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Politik

Schüler nach Petition gegen Depressionen unzufrieden mit Ministerium

Dienstag, 22. Oktober 2019

/KKH

München – Mit einer Petition war es einer Gruppe von Abiturienten in Bayern im Frühjahr gelun­gen, die Aufmerksamkeit auf psychische Erkrankungen bei Schülern zu lenken. Das Kul­tusministerium veröffentlichte daraufhin einen Zehn-Punkte-Plan und versprach mehr Auf­klärung. Doch mit dem nun vorliegenden Zwischenbericht sind die Initiatoren mehr als unzufrieden – und haben Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) deshalb heute einen offenen Brief überreicht.

„Keine der vor einem halben Jahr geplanten Initiativen wurde umgesetzt oder überhaupt begonnen“, kritisierten die sechs Heranwachsenden darin. „Wir wollen, dass man die Auf­klärung jetzt wirklich mal durch Informationsveranstaltungen an die Schulen holt“, sagte stellvertretend für die Gruppe Alexander Spöri. Er beklagte, dass das Ministerium erst nächsten Juli wieder Bericht erstatten wolle. „Das klingt für uns wie ein Aufschub, ohne die Dinge konkret anzupacken.“

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Auch der bildungspolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Max Deisenhofer, kritisierte, dass seit der Petition „so gut wie nichts“ passiert sei. Der Landesverband Bayern der An­gehörigen psychisch Kranker zeigte sich ebenfalls beunruhigt und rief die Staatsregie­rung dazu auf, die Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans nicht weiter zu verzögern.

„Die meisten psychischen Erkrankungen ließen sich besser behandeln und Suizide verhin­dern, wenn man sie frühzeitiger erkennen und therapieren könnte“, sagte der Vorsitzende Karl Heinz Möhrmann. Es gelte daher, keine Zeit zu verlieren. Aigner habe ihnen nun versprochen, noch einmal persönlich mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) über die Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans zu sprechen, berichte­te Spöri nach dem Treffen.

Er und seine Freunde hatten nach einem Fall im eigenen Freundeskreis zunächst einen Film über Depressionen bei Jugendlichen gedreht und dann eine – rechtlich nicht bin­dende – Online-Petition gestartet, die inzwischen von mehr als 42.000 Menschen unter­schrieben wurde.

Der Bildungsausschuss des Landtages überwies diese Petition nach intensiver Diskussion dann zur Würdigung an die Staatsregierung – ein seltener Schritt, der bedeutet, dass sich die Staatsregierung detailliert mit dem Anliegen befassen muss.

Neben der Grünen-, SPD- und FDP-Landtagsfraktion haben auch Fachorganisationen wie das Max-Planck-Institut für Psychiatrie oder das Münchner Bündnis gegen Depression den offenen Brief an Aigner unterschrieben.

Darin heißt es: „Viel zu oft wird vergessen, dass Aufklärungsarbeit über psychische Krank­heiten auch Prävention für Suizide bedeutet. Aufklärung schafft Prävention.“ An die Land­tagspräsidentin gerichtet appellieren sie: „Wir wollen diese jungen Menschen retten; helfen Sie uns dabei.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #779070
Psychotherapeutin
am Freitag, 25. Oktober 2019, 13:00

Häufig Falscher Ansatz

Man müsste nicht so viel Aufklärend arbeiten oder früherkennen, wenn sich die Verantwortlichen für Bildungsprozesse darum kümmern würden, die (Mit-)verursachungswege psychischer Erkrankung bei Schülern in der Institution Schule „früh zu erkennen“ und zu beseitigen. (Überforderung, Bulimielernen, Sinnhaftigkeitserleben von Bildungsmassnahmen)
LNS