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Ärzteschaft

Hausärzte in NRW sehen Delegation von ärztlichen Tätigkeiten grundsätzlich positiv

Freitag, 23. Februar 2018

/dpa

Düsseldorf/Berlin – Zwei Drittel der Hausärzte in Nordrhein-Westfalen (NRW) bewerten die Möglichkeit, ärztliche Tätigkeiten zu delegieren, grundsätzlich positiv. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Allgemeinmedizin der Charité Berlin hervor, wie das nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­terium heute mitteilte. Auftraggeber der Analyse war das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW).

Vorteile sehen die Befragten demnach für Patienten vor allem in kürzeren Wartezeiten. Für ihre eigene Arbeitsorganisation bilden Zeitersparnis und eine höhere Arbeits­zufriedenheit den größten Mehrwert. Vorbehalte bestehen andererseits noch wegen eines möglichen Mehraufwands in der Anfangsphase sowie hinsichtlich eventueller juristischer Folgen. Die Studie zeigt darüber hinaus: Je höher die Arbeitsdichte der Ärzte, desto höher erscheint die Bereitschaft, Arbeit zu delegieren.

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Ärztinnen skeptischer

Skeptisch sind besonders die Allgemeinmedizinerinnen. „Hausärztinnen meinen signifikant seltener als Hausärzte, dass sich die MFA für den Ausbau der Delegation weiterer ärztlicher Tätigkeiten interessieren und hatten doppelt so häufig Bedenken wegen möglicher juristischer Folgen bei der Delegation ärztlicher Tätigkeit“, heißt es in den Ergebnissen der Analyse.

Zugleich zeigt die Befragung, dass nur rund ein Viertel der befragten Ärzte den eigenen Informationsstand zur Delegationsvereinbarung als gut oder sehr gut einschätzt. Hausärzte mit einem schlechten Informationsstand sahen deutlich häufiger Barrieren bei der Umsetzung. Dies könne „ein Hindernis für den Ausbau der Delegation“ darstellen, heißt es in dem Report. Beispiele für eine Delegation bestimmter Tätig­keiten an qualifizierte medizinische Fachangestellte (MFA) sind die Messung von Vitalparametern (Körpertemperatur, Puls, Blutdruck), die Blutentnahme oder auch die Wundversorgung.

Einfache Aufgaben delegieren

Das höchste Potenzial für eine Ausweitung der Delegation findet sich dem Report zufolge bei ärztlichen Tätigkeiten im Bereich Diagnostik, wie etwa der Erhebung des Impf- und Raucherstatus und der aktuellen Arzneimitteltherapie (inklusive Selbstmedikation). Auch gelte dies für die Durchführung des einfachen Hör- und Sehtests sowie des geriatrischen Basisassessments.

Bei Beratungen und Schulungen wurde laut den Autoren ein sehr hohes Delegations­potenzial für Schulungen (Diabetes, Hypertonie), Unterstützung der Patienten bei notwendigen Lebensstiländerungen (Ernährung, Bewegung, soziale Kontakte), Beratung zum Erhalt der Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld (Hilfsmittel, Sturzprophylaxe) und Angehörigenberatung ausgemacht. Am geringsten war das Delegationspotenzial demnach in den Bereichen Allgemeine Beurteilung sowie Therapie und Behandlung.

Für den nordrhein-westfälischen Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann bietet die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten Chancen, dem Hausarztmangel ein Stück weit zu begegnen. „Wir müssen vor allem mehr Ärztinnen und Ärzte ausbilden, die bereit sind, sich in unterversorgten Regionen niederzulassen. Doch auch die Delegation ärztlicher Aufgaben an Beschäftigte in den nichtärztlichen Gesundheitsberufen kann ein wichtiger Baustein sein, um die wohnortnahe hausärztliche Versorgung zu sichern“, sagte Laumann. Ärzte könnten sich besser auf ihre ureigenen ärztlichen Aufgaben konzentrieren und würden entlastet – etwa bei Haus- oder Heimbesuchen, erklärte Laumann.

Ähnlich beurteilen das Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) des Bundeslandes. „Medizinische Fachangestellte sind unverzichtbare und hochqualifi­zierte Fachkräfte in der ambulanten Versorgung“, sagte Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Sie nähmen eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Patient und Arzt wahr und leisteten somit einen bedeutenden Beitrag zur Qualitäts­sicherung und Patientensicherheit. Windhorst betonte, die MFA müssten in ihrer Funktion gefördert werden.

Delegation ist sinnvoll

„Die Umfrage zeigt, dass die meisten Hausärzte die Delegation von Leistungen an qualifizierte Mitarbeiter als sinnvoll betrachten“, ergänzte Wolfgang-Axel Dryden, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Entscheidend dafür sei, dass gut durchgeführte Delegation den Arzt entlaste, sowohl in der Praxis und auch bei der aufsuchenden Versorgung. Gerade in Zeiten, in denen einerseits Hausärzte fehlten und die alternde Gesellschaft andererseits mehr medizinische Versorgung benötige, führe an der Delegation bestimmter Leistungen an qualifiziertes Personal kein Weg vorbei.

Auch für Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, ist „die Delegation definierter medizinischer Aufgaben sowohl in hausärztlichen als auch fachärztlichen Praxen an qualifizierte Medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte ein wichtiger Bestandteil eines modernen und effizienten Praxisalltages“. Diese sei notwendig, um die ambulante Versorgung gerade in ländlichen Regionen aufrecht zu erhalten, sagte er.

Keine Substitution ärztlicher Leistungen

Aus diesem Grund engagiere sich die KV seit mittlerweile gut zehn Jahren in der Qualifizierung von Praxismitarbeitern und habe im Rheinland bereits über 800 Entlastende Versorgungsassistentinnen (EVA) ausbilden können. Davon profitierten alle Beteiligten. Allerdings seien auch klare Regeln, Grenzen der Delegation und eine enge Verzahnung zwischen ärztlicher Expertise und ihrer fachlichen Unterstützung in der Praxis notwendig. „Deshalb lehnen wir weitergehende Formen der Substitution ärztlicher Leistungen ab“, sagte er.

„Gerade in Zeiten des drohenden Hausärztemangels ist es wichtig, dass sich die Arztpraxen auf Entlastung durch gut qualifizierte Medizinische Fachangestellte verlassen können“, sagte Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein. Die wachsenden Anforderungen an die Arbeitsabläufe einer modernen Arztpraxis erforderten hochqualifizierte Mitarbeiter. Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen legten mit Zusatzqualifikationen wie der Fortbildung zur EVA den Grundstein dafür, dass MFA nach abgeschlossener Spezialisierungsqualifikation die Ärzte im Rahmen delegierbarer Tätigkeiten effizient entlasten könnten. © may/EB/aerzteblatt.de

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