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MEDIZINREPORT

Influenzaimpfung des medizinischen Personals: Klinikinterne Aktion „Be a flu fighter“ schafft Trendwende

Dtsch Arztebl 2019; 116(47): A-2186 / B-1789 / C-1746

Horst-Schaper, Gesa; Köhler, Ute; Sampath-Kumar, Deepa; Tran, Thu Trang; Bartkiewicz, Thomas; Bautsch, Wilfried

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Durch eine konzertierte Aktion ist es am Städtischen Klinikum in Braunschweig gelungen, die Impfraten der Mitarbeiter in der Impfsaison 2018/19 zu vervierfachen.

Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com
Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com

Die Influenzaimpfung des medizinischen Personals wird weltweit empfohlen, da sie nicht nur das Personal schützt, sondern nachweislich auch die Gesamtmortalität in medizinischen Einrichtungen senkt. Trotzdem sind die Impfraten gerade bei medizinischem Personal in Deutschland erschreckend niedrig. In einer neueren Umfrage des RKI (OKaPII-Studie [1]) waren nur 40,1 % des medizinischen Personals gegen Influenza geimpft. Und damit werden in dieser Untersuchung Impfraten angezeigt, die deutlich über unseren eigenen Erfahrungen liegen.

Das Städtische Klinikum Braunschweig ist ein Maximalversorger mit 1 499 teil- und vollstationären Betten, 21 Kliniken, 10 selbstständigen klinischen Abteilungen, 7 Instituten und circa 4 000 Beschäftigten an 3 verschiedenen Standorten. Seit vielen Jahren wird den Mitarbeitern eine kostenfreie Impfung gegen Influenza angeboten (in der Saison 2017/18 der Vierfachimpfstoff), die sie im Institut für Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Umwelt des Hauses zu festen Impfsprechstunden und gegen Terminvereinbarung erhalten können.

Da hierbei nicht unerhebliche Wegezeiten auftreten, werden den Beschäftigten zusätzlich an allen 3 Standorten des Klinikums jeweils 2 vorab festgelegte Impftermine angeboten (d. h. insgesamt 6). Diese Termine werden zusammen mit der Aufforderung, das Angebot wahrzunehmen, im Intranet und per E-Mail im Klinikum bekannt gemacht. Zusätzlich werden die hygienebeauftragten Ärzte auf den Hygienekommissionssitzungen wiederholt darauf aufmerksam gemacht mit der Aufforderung, in ihren Zuständigkeitsbereichen für eine Teilnahme zu werben. Trotzdem waren die Impfraten in der Vergangenheit durchweg enttäuschend niedrig.

Erst eine breit angelegte Impfkampagne konnte in der Impfsaison 2018/19 eine Trendwende einleiten. Die Aktion setzte sich aus 3 Bausteinen zusammen:

1. Werbung und Aufklärung im Rahmen einer professionell unterstützten Werbekampagne,

2. Reorganisation der Impfangebote mit Einführung mobiler Impfteams,

3. Schaffung eines Anreizsystems durch eine Verlosung attraktiver Gewinne unter den Geimpften.

Im Rahmen dieser Aktion wurden in der Impfsaison 2018/19 mehr als 1 700 Mitarbeiter geimpft, das sind annähernd 4-mal so viele wie in der vorhergehenden Saison (2017/18). Insbesondere im relevanten Bereich des pflegerischen und ärztlichen Personals wurden damit Impfraten von 50–70 % erreicht. Die Sach- und Beratungskosten betrugen über 85 000 Euro; der Zeitaufwand für die mobilen Impfteams mehr als 19 Minuten pro verimpfter Dosis.

Da Elemente der Aktion in den Folgejahren weiter verwendet werden können, ist eine deutliche Effiziensteigerung zu erwarten. Auch wenn der Beitrag der einzelnen Komponenten zum Gesamtergebnis nicht sicher quantifiziert werden kann, so scheint insbesondere die Einführung mobiler Impfteams empfehlenswert zu sein.

