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Politik

Staatsanwaltschaft ermittelt in einem Todesfall mit Iberogast

Montag, 22. Juli 2019

/dpa

Köln – Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt im Umfeld des Bayer-Konzerns wegen eines Todesfalls nach der mutmaßlichen Einnahme von Iberogast. Das berichten das Handelsblatt und Spiegel. „Der Verdacht: Hätte Bayer früher vor Leberschäden ge­warnt, wären womöglich ein Todesfall und etliche Erkrankungen zu verhindern gewe­sen“, schreibt das Handelsblatt.

Iberogast ist ein nicht rezeptpflichtiges Mittel zu Linderung von Magen-Darm-Be­schwer­den. „Iberogast nutzt die Kraft von neun medizinisch wirksamen Arzneipflan­zen. Gemeinsam lindern sie zahlreiche funktionelle Magen- und Darmbeschwerden natürlich und effektiv“, heißt es auf der Produktseite des Arzneimittels.

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Problematisch ist offenbar das in dem Produkt enthaltene Schöllkraut. Schon 2008 hatten dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rund 50 Fall­berichte aus Deutschland vorgelegen, bei denen ein Zusammenhang zwischen Leber­schäden und Schöllkraut vermutet wurde.

Die Behörde forderte in der Folge Hersteller von Produkten mit mindestens 2,5 Mikro­gramm Schöllkraut pro Tagesdosis auf, ihre Beipackzettel um entsprechende Hinwei­se zu ergänzen. Der Iberogasthersteller, zu jener Zeit noch Steigerwald, legte jedoch Widerspruch ein. Auch als Bayer das Produkt übernahm, lehnte es eine Ergänzung des Beipackzettels für längere Zeit ab. Erst im September 2018 lenkte Bayer ein.

Bayer hat nach eigenen Darstellung aus der Presse erfahren, dass die Staatsanwalt­schaft in Bezug auf einen Todesfall aus dem vergangenen Jahr ermittelt, bei dem eine Patientin eine Leberschädigung erlitt und an den Komplikationen einer nachfolgenden Lebertransplantation starb. „Das Ermittlungsverfahren richtet sich ‚gegen unbekannt‘. Einzelheiten des Ermittlungsverfahrens sind Bayer nicht bekannt“, teilte der Konzern dem Deutschen Ärzteblatt auf Nachfrage mit.

Allerdings habe Bayer den erwähnten Fall, der im Zusammenhang mit der Einnahme von Iberogast aufgetreten war, „intensiv und umfassend analysiert“. Die Analyse habe gezeigt, „dass dies höchstwahrscheinlich eine idiosynkratische Reaktion war – eine äußerst seltene, dosisunabhängige Reaktion auf Substanzen, die in der Regel von Menschen sicher toleriert werden“, heißt es in der Bayer-Stellungnahme. Idiosynkrati­sche Reaktionen seien substanzunabhängig und könnten generell nicht ausgeschloss­en werden.

Der Konzern betonte, die Wirksamkeit und Sicherheit von Iberogast sei bei mehr als 7.000 erwachsenen Teilnehmern in prospektiven klinischen Studien nachgewiesen und bei der Behandlung von mehr als 82 Millionen Patienten seit der Markteinführung im Jahr 1960 bestätigt worden. „Das Nutzen-Risiko-Profil von Iberogast ist weiterhin positiv“, so der Konzern.

Kritik an der Gesetzeslage an Deutschland äußerte unterdessen Kordula Schulz-Asche (Grüne), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages. „Das BfArM ist, was Warnungen für Patienten auf Arzneimittelverpackungen und Beipackzetteln an­geht, ein zahnloser Tiger“, sagte sie.

Nicht Hersteller müssten die Unbedenklichkeit beweisen, sondern die Arzneimittelbe­hörde müsse den Zusammenhang zwischen Medikament und Nebenwirkungen zwei­felsfrei herstellen, bevor Warnungen aufgenommen werden müssten. „Das ist das Gegenteil von vorbeugendem Patientenschutz“, sagte sie. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Freitag, 9. August 2019, 19:20

"Warnhinweise im Beipackzettel dienen nicht dazu, Todesfälle, sondern bei Todesfällen entsprechende Ermittlungen zu verhindern."

Sehr gute Analyse des Kollegen Gräber:

https://naturheilt.com/blog/tod-durch-iberogast/
Avatar #687997
Pro-Natur
am Samstag, 3. August 2019, 11:38

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer...

...aber ein Todesfall wegen Iberogast macht Schöllkraut immer tödlich. Die Staatsanwaltschaft wird ermitteln. Was die Schulmedizin mit ihren Behandlungen alles anrichtet, bleibt natürlich außen vor. Wir sehen hier eine weitere Episode in der Kampagne gegen Naturheilverfahren. Dass gerade Bayer betroffen ist, tut einem nicht sonderlich leid.
Avatar #720508
e.ne
am Mittwoch, 24. Juli 2019, 11:43

Das wird wohl nicht mehr zu klären sein

Nach anfänglichem Wohlbefinden, nach Einnahme eines Medikaments,
denken manche Menschen auch: Viel hilft viel. - Und wer weiß, vielleicht
kam dann noch s. @Practikus ein "Underberg" o.ä. hinzu ... dann hat eine
vorgeschädigte Leber ein Problem.
Avatar #720508
e.ne
am Mittwoch, 24. Juli 2019, 11:30

Wie bitte?

