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Medizin

Flavonole in der Nahrung könnten vor Alzheimer-Demenz schützen

Montag, 3. Februar 2020

/WavebreakMediaMicro, stock.adobe.com

Chicago – Senioren, die häufig Lebensmittel mit Flavonolen verzehrten, das in fast allen Obst- und Gemüsesorten sowie in Tee enthalten ist, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Neurology (2020; doi: 10.1212/WNL.0000000000008981) seltener an einer Demenz.

Flavonole gehören zu den Substanzen, mit denen sich Pflanzen gegen Fressfeinde und Krankheiten schützen. Dies ist sicherlich nur eine Funktion dieser sekundären Pflanzen­stoffe. Sie weckt aber seit jeher die Hoffnung, dass die schützenden Eigenschaften mit dem Verzehr auf den Menschen übergehen.

Tatsächlich lässt sich in Laborexperimenten zeigen, dass verschiedene Flavonole anti­oxidative oder antientzündliche Wirkungen haben. Ob der Verzehr von Flavonol-haltigen Nahrungsmitteln vor Krankheiten schützt, ließe sich nur in randomisierten kontrollierten Studien zeigen, die in der Ernährungsmedizin schwer zu organisieren und deshalb selten sind.

Einen ersten Hinweis auf eine protektive Wirkung können prospektive Beobachtungs­studien liefern. Dabei wird eine Gruppe von Personen zu ihren Lebens- und Ernährungs­gewohnheiten befragt. Die Antworten werden dann mit späteren Erkrankungen der Teil­nehmer in Beziehung gesetzt. Zu den Beobachtungsstudien, die sich mit der kognitiven Gesundheit im Alter befasst, gehört das „Memory and Aging Project“ (MAPS) der Rush Universität in Chicago, an dem seit 1977 mehr als 1.000 hochbetagte Senioren teilnah­men.

Seit dem Jahr 2004 werden die Teilnehmer jährlich auch zu ihren Ernährungsgewohn­heiten befragt. Ein Team um Thomas Holland von der Rush Universität hat jetzt die Daten von 921 Senioren im Alter von durchschnittlich 81,2 Jahren ausgewertet.

Die Teilnehmer wurden nach ihrer Flavonol-Aufnahme in 5 Gruppen eingeteilt. In der niedrigsten Gruppe betrug die Aufnahme etwa 5,3 mg pro Tag, in der höchste Gruppe waren es durchschnittlich 15,3 mg pro Tag.

In den folgenden 6,1 Jahren erkrankten 220 Teilnehmer neu an einer Alzheimer-Demenz. Im Fünftel (Quintil) mit der höchsten Zufuhr von Flavonolen erkrankten 28 Personen oder 15 %, im Quintil mit der niedrigsten Zufuhr waren es 54 Personen oder 30 %. Holland er­mittelt für das oberste Quintil eine Hazard Ratio von 0,52, die mit einem 95-%-Konfi­denz­intervall von 0,33 bis 0,84 signifikant war. Senioren, die viele Flavonole mit der Nah­rung aufnahmen, erkrankten demnach nur halb so häufig an einer Alzheimer-Demenz.

Holland hat auch den Einfluss von 5 Arten von Flavonolen untersucht: Isorhamnetin, Kaempferol, Myricetin und Quercetin. Bis auf Quercetin konnte für alle eine signifikante protektive Assoziation nachgewiesen werden. Am deutlichsten war sie mit einer Hazard Ratio von 0,49 (0,31 bis 0,77) für Kaempferol.

Die Senioren hatten es vor allem mit Grünkohl, Bohnen, Tee, Spinat und Brokkoli aufge­nommen. Die Hazard Ratio für Myricetin betrug 0,62 (0,4 bis 0,97) und für Isorhamnetin ebenfalls 0,62 (0,39 bis 0,98). Myricetin war vor allem in Tee, Wein, Grünkohl, Orangen und Tomaten enthalten.

Die wichtigste Quelle für Isorhamnetin waren Birnen, Olivenöl, Wein und Tomatensauce. Für Quercetin, das in Tomaten, Grünkohl, Äpfeln und Tee enthalten ist, fand Holland nur eine tendenziell protektive Assoziation von 0,69, die bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,43 bis 1,09 das Signifikanzniveau verfehlte.

Holland konnte in seiner Studie eine Reihe von Begleitfaktoren berücksichtigen, die eben­falls das Demenzrisiko erhöhen. Dazu gehören etwa eine Hypertonie und ein Diabe­tes oder Schlaganfall und Herzinfarkt als Marker für eine allgemeine Atherosklerose. Eine 2. Modellrechnung berücksichtigte gesättigte Fettsäuren, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E, Folsäure und Lutein, die ebenfalls das Risiko beeinflussen könnten. Beide Male blieb die protektive Assoziation von Flavonolen erhalten.

Dennoch sind die Ergebnisse kein Beweis, dass Flavonole vor einer Demenz schützen. Neben den üblichen Unwägbarkeiten, die sich aus ungenauen Antworten in den Ernäh­rungsfragebögen ergeben, gibt es derzeit keinen plausiblen Wirkungsmechanismus, der über die allgemeine Vermutung einer antioxidativen Wirkung hinausgeht.

Es bleibt un­klar, ob die Flavonole beim Menschen die gleiche Wirkung wie bei den Pflanzen erzielen. Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Senioren, die sich gesund ernährten, nur halb so häufig an einer Alzheimer-Demenz erkrankten. © rme/aerzteblatt.de

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