„Ich/Wir wehren uns aktiv gegen die Grippe!“

Dieses Motiv wurde sowohl als Poster für Wände und Fußböden wie auch als Logo auf allen Werbeund Informationsmaterialien verwendet. Foto: Städtisches Klinikum Braunschweig
Dieses Motiv wurde sowohl als Poster für Wände und Fußböden wie auch als Logo auf allen Werbeund Informationsmaterialien verwendet. Foto: Städtisches Klinikum Braunschweig

Basierend auf den fachlichen Informationen und den Zielen des Klinikums wurde eine externe Firma beauftragt, ein Marketingkonzept für die Impfkampagne zu erstellen. Unter mehreren Vorschlägen wurde das Konzept „Be a flu fighter“ ausgewählt, das die Kernbotschaft vermitteln soll: „Ich/Wir wehren uns aktiv gegen die Grippe!“ Es wurde sowohl isoliert als Poster für Wände und Fußböden als auch als Logo auf allen Werbe- und Informationsmaterialien verwendet (Intranetseite, Impfwesten, Informationsbroschüre, Tombola-Teilnahmekarten, Aufklärungsbögen, Werbepostern, Pflasterbox).

Die Mitarbeiter wurden in mehreren zeitlich aufeinanderfolgenden „Wellen“ auf den Beginn der Impfkampagne vorbereitet:

  • 2 Anschreiben der Betriebsleitung mit Informationen und der Aufforderung zur Teilnahme;
  • Informationsbroschüre, die per Post an die Privatadresse jedes Beschäftigten geschickt wurde;
  • Aufstellung von mehr als 1 000 Plakaten in allen Funktions- und Stationsbereichen des Klinikums direkt nach den Herbstferien, unter anderem mit stilisierten Fotopostern von Führungskräften aus allen Bereichen des Klinikums und kurzen Statements, die die Kernbotschaft vermitteln soll: „Ich nehme die Grippe nicht hin, sondern tue etwas dagegen.“

Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch ein eigenes Informationsfenster auf der Startseite des Intranets und Veröffentlichungen in der hausinternen Klinikumszeitung. Zusätzlich wurden Impfteams (Hygienefachkraft und Arzt) gebildet, die wiederholt auf die Stationen und in die Funktionsbereiche gegangen sind und den Mitarbeitern eine Impfung vor Ort angeboten haben (analog zu den „mopping-up“- Teams im Rahmen der Polioeradikation [2]). Diese Impfteams traten auch bei 11 zentralen Veranstaltungen auf, wie Betriebsversammlung oder Fortbildungen. Alle erforderlichen Utensilien (Impfstoffe, Desinfektionsmittel und anderes Zubehör, Aufklärungsbögen und Impfbescheinigungen, Teilnahme-karten für die Tombola etc.) wurden von den Hygienefachkräften im Vorfeld besorgt und vor Ort mitgeführt.

Als Anreiz für die Teilnahme wurden attraktive Gewinne angeboten: 1 I-Pad, Urlaubstage (1-mal 3 und 7-mal 1) sowie Einkaufs- und Kinogutscheine. Die Aktion fand in der Zeit vom 15. Oktober bis 3. Dezember 2018 statt. Die Beschäftigten hatten aber noch bis zum 31. Januar 2019 Gelegenheit, sich nach individueller Vereinbarung im Institut für Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Umwelt gegen die Influenza impfen zu lassen (= Ausschlussdatum für die Auswertung).

Insgesamt wurden 1 722 Influenzaimpfdosen bei den Beschäftigten des Städtischen Klinikums verabreicht, was nahezu eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Bezogen auf den besonders bedeutsamen Teil des medizinischen Personals (Ärzte und Pflegekräfte) ist der Effekt noch bedeutsamer (Grafik 1): ein mehr als 4,5-facher Anstieg. Natürlich stellen diese Zahlen Untergrenzen dar, da sich ein uns unbekannter Anteil der Beschäftigten ambulant hat impfen lassen. Dieser Anteil dürfte jedoch nur als sehr gering zu veranschlagen sein. Damit sind 71,7 % aller Ärzte und 49,8 % des Pflegepersonals im Rahmen dieser Impfkampagne geimpft worden.

