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Medizin

Neue Hinweise für eine neuroprotektive Wirkung von Sport und Bewegung

Montag, 10. Februar 2020

/dpa

Greifswald/Rostock – Belege für die These, dass körperliche Fitness die Gesundheit des Gehirns fördert, haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Universitätsmedizin Greifswald vorgelegt. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Mayo Clinic Proceedings erschienen (doi: https://doi.org/10.1016/j.mayocp.2019.05.030).

„Körperliche Inaktivität ist ein Risikofaktor für Demenz. Dagegen scheinen körperliche Fitness und regelmäßiger Sport vorbeugende Wirkung zu haben. Diverse Studien deuten darauf hin. Die Mechanismen dahinter sind jedoch unklar“, sagte Hans Jörgen Grabe, Forschungsgruppenleiter am DZNE-Standort Rostock/Greifswald und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald (UMG).

Die Arbeitsgruppe um Grabe und Sebastian Baumeister analysierte Daten der sogenann­ten SHIP-Studie in Hinblick auf die Frage, ob körperliche Fitness in Zusammenhang mit dem Hirnvolumen steht. Die SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) befasst sich mit Faktoren für Gesundheit und Krankheit in der Bevölkerung. Mehrere 1.000 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern nehmen daran teil.

Für die aktuelle Untersuchung haben die Forscher Daten von 2.103 Frauen und Männern im Alter zwischen 21 bis 84 Jahren berücksichtigt. Das mittlere Alter lag bei 52 Jahren. Diese Personen hatten sich im Rahmen der SHIP-Studie einem Belastungstest auf dem Fahrrad-Ergometer unterzogen. In weiteren Untersuchungen waren ihre Gehirne mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRT) vermessen worden.

Zur Bestimmung der körperlichen Fitness wurde die von den Probanden unter Höchst­belastung ein- und ausgeatmete Luft untersucht und daraus die „maximale Sauerstoff-Aufnahme“ ermittelt.

„Wir haben einen positiven Zusammenhang zwischen körperlicher Leistungsfähigkeit und Hirnvolumen gefunden: je besser die körperliche Fitness, umso größer das Hirnvolumen“, berichtet Katharina Wittfeld, DZNE-Wissenschaftlerin und Erstautorin der Studie. Der Effekt betraf nicht nur das Gesamtvolumen, sondern auch einzelne Hirnbereiche, die für das Gedächtnis sowie für emotionales und belohnungsbezogenes Verhalten wichtig sind.

„Die nun vorliegenden Daten stützen die Hypothese, dass die kardiorespiratorische Fitness zu einer verbesserten Gehirngesundheit und einem verlangsamten altersbe­dingten Abbau der Hirnmasse beitragen könnte“, so Grabes Fazit.

„Der statistische Zusammenhang zwischen Fitness und Hirnvolumen, den wir festgestellt haben, sagt aber nichts über die Ursachen“, schränkt der Greifswalder Forscher ein. Er spricht von einem „Henne-Ei-Problem“.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Größe mancher Hirnareale in der Weise auf die Hirnfunktion auswirkt, dass die Betreffenden besonders motiviert sind, Sport zu treiben und deshalb körperlich fitter sind. Dann wäre nicht Sport die Ursache für ein vergrößertes Hirnvolumen, es wäre genau umgekehrt“, schränkt er ein.

Die aktuelle Studie fand einen Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und Hirnvolumen nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch bei älteren Erwachsenen.

Diese Beobachtung hält Grabe trotz der Einschränkungen für besonders bedeutsam: „Dies deutet darauf hin, dass die Förderung körperlicher Fitness vielleicht sogar in späten Lebensjahren dazu beitragen könnte, Hirnmasse zu erhalten und somit auch im Kopf möglichst lange fit zu bleiben“, gibt er zu bedenken. © hil/aerzteblatt.de

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