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Medizin

COVID-19: Lopinavir/Ritonavir bleibt in RECOVERY-Studie ohne Wirkung

Dienstag, 30. Juni 2020

/AHMAD FAIZAL YAHYA, stock.adobe.com

Oxford – Die Protease-Inhibitoren Lopinavir und Ritonavir, die für die Behandlung von HI-Viren entwickelt wurden, haben sich in der bisher größten randomisierten Therapiestudie bei Patienten mit COVID-19 als unwirksam erwiesen. Dies geht aus einer Pressemitteilung zur RECOVERY-Studie hervor, deren Publikation noch aussteht.

Mit mehr als 11.800 Teilnehmern ist die RECOVERY-Studie („Randomised Evaluation of COVid-19 thERapY“) die weltweit größte kontrollierte klinische Studie, die derzeit an Patienten mit COVID-19 durchgeführt wird.

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Die Studie untersucht seit März 5 verschiedene Behandlungsoptionen. Eine, die Behandlung mit dem früheren Malariamittel Hydroxychloroquin, hat sich bereits als unwirksam erwiesen. Eine zweite Option, die niedrig dosierte Behandlung mit Dexamethason, hat dagegen das Sterberisiko signifikant gesenkt und wird mittlerweile als Standard eingestuft.

Jetzt liegen die Ergebnisse aus einem dritten Studienarm der RECOVERY-Studie vor. Ein Teil der Patienten war mit dem Protease-Hemmer Lopinavir behandelt worden, der zur besseren Wirkung mit Ritonavir kombiniert wird (wobei Ritonavir weniger als Protease-Hemmer aktiv ist, sondern in erster Linie den Abbau von Lopinavir hemmt).

Coronaviren sind zwar nur entfernt mit dem HI-Virus verwandt. Sie benötigen jedoch zur Replikation ebenfalls eine Protease. Erste Laborexperimente zeigten, dass sich die Replikation von SARS-CoV-2 durch Lopinavir vermindern lässt.

Anfang Mai hatten Mediziner aus Wuhan die Ergebnisse einer offenen Studie vorgestellt, in der 99 COVID-19-Patienten zusätzlich zur Standardbehandlung Lopinavir/Ritonavir erhalten hatten. Die 28-Tage-Sterblichkeit wurde von 25,0 auf 19,2 % gesenkt, doch der Vorteil von 5,8 %-punkten war nicht signifikant.

Es bestand die Aussicht, dass die RECOVERY-Studie mit einer deutlich höheren Teilnehmerzahl die Wirksamkeit von Lopinavir/Ritonavir belegen würde. In der Studie wurden 1.596 Patienten mit Lopinavir/Ritonavir behandelt. In den Vergleichsgruppen erhielten 3.376 Patienten die übliche Behandlung.

Der primäre Endpunkt der Studie war wie in der chinesischen Studie die 28-Tage-Sterblichkeit. Sie betrug in einer Zwischenauswertung in der letzten Woche in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe 22,1 % gegenüber 21,3 % in den Kontrollgruppen.

Die Patienten, die mit Lopinavir/Ritonavir behandelt wurden, hatten demnach eine etwas schlechtere Prognose. Das relative Risiko von 1,04 war jedoch klinisch nicht relevant und das enge 95-%-Konfidenzintervall von 0,91 bis 1,18 schließt mit hoher Wahrschein­lichkeit aus, dass ein größerer Vorteil von Lopinavir/Ritonavir übersehen wurde.

Die Studienleitung brach die Behandlung wegen fehlender Erfolgsaussichten vorzeitig ab. Eine Publikation steht noch aus. Ob sich bei der genauen Auswertung Hinweise auf eine Wirkung bei bestimmten Patientengruppen zeigen wird, bleibt abzuwarten.

Im Unterschied zur chinesischen Studie wurden weniger Patienten (4 versus 16 %) mechanisch beatmet. Es bleibt deshalb möglich, dass Lopinavir/Ritonavir bei schwer erkrankten Patienten wirksam sein könnte. Die bisherigen Erfahrungen lassen jedoch vermuten, dass Virustatika eher im Frühstadium von COVID-19 wirken, weil die Prognose später eher von einer überschießenden Immunreaktion („Zytokinsturm“) als von der Virusreplikation bestimmt wird.

2 weitere Arme der RECOVERY-Studie laufen noch. In einem wird die Wirksamkeit des Antikörpers Tocilizumab untersucht, der durch die Blockade des Interleukin 6-Rezeptors einen Zytokinsturm aufhalten soll. Hier hat es jüngst in einer retrospektiven Studie aus Norditalien vielversprechende Ergebnisse gegeben.

In einem weiteren Studienarm wird die Wirksamkeit einer Serumtherapie untersucht, die die Immunabwehr der Erkrankten durch die Antikörper von Genesenen unterstützen soll. © rme/aerzteblatt.de

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