Verabreichte Impfdosen nach Berufsgruppen im Jahresvergleich
Verabreichte Impfdosen nach Berufsgruppen im Jahresvergleich
Grafik 1
Verabreichte Impfdosen nach Berufsgruppen im Jahresvergleich

Der Einfluss der einzelnen Elemente unserer Kampagne auf das Ergebnis kann naturgemäß nicht eindeutig abgegrenzt werden. Zudem wird das Gesamtergebnis auch durch externe Faktoren beeinflusst: So ist nach einer schweren Influenzaepidemie wie in 2017/18 meist ein Anstieg der Impfbereitschaft zu erwarten, während die Probleme mit dem trivalenten Impfstoff eher eine erhöhte Impfskepsis erwarten lassen würden.

Unsere Daten zeigen aber, dass die Einführung mobiler Impfteams gut angenommen wurde (Grafik 2). Sie verabreichten 46,6 % aller Impfdosen. Mehr als 50 % der Ärzte und der Pflegekräfte nahmen das mobile Angebot wahr, während Personal aus Verwaltung, Technik et cetera bevorzugt die vorab festgelegten Impftermine besuchten. Auch die Tombola wurde mit 1 577 abgegebenen Teilnahmekarten positiv aufgenommen. Die Gewinner wurden auf einer Betriebsversammlung ausgelost.

Nutzung der Impfangebote (Impfteams vs. vorab festgelegte Impftermine) durch die Beschäftigten im Rahmen der Impfkampagne 2018/19
Nutzung der Impfangebote (Impfteams vs. vorab festgelegte Impftermine) durch die Beschäftigten im Rahmen der Impfkampagne 2018/19
Grafik 2
Nutzung der Impfangebote (Impfteams vs. vorab festgelegte Impftermine) durch die Beschäftigten im Rahmen der Impfkampagne 2018/19

Erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand

Die Kosten einer solchen Aktion sind durchaus erheblich. Insgesamt mussten mehr als 85 000 Euro aufgewendet werden. Dieser Betrag umfasst die Impfdosen, die Beratungskosten der externen Beratungsfirma, Erstellungs- und Druckkosten für die Plakate sowie zusätzliche kleinere Posten, wie Portokosten oder das Material für die Impfungen; das Preisgeld nahm sich demgegenüber fast bescheiden aus. Natürlich kann auf einen gewissen Teil dieser Kosten bei nachfolgenden Aktionen verzichtet werden, da die entsprechenden Materialien/Unterlagen dann bereits vorhanden sind.

Auch der Zeitbedarf einer solchen Kampagne darf nicht unterschätzt werden. Die Planung und Vorbereitung wurde circa 4 Monate vor dem ersten Anschreiben begonnen. Die Impfdurchführung selbst war ebenfalls mit einem erheblichen Personalaufwand verbunden, insbesondere die Organisation und Durchführung der Impfungen durch mobile Impfteams (50 Arztstunden, 200 Stunden Hygienefachkräfte). Das entspricht einem Zeitaufwand von > 19 min/verimpfter Dosis.

Die Grenzen einer freiwilligen Teilnahme wurden aufgezeigt

Natürlich ist hier im Wiederholungsfall eine Effizienzsteigerung zu erwarten; auch würden wir empfehlen, für die Impfkampagne gezielt einen Arzt freizustellen, da nicht unerhebliche Rekrutierungszeiten auftraten, um Ärzte aus den jeweiligen Abteilungen zu gewinnen.

Insgesamt darf man diese Aktion als einen großen Erfolg ansehen, da es uns gelungen ist, die Mehrzahl des Personals zu impfen. Allerdings zeigt die Kampagne auch die Grenzen einer komplett freiwilligen Teilnahme an einer Angebotsimpfung auf: Trotz der massiven Personal- und Sachaufwendungen nahm ein immer noch erheblicher Teil der Beschäftigten (ca. 45 % des medizinischen Personals) nicht an den Impfungen teil. Auch wenn ein Teil dieser Nichtteilnahme durch äußere Umstände (Erkrankung, Urlaub, Impfung beim Hausarzt) veranlasst sein könnte, ist es angesichts dieser Erfahrungen nur schwer vorstellbar, wie man eine weitere Steigerung der Impfteilnahme erreichen kann, ohne negative Verstärker (wie personenbezogene Erfassungen) in zukünftige Aktionen dieser Art miteinzubeziehen.

