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Politik

Pharmaverband will breiteres Spektrum an Versorgungsdaten zur Nutzenbewertung

Freitag, 24. Januar 2020

/Olivier Le Moal, stock.adobe.com

Berlin – Auch Daten aus elektronischen Patientenakten und aus den Abrechnungen der Krankenkassen sollten in die Bewertung des Zusatznutzens neuer Arzneimittel einfließen. Dafür hat sich heute in Berlin der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) ausge­sprochen.

Die Hoffnungen auf Qualitäts- und Evidenzverbesserungen im Gesundheitswesen richte­ten sich gegenwärtig genau auf diese Art von Daten, erklärte Markus Frick, Geschäftsfüh­rer „Markt und Erstattung“ beim vfa.

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Hintergrund der Äußerung ist ein Bericht, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlich­keit im Gesundheitswesen (IQWiG) heute vorgelegt hat. Darin beschreibt das IQWiG Qua­litätsanforderungen für anwendungsbegleitende Datenerhebungen zur Bewertung des Zusatznutzens bei Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen und bei Arzneimitteln, die unter Auflagen zugelassen wurden.

Bei diesen Medikamenten ist die Datengrundlage, auf der die Zulassungsentscheidung getroffen wurde, häufig relativ begrenzt. Entsprechend schwierig ist damit auch die Be­wertung des Zusatznutzens gegenüber dem aktuellen Versorgungsstandard.

Um diese Evidenzlücken zu schließen, hat der Gesetzgeber im Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) die Möglich­keit eingeräumt, anwendungsbegleitend die Vorlage zusätzlicher Daten vom Pharmaun­ter­nehmen zu fordern.

Das IQWiG kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass neben eigens aufgelegten in­dividuellen Studien in erster Linie Daten aus indikationsbezogenen Patientenregistern für die Bewertung des Zusatznutzens infrage kommen.

Daten aus elektronischen Patientenakten oder Routineabrechnungsdaten der gesetzli­chen Kran­ken­ver­siche­rung erfüllten die notwendigen Qualitätsanforderungen nicht, schreiben die IQWiG-Wissenschaftler. Außerdem würden darin für die Nutzenbewertung wichtige Daten nicht erfasst.

„Das IQWiG kann mit seinem Vorschlag seine bekannten Vorbehalte gegen die Nutzung von Versorgungsdaten nicht überwinden“, kritisierte vfa-Geschäftsführer Frick. „Schließt sich der G-BA diesem Methodenvorschlag an, werden Versorgungsdaten künftig kaum in die Zusatznutzenbewertung einfließen.“ © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 25. Januar 2020, 10:33

Pharma will für Daten der ePA zahlen, super!

Wenn die Pharmaindustrie auf Daten der ePA zugreifen will, um mit Hilfe dieser Daten den Zusatznutzen von Medikamenten nachzuweisen, dann haben solche Daten einen Wert. Dann zahlt derjenige, der diese Daten haben will, dafür Geld. Will die Pharmaindustrie nicht zahlen, bekommt sie diese Daten nicht. Ohne Daten kann ein möglicher Zusatznutzen nicht nachgewiesen. Also kein Geschäft für die Pharmaindustrie.

Das Geld bekommt natürlich derjenige, der die Daten in die ePA einpflegt, also der Arzt. Wieviel Geld der Arzt dafür bekommt lässt sich nicht vorhersagen. Der Preis dafür wird auf dem Markt zu bestimmen sein. Je wichtiger die Daten für die Pharmaindustrie, desto höher wird ihre Zahlungsbereitschaft desjenigen sein, der diese Daten haben will. Im Jahr 2017 hat die Pharmaindustrie 57 Milliarden mit Medikamenten umgesetzt. Erwartet man mit solchen Daten Zusatznutzen nachweisen zu können und steigt damit der Umsatz um 1 Milliarde, könnte man davon 500 Millionen für die Beschaffung ausgeben.

STOP. Das oben Stehende ist in der Wirtschaft gang und gebe. (Das ist Teil des Geschäftsmodells von amazon, google, apple und Co.) Da haben Daten einen Wert und werden auf dem Markt gehandelt. Hier sind wir jedoch im Gesundheitswesen und somit vergessen Sie gleich alles, was oben steht. Denn die Pharmaindustrie will zwar die Daten haben, aber sie möchte dafür nichts zahlen. Die Politik ist hier willfähriger Helfershelfer der Industrie. Sie zwingt die Ärzte schon heute sich an die TI anzuschließen, ohne dass die Ärzte davon einen Mehrwert haben. Die Ärzte werden vermutlich auch gezwungen werden, wertvolle Daten in die ePA einzuspeisen. Ebenfalls ohne angemessene Aufwandsentschädigung.

Die Kosten-Nutzen-Bilanz ist dabei eindeutig. Die Kosten von 500 Millionen fallen bei den Ärzten an. Der Nutzen von einer Milliarde fällt bei der Pharmaindustrie an.

Sollten Sie sich fragen, wie die Ärzteschaft bei dem Geschäft so schlecht wegkommen kann, hier ein Erklärungsansatz. Die Pharmaindustrie hat Interessenvertreter, die auf die Politik äußerst erfolgreich Einfluss nehmen. Die Ärzte verfügen dagegen nicht über solche Interessenvertreter. Wobei diese Behauptung unzutreffend ist. Die Ärzte haben schlicht keine kompetenten Interessenvertreter. Und wer glaubt, dass die KBV (oder die KVen) die Interessen der Ärzte vertritt, dem sei eine Lektüre des SGB V empfohlen. Im gesamten SGB V steht an keiner einzigen Stelle, dass die K(B)V die Aufgabe hat, die Interessen der Ärzte zu vertreten. Die K(B)V hat nur eine Aufgabe: Alle Vorgaben des Gesetzgebers bzw. der Aufsichtsbehörde gegenüber den KV-Mitgliedern durchzusetzen.

Am Ende werden die Ärzte die Arbeit (und damit die Kosten) haben und die Pharmaindustrie wird ihre Gewinne erhöhen (und damit den Nutzen haben).
LNS