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Politik

Interesse an Cannabis als Schmerzmittel flaut ab

Freitag, 1. Dezember 2017

/dpa

Weimar – Nach der zunächst großen Nachfrage nach Cannabis als Medikament verzeichnen Schmerzmediziner inzwischen weniger Patientenanfragen. „Das hat sich wieder relativiert“, sagte der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Schmerz­therapeuten, Ingo Palutke, vor Beginn des 8. Mitteldeutschen Schmerzkongresses heute in Weimar. Es habe sich herumgesprochen, dass cannabishaltige Arzneimittel nur für einen stark eingeschränkten Patientenkreis zugelassen seien und die Kranken­kassen eine solche Behandlung deshalb häufig ablehnten.

Schwerkranke Menschen können in Deutschland seit März Cannabis auf Rezept erhalten. Bewilligt werden nur Fälle, in denen eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapie nicht angewendet werden kann. Zudem muss sich das Arzneimittel voraussichtlich positiv auf Symptome oder den Krankheitsverlauf auswirken. Die meisten Patienten brauchen es nicht, sagte Kongressleiter Palutke. Er halte Cannabis für nicht besser als ein normales Opiat.

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Multimodale Therapie setzt sich durch

Bei der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen hat sich nach Angaben des Experten die Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern – multimodale Therapie genannt durchgesetzt. Diese wird in Thüringen zumeist als stationäre Behandlung von größeren Kranken­häusern angeboten.

Allerdings stoße die stationäre Schmerztherapie bei den Krankenkassen als Kostenträger auf wenig Akzeptanz, sagte Palutke. Die Patienten würden oft auf Rehakliniken oder ambulante Angebote verwiesen. „In Thüringen gibt es allerdings keine einzige Rehaklinik mit einem multimodalen Konzept.“ Ambulant in einer Arztpraxis lasse sich dies nicht umsetzen.

Die ambulante Versorgung chronischer Schmerzpatienten in Thüringen bezeichnete der Kongressleiter als stabil und einigermaßen flächendeckend. Die Nachfrage nach Schmerztherapeuten bei der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sei eher gering, das spreche gegen gravierende Versorgungslücken.

Laut KV werden jährlich etwa 20 Patienten über die Servicestelle an Therapeuten vermittelt. In Thüringen sind rund 30 Schmerzmediziner zugelassen. Am Mitteldeutschen Schmerz­kongress nehmen rund 400 Ärzte aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen teil. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 23. Januar 2018, 22:26

Das "Cannabisverordnungsverhinderungsgesetz"

erfüllt doch seinen Zweck - wie auch ich, scheuen viele Ärzte den umfangreichen Papierkrieg für lächerliche "Feigenblatt-Honorare" und das enorme Regressrisiko. "Mal eben" wurde der Preis für Cannabisblüten durch die Rezepturvorschriften beinahe verdreifacht
Ich werde also weiterhin meine Schmerzpatienten durch die hochgelobte "multimodale Schmerztherapie" in wandelnde Zombies verwandeln müssen,denen eine Teilhabe am Leben damit verwehrt wird...
Avatar #693848
Alexandra Grundmann
am Dienstag, 23. Januar 2018, 18:05

Unverschämtheit

Ich wünsche Euch, dass Ihr verklagt werdet, wegen unterlassener Hilfeleistung!!!! Ein Patient
Avatar #734104
Allgäu Wanderer
am Donnerstag, 21. Dezember 2017, 21:23

Sehr gut...ein wahnwitziger Hype

Super dazu auch Stellung bezogen wurde in diesem Video
https://www.youtube.com/watch?v=923aUHMBryw&t=67s
Viele Grüße
Avatar #112726
woewe
am Samstag, 2. Dezember 2017, 22:30

So kann man es sich auch leicht machen

"Es habe sich herumgesprochen, dass cannabishaltige Arzneimittel nur für einen stark eingeschränkten Patientenkreis zugelassen seien und die Kranken­kassen eine solche Behandlung deshalb häufig ablehnten."
Hallo Ärzteblatt? Sie drehen hier gerade Ursache und Wirkung um: Es gibt KEINE Zulassungsbeschränkung, sondern es liegt immer noch in der Therapiehoheit des Arztes. Allerdings sollte die Krankheit schwerwiegend sein und eine Aussicht auf therapeutischen Erfolg (vor allem gegenüber bereits erfolgter anderer Therapien) bestehen - nur das schreibt der Gesetzgeber vor und nicht mehr.
Aber die Krankenkassen lehnen nach Vermutungen zB bei bisher fehlender Evidenz ab und da sind in manchen Ländern ganze Diagnosegruppen wie ADHS eingeschlossen.
Damit aber pervertieren die Krankenkassen die Vorgaben des Gesetzgebers und boykottieren mit ihrer restriktiven Haltung nämlich auch die Begleiterhebung und behindern die erforderliche Evaluation.
Man lese den Artikel in der konservativeren Schwesterzeitung "Ärztezeitung" vom 6.9.2017.
LNS