Dr. med. Gesa Horst-Schaper,
Ute Köhler,
Dr. med. Deepa Sampath-Kumar,
Thu Trang Tran,
Dr. med. Thomas Bartkiewicz,

Prof. Dr. Dr. med. Wilfried Bautsch

Städtisches Klinikum Braunschweig

1.
Robert Koch-Institut: 16 OKaPII-Studie zur Influenza-Impfung. Impfquoten und Impfmotivation bei Klinikpersonal in der Influenza-Saison 2016/2017. Epid Bull 2018; 32 .
2.
Global Polio Eradication Initiative (GPEI) (WHO): http://polioeradication.org/.
Verabreichte Impfdosen nach Berufsgruppen im Jahresvergleich
Verabreichte Impfdosen nach Berufsgruppen im Jahresvergleich
Grafik 1
Verabreichte Impfdosen nach Berufsgruppen im Jahresvergleich
Nutzung der Impfangebote (Impfteams vs. vorab festgelegte Impftermine) durch die Beschäftigten im Rahmen der Impfkampagne 2018/19
Nutzung der Impfangebote (Impfteams vs. vorab festgelegte Impftermine) durch die Beschäftigten im Rahmen der Impfkampagne 2018/19
Grafik 2
Nutzung der Impfangebote (Impfteams vs. vorab festgelegte Impftermine) durch die Beschäftigten im Rahmen der Impfkampagne 2018/19
1.Robert Koch-Institut: 16 OKaPII-Studie zur Influenza-Impfung. Impfquoten und Impfmotivation bei Klinikpersonal in der Influenza-Saison 2016/2017. Epid Bull 2018; 32 .
2.Global Polio Eradication Initiative (GPEI) (WHO): http://polioeradication.org/.
  • Influenzaimpfung: Hohe Kosten
    Dtsch Arztebl 2020; 117(4): A-150 / B-133 / C-129
    Emmert, Birgit; Geerdes-Fenge, Hilte; Littmann, Martina; Löbermann, Micha; Reisinger, Emil C.

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Avatar #97143
michelvoss
am Freitag, 17. Januar 2020, 19:25

Impfung halbiert Erkrankungen des Personals.

"ohne Impfung 10 ... mit ... 4 ... ." "Das bedeutet, dass 6 von je 100 Personen durch die Grippeschutzimpfung – innerhalb einer Grippesaison mit hoher Verbreitung des Influenzavirus – vor einer Grippe bewahrt werden können.." Faktenbox des Max-Planck-Instituts (https://www.harding-center.mpg.de/de/faktenboxen/impfungen/grippeschutzimpfung-erwachsene)
Avatar #736119
mellingen06
am Mittwoch, 27. November 2019, 19:02

Influenzaimpfung des medizinischen Personals: Klinikinterne Aktion „Be a flu fighter“ schafft Trendwende

