fair ablaufen. Ergebnisoffener geht es gar nicht.
Avatar #557812
J. Aufgebauer
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 18:59

Irisdiagnostik

Die Iris ist nicht die Netzhaut. Aber die Diagnostik ist Humbug.
Avatar #754654
Peter H.
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 18:27

Die Kampagne

... gegen Naturmedizin geht weiter. Der "Münsteraner Kreis" ist hauptsächlich durch die GWUP initiiert worden, einer Organisation, die sich den Kampf gegen alles für sie "nicht-erklärbare" auf die Fahnen geschrieben hat. Dass sie damit eigentlich im Widerspruch zu ergebnisoffener Wissenschaft handeln, merken sie leider nicht. Man muss dazu nur mal die "faktischen" Berufshaftpflichtprämien von Heilpraktikern und Ärzten vergleichen, um zu sehen, wie gering die Gefahr durch Heilpraktiker ist. Schade dass Herr Botzlar hier Lobbyarbeit auf den Leim geht, anstatt den Patienten- und Bürgerwillen zu achten - denn ohne Grund finden Heilpraktiker keinen Zulauf!
LNS

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