NewsThemenAntibiotikaAntibiotika schädigen Darm von Frühgeborenen
Antibiotika

Antibiotika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antibiotika schädigen Darm von Frühgeborenen

Dienstag, 10. September 2019

/Tobilander, stockadobecom

St. Louis – Die häufige Behandlung von Frühgeborenen mit Antibiotika kann die Entwick­lung der Darmflora offenbar langfristig stören. In einer Studie in Nature Microbiology (2019; doi: 10.1038/s41564-019-0550-2) waren bei Kontrolluntersuchungen im Alter von 21 Monaten häufig multiresistente Keime nachweisbar.

Der Einsatz von Antibiotika ist auf neonatalen Intensivstationen, auf denen Frühgeborene die ersten Tage ihres Lebens verbringen, Routine. Nicht selten wird die Behandlung auch nach der Entlassung fortgesetzt, um die Kinder vor Infektionen zu schützen, die ihnen aufgrund eines unreifen Immunsystems drohen.

Anzeige

Die langfristige Antibiotikagabe bleibt jedoch nicht ohne Folgen für die Darmflora, wie ein Team um Melvin Carnahan von der Washington University School of Medicine in St. Louis jetzt herausfand. Die Forscher analysierten insgesamt 437 Stuhlproben von 58 Säuglingen im Alter von bis zu 21 Monaten. 41 Säuglinge waren im Durchschnitt 2,5 Monate zu früh geboren worden. Die anderen waren zum errechneten Termin zur Welt gekommen.

Alle Frühgeborenen waren auf der Intensivstation mit Antibiotika behandelt worden. 9 hatten nur einen Antibiotika-Zyklus erhalten, die übrigen 32 waren über die halbe Zeit ihres Aufenthaltes auf der Intensivstation mit Antibiotika behandelt worden und hatten auch nach Entlassung weitere Zyklen bekommen. Von den zum Termin geborenen Kindern hatte keines Antibiotika erhalten.

Die Kinder, die auch nach der Entlassung weiter mit Antibiotika behandelt worden waren, wiesen bei der letzten Untersuchung im Alter von 21 Monaten die stärkste Störung der Darmflora auf. Die Forscher fanden in den Stuhlproben häufiger multiresistente Keime als bei den Kindern, die auf der Intensivstation nur kurz behandelt worden waren. Am besten hatte sich die Darmflora bei den Kindern entwickelt, die niemals mit Antibiotikum behandelt worden waren.

Die multiresistenten Bakterien im Darm stellen für die Säuglinge keine unmittelbare Gefahr dar, solange sie auf den Darm beschränkt bleiben. Wenn die Keime allerdings in die Harnwege oder sogar ins Blut gelangen, drohen lebensgefährliche Infektionen, die sich dann mit Antibiotika nur schwer behandeln lassen, schreiben die Forscher.

Etwas beunruhigend war, dass die multiresistenten Keime sich im Darm festsetzen können. In einigen Stuhlproben, die die Forscher im Abstand von 8 bis 10 Monaten bakteriologisch untersuchten, waren dieselben Resistenzmuster erkennbar. Bei der letzten Untersuchung im Alter von 21 Monaten hatte sich die Darmflora der Frühgeborenen noch nicht vollständig erholt. Die Forscher fanden weniger „gesunde“ Bakteriengruppen wie Bifidobacteriaceae und häufiger „ungesündere“ Arten wie Proteobakterien. Wie lange diese „mikrobiotische Narbe“ bestehen bleibt, ist derzeit nicht bekannt.

Die Ergebnisse haben die Neonatologen an der Washington University School of Medicine bereits bewogen, den Einsatz von Antibiotika auf das notwendige Maß zu beschränken und die Medikamente nicht mehr wahllos prophylaktisch zu verschreiben. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #104741
urgestein
am Dienstag, 10. September 2019, 21:09

Hauptsache plakativ

Die Überschrift des Ärzteblatts und die Aussage des zitierten Artikels haben, wieder einmal nichts miteinander zu tun. Die Tatsache, dass Darmkeime multuresidtent sind, hat per se nichts mit einer Darmschädigung zu tun. Das ist eine Laien-Assoziation.
Avatar #744979
Dr. Führer
am Dienstag, 10. September 2019, 20:46

Warum abwarten und nicht handeln?

Die Gabe von niedrigdosierten Probiotika ist sicherlich genauso hilfreich wie die prophylaktische Behandlung bei unseren erwachsenen Patienten. - in 30 Jahren keine Antibiotika assoziierten Nebenwirkungen lassen keine Fragen übrig!
Avatar #760357
hphoerl
am Dienstag, 10. September 2019, 19:52

Erkenntnis

Diesbezüglich hätte es diese Studie nicht benötigt. Ist m. E. bereits langfristig bekannt.
Ansonsten möge man mich eines Besseren belehren.
LNS