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ihre Aktion lebt von der Annahme, die Grippeimpfung des Krankenhauspersonals würde die Krankheitslast der Patienten senken. Sie sprechen von einer "nachweislichen" Reduktion der Mortalität.
Die STIKO hat in einer eigenen umfangreichen Recherche dazu keine sichere Evidenz finden können (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Begruendung/influenzaimpfempfehlung.pdf?__blob=publicationFile) Seite1616
Haben Sie Daten aus aktuellen Studien, die eine Wirksamkeit belegen? Ich zitiere die STIKO von 2016:
"Zusammenfassung und Beurteilung
Daten aus RCTs geben Hinweise darauf,
dass die Influenzaimpfung von medizinischem Personal die Mortalität und influenzaähnliche Erkrankungen bei älteren Patienten in Pflegeheimen reduzieren
kann (Evidenzqualität niedrig bis moderat). "
Diese Datenlage sollte der Zielgruppe Ihre Impfkampagne transparent gemacht werden. Ansonsten gibt es für die ja ansonsten wohl gesunden unter 65jährigen Mitarbeiter keinen guten Grund, die Impfung in Anspruch zu nehmen. Siehe dazu die Faktenbox des Max-Planck-Instituts (https://www.harding-center.mpg.de/de/faktenboxen/impfungen/grippeschutzimpfung-erwachsene)
Zu Ungereimtheiten in der Theorie zur Influenzaforschung finden Sie hier weitere Informationen (https://ganz-gesund-krank.de/impfen/grippe/)

Mit herzlichem kollegialen Gruß
Stefan Melzer
Avatar #736119
mellingen06
am Mittwoch, 27. November 2019, 19:00

Nutzennachweis

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ihre Aktion lebt von der Annahme, die Grippeimpfung des Krankenhauspersonals würde die Krankheitslast der Patienten senken. Sie sprechen von einer "nachweislichen" Reduktion der Mortalität.
Die STIKO hat in einer eigenen umfangreichen Recherche dazu keine sichere Evidenz finden können (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Begruendung/influenzaimpfempfehlung.pdf?__blob=publicationFile) Seite1616
Haben Sie Daten aus aktuellen Studien, die eine Wirksamkeit belegen? Ich zitiere die STIKO von 2016:
"Zusammenfassung und Beurteilung
Daten aus RCTs geben Hinweise darauf,
dass die Influenzaimpfung von medizinischem Personal die Mortalität und influenzaähnliche Erkrankungen bei älteren Patienten in Pflegeheimen reduzieren
kann (Evidenzqualität niedrig bis moderat). "
Diese Datenlage sollte der Zielgruppe Ihre Impfkampagne transparent gemacht werden. Ansonsten gibt es für die ja ansonsten wohl gesunden unter 65jährigen Mitarbeiter keinen guten Grund, die Impfung in Anspruch zu nehmen. Siehe dazu die Faktenbox des Max-Planck-Instituts (https://www.harding-center.mpg.de/de/faktenboxen/impfungen/grippeschutzimpfung-erwachsene)
Zu Ungereimtheiten in der Theorie zur Influenzaforschung finden Sie hier weitere Informationen (https://ganz-gesund-krank.de/impfen/grippe/)

Mit herzlichem kollegialen Gruß
Stefan Melzer
Avatar #736119
mellingen06
am Mittwoch, 27. November 2019, 15:16

Nutzennachweis

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie schreiben einleitend vom "nachweislichen" Nutzen, der hinsichtlich der Senkung der Mortalität bei Patienten bestehen soll, wenn in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen das Personal gegen Influenza geimpft wird. Die Studienlage dazu ist laut STIKO (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Begruendung/influenzaimpfempfehlung.pdf?_) Seite 1616 jedoch nicht überzeugend. Ich zitiere aus der Zusammenfassung:
"Daten aus RCTs geben Hinweise darauf,
dass die Influenzaimpfung von medizinischem Personal die Mortalität und influenzaähnliche Erkrankungen bei älteren Patienten in Pflegeheimen reduzieren
kann (Evidenzqualität niedrig bis moderat). "
Aus dieser Aussage unserer höchsten Autorität in Impffragen erkenne ich nicht den von Ihnen genannten nachweislichen Nutzen.
Ohne diesen Nutzennachweis ergibt jedoch Ihre Impfkampagne keinen Sinn, wenn es uns um die Prophylaxe von Grippeerkrankungen unserer Patienten geht. Ich hielte es für notwendig, das Personal Ihres Krankenhauses auf diesen Umstand (der schlechten Evidenz) hinzuweisen.
zusätzliche Informationen zu Ungereimtheiten bei der Grippeimpfung unter https://ganz-gesund-krank.de/impfen/grippe/

mit herzlichem Gruß
Stefan Melzer