szmtag COVID-19: Erste Antikörperbehandlung erhält Notfallzulassung...
ThemenCOVID-19COVID-19: Erste Antikörperbehandlung erhält Notfallzulassung in den USA
COVID-19

COVID-19

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Erste Antikörperbehandlung erhält Notfallzulassung in den USA

Dienstag, 10. November 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat per Notfallgenehmigung den monoklonalen Antikörper Bamlanivimab (LY-CoV555) des Herstellers Lilly zur Behand­lung von COVID-19 zugelassen.

Das Präparat, dessen klinische Prüfung noch nicht abgeschlossen ist, darf nur bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Erkrankungen eingesetzt werden. Laut dem Hersteller könnten bis Ende des Jahres genügend Dosierungen für die Behandlung von bis zu einer Million Patienten zur Verfügung stehen. Der Konkurrent Regeneron hat ebenfalls eine Zulassung für ein Antikörperpräparat beantragt.

Anzeige

Bamlanivimab geht auf einen Antikörper zurück, der von Forschern am Vaccine Research Center des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) bei einem der ersten COVID-19-Patienten in den USA entdeckt wurde. Er wurde unter 500 verschie­denen Antikörpern des Patienten ausgewählt, weil er den Abschnitt des Spike-Proteins erkennt, mit dem SARS-CoV-2 an den menschlichen Zellen andockt.

Mit einer Methode der kanadischen Firma AbCellera gelang es innerhalb weniger Wochen, die B-Zellen, die den Antikörper produzieren, zu finden und das Gen in rekom­binante Zellen einzubauen. Damit lässt sich der Antikörper in Zellkulturen theoretisch in unbegrenzter Menge herstellen.

In der Praxis handelt es sich um ein aufwändiges Verfahren, das nur in begrenztem Maße skalierbar ist. Die Produktionskapazitäten des Herstellers Lilly dürften deshalb zunächst begrenzt sein.

Nachdem der Antikörper im Tierversuch an Primaten die Viruslast deutlich gesenkt und sich in einer Phase-1-Studie an Klinikpatienten mit COVID-19 als sicher erwiesen hatte, wurde am 17. Juni eine Phase-2-Studie an Personen begonnen, bei denen kürzlich im ambulanten Umfeld COVID-19 diagnostiziert worden war (BLAZE-1).

Bis zum 21. August erhielten 452 Patienten mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion in 4 Gruppen eine einzelne Infusion mit 700 mg, 2.800 mg und 7.000 mg Bamlanivimab oder Placebo. Die Infusion erfolgte im Durchschnitt 4,0 Tage nach dem Einsetzen der Symptome. Die Patienten waren zu diesem Zeitpunkt nur leicht erkrankt.

Bei 2/3 lagen jedoch Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19 vor, wie ein Alter über 65 Jahre, ein Body-Mass-Index von über 35 oder mindestens eine Begleit­erkrankung.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Änderung der Viruslast bis zum 11. Tag nach der Infusion. Die Viruslast wurde mittels quantitativer Polymerase-Kettenreaktion in nasopharyngealen Abstrichen bestimmt, was nur eine ungefähre Aussage über die Virus­replikation in den unteren Atemwegen erlaubt.

Wie ein Team um Daniel Skovronsky vom Hersteller Eli Lilly in Indianapolis kürzlich im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2029849) berichtete, ging die Viruslast nur nach der 2.800 mg-Dosis schneller zurück als in der Placebogruppe. Ein eindeutiger Vorteil der Behandlung lässt sich aus diesem Ergebnis nicht ableiten.

Die Zulassung der FDA stützt sich indes auf die Ergebnisse in einem sekundären Endpunkt der Studie. Nach der Behandlung mit Bamlanivimab mussten nur 5 von 309 Patienten (1,6 %) auf einer Notaufnahme oder im Krankenhaus behandelt werden. In der Placebogruppe war dies bei 9 von 143 Patienten (6,3 %) notwendig gewesen. In der Gruppe der über 65-jährigen Patienten trat der Endpunkt in den Bamlanivimabgruppen bei 4 von 95 Patienten (4 %) auf gegenüber 7 von 48 Patienten (15 %) in der Placebogruppe.

Die Infektion ging bei den meisten Teilnehmern der Studie glimpflich aus. Nur 1 Patient (aus der Placebogruppe) musste auf der Intensivstation behandelt werden.

Die Behandlung hat sich als sicher erwiesen. Die FDA gibt als mögliche Nebenwirkungen eine Anaphylaxie und infusionsbedingte Reaktionen an, sowie Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Juckreiz und Erbrechen, die laut der Studie jedoch nicht häufiger auftraten als in der Placebogruppe.

Die Studie wird derzeit fortgesetzt. Vorgesehen ist eine Gesamtzahl von etwa 800 Teilnehmern. Der Hersteller hat darüber hinaus eine Phase-3-Studie zur Prävention von COVID-19 bei Bewohnern und Mitarbeitern von Langzeitpflegeeinrichtungen begonnen (BLAZE-2). Darüber hinaus wird Bamlanivimab in der ACTIV-2-Studie des NIAID an ambulanten 2.000 COVID-19-Patienten getestet.

Der Einsatz von Bamlanivimab ist auf Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren (Körper­gewicht mindestens 40 kg) mit einem positiven COVID-19-Test begrenzt, bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 und/oder einen Krankenhaus­aufenthalt besteht.

Die Behandlung sollte so bald wie möglich nach einem positiven COVID-19-Test und innerhalb von 10 Tagen nach Auftreten der Symptome erfolgen. Patienten, die aufgrund einer schweren Erkrankung bereits hospitalisiert wurden oder eine Sauerstofftherapie benötigen, dürfen nicht behandelt werden.

Dies entspricht zum einen den Einschlusskriterien der Studie. Zum anderen gehen die meisten Experten heute davon aus, dass eine Behandlung mit monoklonalen Antikörpern in der Frühphase der Erkrankung die beste Wirkung erzielt, weil sie primär die Replika­tion des Virus unterbindet. Die schweren Symptome im weiteren Verlauf der Erkrankung gehen dagegen auf die Gewebeschäden und die Immunreaktion zurück, auf die die Behandlung vermutlich keinen Einfluss mehr hat.

Neben Lilly hat auch Regeneron die Zulassung für einen Antikörper beantragt. Die beiden Anti­körper REGN10933 und REGN10987 sollen in einer laufenden randomisierten kontrollierten Studie bei ambulanten Patienten mit leichter bis mittelschwerer Erkran­kung ebenfalls die Viruslast gesenkt und die Erholung der Patienten beschleunigt haben.

Wie häufig das Präparat zum Einsatz kommt, bleibt abzuwarten. Wegen der hohen Kosten könnte die Bereitschaft, das Mittel bei nur leicht erkrankten Patienten einzusetzen, begrenzt sein.

Bei Antikörperpräparaten besteht zudem die Möglichkeit, dass sich einzelne Viren durch Mutationen dem Zugriff entziehen. Zu den prominentesten Patienten gehört der bishe­rige US-Präsident Trump, der mit Antikörpern des Herstellers Regeneron behandelt wurde. Ob sie zu seiner Genesung beigetragen haben, lässt sich wie meist im Einzelfall nicht beurteilen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Zum Artikel

Anzeige
Coronakrise: Newsletter

Handlungsempfehlungen COVID-19

Handlungsempfehlungen COVID-19
Handlungs­empfeh­lungen für verschie­dene Fach­gebiete

Fachgebiet

Anzeige

Stellenangebote

    Weitere...