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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gonorrhoe: Gentamicin kann bei isolierter genitaler Infektion eine Alternative zu Ceftriaxon sein

Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): A-1184 / B-980 / C-968

Meyer, Rüdiger

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Foto: Science Photo Library/David M.Phillips
Foto: Science Photo Library/David M.Phillips

Gonorrhoe ist nach Chlamydien-infektionen die zweithäufigste sexuell übertragbare Erkrankung (STI). Bei Neisseria gonorrhoeae treten seit Längerem Resistenzen gegen Penicilline, Tetrazykline, Ciprofloxacin und Cephalosporine der 1. und 2. Generation auf. Da es auch erste Resistenzen gegen Azithromycin gibt, besteht die Behandlung heute aus Ceftriaxon plus Azithromycin. Die Einmalgabe einer solchen Zweierkombination bewirkt in der Regel die Ausheilung der Erkrankung. Aber sicher ist dies nicht mehr, seit erste Resistenzen gegen Ceftriaxon aufgetreten sind.

Deshalb hat das britische National Institute for Health Research eine randomisierte klinische Studie in Auftrag gegeben, um prüfen zu lassen, ob Gentamicin eine Alternative zu Ceftriaxon sein könnte. An 14 STI-Kliniken des Landes wurden 720 Patienten mit genitaler, pharyngealer oder rektaler Gonorrhoe prospektiv randomisiert in eine Gruppe, die Gentamicin erhielt (1 × 240 mg i.m.), und eine 2. Gruppe die mit Ceftriaxon behandelt wurde (1 × 500 mg i.m.).

Alle Teilnehmer erhielten zusätzlich eine Einmaldosis Azithromycin (1 g oral). Primärer Endpunkt war ein negativer PCR-Test bei Abstrichen 2 Wochen nach der Behandlung.

299 von 306 Teilnehmern (98 %) in der Ceftriaxongruppe erreichten den Endpunkt und 267 der 292 Patienten (91 %) der Gentamicingruppe. Die adjustierte Risikodifferenz von 6,4 Prozentpunkten war statistisch signifikant (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [–2,4; –10,4]). Die Ceftriaxongruppe erzielte damit ein etwas besseres Ergebnis.

Dieser Vorteil war allerdings auf Patienten mit rektaler und/oder pharyngealer Infektion beschränkt. Pharyngeale Infektionen wurden in der Gentamicingruppe nur zu 80 % kuriert gegenüber 96 % in der Ceftriaxongruppe (adjustierte Risikodifferenz: 15,3 % [–6,5; –24,0]). Rektale Infektionen wurden in der Gentamicingruppe zu 90 % beseitigt vs. 99 % in der Ceftriaxongruppe (adjustierte Risikodifferenz: 7,8 % [–2,0; –13,6 %]).

Bei den genitalen Infektionen waren dagegen beide Antibiotika gleichwertig. In der Gentamicingruppe heilte die Gonorrhoe bei 94 % aus, in der Ceftriaxongruppe waren es 98 % (adjustierte Risikodifferenz: 4,4 % [–8,7; 0]).

Ceftriaxon erwies sich auch als besser verträglich. Die intramuskuläre Injektion war mit Gentamicin schmerzhafter als mit Ceftriaxon. Der wichtigste Nachteil von Gentamicin dürfte jedoch die irreversible Oto- und Nephrotoxizität sein. Zwar kam es bei keinem Teilnehmer dieser Studie zu Hörstörungen oder Nierenschäden, sodass das Risiko bei einer Einmalgabe der Antibiotika als gering eingeschätzt wird. Sollte es aber zu permanenten Schäden kommen, wäre dies ein hoher Preis für eine in der Regel durch Safer Sex zu vermeidende Infektion.

Fazit: Gentamicin ist nicht die Substanz 1. Wahl bei der Gonorrhoe. Die Substanz könnte aber eine mögliche Alternative zu Ceftriaxon sein bei isolierter urogenitaler Gonorrhoe oder bei Patienten mit einer Cephalosporin-Allergie oder -Unverträglichkeit. Rüdiger Meyer

Ross JDC, Brittain C, Cole M, et al.: Gentamicin compared with ceftriaxone for the treatment of gonorrhoea (G-ToG): a randomised non-inferiority trial. Lancet 2019; doi: 10.1016/S0140–6736 (18)32817–4).

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