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Medizin

NDM-Resistenzen an Kliniken in der Toskana

Donnerstag, 6. Juni 2019

/dpa

Stockholm – In der Toskana ist es in den letzten Monaten zur Ausbreitung von carbapenemresistenten Enterobacteriaceae gekommen. Die Darmbakterien, die mit einer Neu-Delhi-Metallo-Beta-Laktamase (NDM) Carbapeneme und fast alle anderen Beta-Laktam-Antibiotika spalten und damit unwirksam machen, wurden in 7 Kliniken bei insgesamt 350 Patienten gefunden. Da die Toskana ein beliebtes Reiseziel ist, hält das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) eine Ausbreitung in andere Länder für möglich. Den Kliniken wird geraten, bei der Aufnahme von Patienten nach einem Aufenthalt in der Toskana zu fragen und bei einem Klinikaufenthalt dort, ein Screening durchzuführen.

NDM-resistente Bakterien wurden erstmals 2008 bei einem Patienten in Schweden entdeckt, der zuvor in der indischen Hauptstadt in einer Klinik behandelt worden war. Seither wurden NDM-resistente Erreger weltweit immer wieder sporadisch nachgewiesen. Ein erster Ausbruch mit NDM-resistenten Enterobacteriaceae in Europa ereignete sich 2011 in einer Klinik in Bologna. Im Jahr darauf wurde ein überregionaler Ausbruch mit NDM-resistenten K. pneumoniae aus Polen gemeldet. Spätere Untersuchungen zeigten, dass sich die Erreger in den Balkanländern ausbreiten. In Griechenland erkrankten an mehreren Kliniken mehr als 300 Personen.

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Von November 2018 bis zum 23. Mai 2019 wurden an sieben Kliniken in der Toskana insgesamt 350 Patienten mit NDM-resistenten Enterobacteriaceae entdeckt. Die Erreger wurden in Blutproben (50 Fälle), Urinproben (43 Fälle) und in Proben aus den Atem­wegen (15 Fälle) gefunden. Insgesamt 242 Patienten schieden die Erreger mit dem Stuhl aus.

Die Erreger gehörten demselben Klon an, was auf die Ausbreitung durch einen einzelnen Indexpatienten hindeutet, der allerdings nicht gefunden wurde. So bleibt unklar, wie die Erreger in die Toskana gelangten. In der gleichen Region sind seit Anfang 2010 auch Enterobacteriaceae verbreitet, die das Enzym Klebsiella pneumoniae Carbapenamase (KPC) besitzen und dadurch ebenfalls eine verminderte Empfindlichkeit auf Carbapenem-Antibiotika haben.

Die beiden Resistenzen können laut ECDC die Behandlung erschweren, da auch neuere Kombinationen aus dem Beta-Laktam-Antibiotikum Ceftazidim mit dem Beta-Laktamase-Inhibitor Avibactam unwirksam sein können.

Für Reisende in die Toskana besteht laut ECDC kein erhöhtes Risiko, solange sie nicht in einer Klinik behandelt werden. Dort könnten sie jedoch unbemerkt infiziert werden und die Erreger bei ihrer Rückkehr verbreiten. Gefährdet wären vor allem Krankenhaus­patienten, die aufgrund einer Immunschwäche ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, also beispielsweise Patienten, die sich einer Stammzellbehandlung unterziehen. © rme/aerzteblatt.de

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