Wie lange muss man ein Medikament nehmen, womöglich ohne ärztliches
Wissen/Betreuung um eine "Leberschädigung" zu bekommen?
Und wer bitte schliesst andere Faktoren - für diese "Leberschädigung" aus?
Da hat doch sehr wahrscheinlich eine Leberschädigung bereits vorgelegen, weshalb Pat. , vermutlich als Dauermedikation, "Iberogast" nahm.
Genau das macht man aber nicht. Und ohne ärztliche Kontrolle sowieso nicht.
Was die Leute heutzutage alles schlucken und mit ihrem Körper anstellen
von Tätowieren bis Totaloperationen, weil man evt. Krebs kriegen könnte.
Haare färben, Wimpern färben ...oder entfernen ...
Was bilden sich die Leute eigentlich ein? Das die Natur dumm ist?
Keinen Sinn hat? Das alles - frei nach dem Motto: Was kostet die Welt -
keine u.U. bleibenden Schäden hinterlässt?
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 23. Juli 2019, 15:29

Tödliche Folgen

kann bekanntlich schon der Griff ins Gewürzregal, der Besuch im exotischen Restaurant oder der Verzehr von exotischem Superfood mit sich bringen...
Das Problem ist ganz einfach: Wird Schöllkraut aus der Rezeptur entfernt, ist die Zulassung futsch und muss mit Millionenaufwand unter heutigen Kautelen neu beantragt werden - mit ungewissem Ausgang, da der Effekt eher dem bitteren Geschmack geschuldet ist. Ob ich Iberogast (100ml 30 EUR) oder Underberg (100ml 0.99 EUR) in Wasser verdünnt einnehme, macht hinsichtlich der Wirkung keinen Unterschied
Avatar #754103
Biochemie
am Dienstag, 23. Juli 2019, 11:29

Können wir Tödliche folgen von Pflanzliche Wirkstoffe verindern?

Als erstes möchte ich die Gedanken auf die Angehörigen des verstorben richten. Denn diese werden bis zu ihrem Tod eine Möglichkeit finden müssen mit diesem Erlebnis zu Leben.
Ich empfinde kein Mitgefühl, weil ich die Person nicht kenne aber ich weiß wie wir Menschen normalerweise reagieren.

Ich denke, wir können aus Sicht der Biochemie, nicht Ausschließen das Menschen auf Wirkstoffe so reagieren. Es gibt unerklärliche Krankheiten und Menschen die auf Insekten Gifte reagieren. So denke ich, wird es immer bleiben. Doch sollte der nutzen immer besser sein als die Nebenwirkung.

Ob die Rechtsmedizin die genau Todesursache klären kann?
Dieses wird für den Staatsanwalt seine Arbeitsgrundlage sein.
Dazu müssten Versuche mit unterschiedlichen Mengen des hier unter Verdacht stehenden Schöllkraut gemachte werden, die zu anderen Ergebnissen kommen müssten. Welches dann als Beweis verwendet werden kann.














Avatar #88255
doc.nemo
am Dienstag, 23. Juli 2019, 09:41

Liebende Mutter Natur

Ärzte und Pharmakologen wissen es schon lange: die "Liebende Mutter Natur" kann zu ihren Kinderchen ganz schön böse sein. Sie haben nämlich festgestellt, dass Pflanzenwirkstoffe, die besagte Mutter uns "schenkt", fast immer besser und zuverlässiger wirken, wenn sie isoliert, rein dargestellt und meist auch noch chemisch abgewandelt werden. Das nennt sich dann Medikament, und die haben wesentlich mehr Menschen geholfen als alle Tinkturen von Medizinmännern, Schamanen, Äbtissinen und Kräuterweiblein zusammen. Die meisten Pflanzen legen nämlich großen Wert darauf, möglichst viele giftige Stoffe zu produzieren, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Da macht der Mensch als Feind keine Ausnahme.
Avatar #704484
Dr. Eckhoff
am Montag, 22. Juli 2019, 21:16

dr.Paul-Ulrich Eckhoff

Ich sag es immer wieder: Macht ein Phytotherapeutikum eine grüne Nase, dann gehört es verboten. Man braucht ja pro Jahr schon 2000 Tote ( Beispiel Diclofenac ) an Nebenwirkungen, dann lohnt es sich erst den Mantel des Vergessens über diese Nebenwirkungen zu legen. In einem Glaubenskrieg ( Diclofenac versus Phytotherapeutica =) ist dr Splitter im Auge des Gegenüber immer größer als der Balken im eigenen Auge.
LNS