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Medizin

Hochdruckmedikamente und Statine können zu einem ungesunden Lebensstil verleiten

Montag, 10. Februar 2020

/Photographee.eu, stock.adobe.com

Turku/Finnland – Hochdruckmedikamente und Lipidsenker werden den Patienten meist mit einer ärztlichen Mahnung verschrieben, dass es höchste Zeit für einen gesünderen Lebensstil ist. Viele Patienten scheinen jedoch eher der Meinung zu sein, dass die Medi­ka­mente sie ausreichend schützen.

In einer Kohortenstudie aus Finnland im Journal of the American Heart Association (2020; 9: e014168) nahmen nach der Erstverordnung der Medikamente Gewicht und Bewe­gungs­mangel der Patienten zu. Bei Alkohol und Zigaretten waren die Patienten dagegen eher zu Mäßigung und Verzicht bereit.

Die FPS-Studie („Finnish Public Sector“) begleitet eine Kohorte von über 80.000 Ange­stell­ten im öffentlichen Dienst im Alter von im Durchschnitt 52 Jahren. Die Teilnehmer werden alle 4 Jahre nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Sie machen dabei auch Angaben zu Gewicht, körperlicher Aktivität, Alkohol- und Zigarettenkonsum.

Maarit Korhonen von der Universität in Turku hat die Angaben von 41.225 Teilnehmern ausgewertet, die zu Beginn der Studie frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren und die zwischen 2000 und 2013 an mindestens 2 Erhebungen teilgenommen hatten. Darunter waren 8.837 Personen, denen in dieser Zeit erstmals ein Antihypertonikum oder ein Lipidsenker verordnet worden war.

Bei allen Teilnehmern der Kohorte kam es im Verlauf der Studie zu einer Zunahme des Body-Mass-Index. Doch die Patienten, denen zum ersten Mal Hochdruckmedikamente oder ein Statin verordnet wurde, nahmen mehr an Gewicht zu als die Personen, die keine Medikamente erhalten hatten.

Der Unterschied im Body-Mass-Index betrug laut Korhonen 0,19 kg/m2 und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,16 bis 0,22 signifikant. Die Teilnehmer, die zwischen den Befragungen erstmals Medikamente erhalten hatten, wurden zu 82 % häufiger adipös (Odds Ratio: 1,82; 1,63 bis 2,03).

Da eine Gewichtszunahme nicht zu den bekannten Nebenwirkungen der Medikamente gehört, musste die Gewichtszunahme auf einer Verschlechterung des Lebensstils beruhen. Tatsächlich zeigen die Antworten zu den körperlichen Aktivitäten, dass das „Trägheits­moment“ bei den Patienten nach der Verordnung der Medikamente zunahm.

Die metabolischen Einheiten (MET), die ein Maß für die körperliche Aktivität sind, gingen signifikant um 0,09 MET/Tag (0,02 bis 0,16) zurück. Korhonen ermittelt eine Odds Ratio für eine körperliche Inaktivität von 1,08 (1,01 bis 1,17).

Die ärztliche Warnung vor Alkohol und Zigaretten könnte jedoch gefruchtet haben. Die Teilnehmer, die erstmals Hochdruckmedikamente und/oder Lipidsenker verordnet bekamen, tranken 1,85 Gramm weniger Alkohol pro Woche (3,67 bis 0,14) und sie gaben zu 26 % häufiger das Rauchen auf (Odds Ratio 0,74 0,64 bis 0,85).

Dies spricht dafür, dass die Erstverordnung als Warnsignal wahrgenommen wurde, den Lebensstil zu ändern. Die Veränderungen betrafen jedoch nicht die körperliche Bewegung und die Gewichtszunahme, die sich negativ auf den Blutdruck und die Blutfette auswirken. Hier scheinen viele Patienten geneigt zu sein, sich auf die Medikamente zu verlassen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #591642
DocFit
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 15:25

FPS

Ich denke nicht, dass es um "erhobene Zeigefinger" oder um typisch "deutsches" Denken in dieser finnischen Studie geht!
Ist es nicht vereinbar mit unserer persönlichen und beruflichen Erfahrung, dass eine Nachlässigkeit sich einstellt, wenn negative Folgen sich mildern lassen? Ist nicht die HIV-Infektionsrate gestiegen seit dem es potente - wenngleich teure - Therapien zu Verfügung stehen?
Ich nehme die Studie zum Anlass, meine Pat. erneut zu ermutigen - nicht zu ermahnen - dem Change-of-Lifestyle Priorität gegenüber der Pharmakotherapie einzuräumen
DocWulf (AM/Geri/Palli-medizin
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 11. Februar 2020, 13:38

DÄ-Titel unlogisch und nicht belegt!

Die Publikation "Lifestyle Changes in Relation to Initiation of Antihypertensive and Lipid‐Lowering Medication: A Cohort Study" von Maarit J. Korhonen et al. schreibt in der Originalfassung von Perspektiven statt von Schlussfolgerungen ["Conclusions"], wie im Abstract. https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/JAHA.119.014168

"Perspectives - Initiation of antihypertensive or statin therapy appears to be associated with lifestyle changes, some positive and others negative. This means that expansion of pharmacologic interventions toward populations at low CVD risk may not necessarily lead to expected benefits at the population level. More effective measures are needed to support the recommended lifestyle change in relation to the initiation of pharmacologic interventions for primary prevention" belegt in keinster Weise die vom Deutschen Ärzteblatt (DÄ) behauptete Titel-Hypothese: "Hochdruckmedikamente und Statine können zu einem ungesunden Lebensstil verleiten".

Die Initiierung Antihypertensiver- oder Statin-Therapie erscheint mit Lebensstil-Veränderungen assoziiert zu sein, einige positiv und andere negativ ["Initiation of antihypertensive or statin therapy appears to be associated with lifestyle changes, some positive and others negative"].

Nicht mehr und nicht weniger!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #764595
texte-jon
am Dienstag, 11. Februar 2020, 07:56

Nette Statistik, aber stimmt die vermutete Ursache?

Möglicherweise dämpfen diese Medikamente ja auch einfach nur das Aktivitätsbedürfnis. Dass man unter dieser Medikation nicht extra anfängt, mehr zu trainieren, kann ich nachvollziehen, aber warum sollte man plötzlich absichtlich weniger machen, als man bisher bereits in sein Leben integriert hat? Außer natürlich, man hat z. B. Muskelprobleme wegen der Statine oder fühlt sich matter wegen des geringes Blutdrucks. (Nur mal so, aus eigener Erfahrung als Ursachen-Idee vorgeschlagen.)
Avatar #735550
rp__bt
am Montag, 10. Februar 2020, 18:41

Man könnte auch sagen...

...Medikamente können die Folgen ungesunden Lebenswandels abmildern, aber das wäre nicht deutsch genug. Nicht genug erhobener Zeigefinger.
LNS