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Männer nach Enke-Suizid offener bei Depressionen

Montag, 28. Oktober 2019

Mann schaut aus dem Fenster. /photographee.eu, stock.adobe.com
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Eichstätt-Ingolstadt – Seit dem Suizid des einstigen Fußballnationaltorwarts Robert Enke am 10. November 2009 hat sich nach Expertenmeinung gesellschaftlich etwas verändert. „Die Offenheit gegenüber dem Thema Depression ist wesentlich größer geworden, gerade auch im 'Risikobereich' Männer/Sport“, sagte der Psychologieprofessor Arno Drinkmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Depressionen würden heute viel mehr als Krankheit anerkannt und weniger als Befindlichkeit abgetan, führt er weiter aus. Auch die Berichterstattung sei heute verantwortungsbewusster, etwa durch Verweise auf Hilfsangebote.

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Ebenfalls habe sich der kirchliche Umgang mit Suizid „glücklicherweise grundlegend gewandelt“. Drinkmann erklärte: „Die traditionelle ökumenische Kampagne 'Woche für das Leben' hat dieses Jahr begrüßenswerterweise die Suizidprävention in den Fokus gerückt. Die Kirche hat also verstanden, dass Menschen, die sich das Leben nehmen wollen, nicht verdammenswert sind, sondern Hilfe brauchen. Und dass dies auch für Angehörige von Suizidenten gilt.“ Zumindest an der Kirchenspitze habe das Thema Suizid seine frühere Verwerflichkeit und Stigmatisierung verloren. „Dieser Wandel muss sich nun noch bis in den letzten Pfarramtswinkel durchsetzen.“

„Was es bis dato leider nicht in Deutschland gibt, ist eine staatlich geförderte Suizid­prävention“, ergänzte Drinkmann. Da bestehe Nachholbedarf, selbst im Vergleich zu Kleinstaaten wie dem afrikanischen Guinea-Bissau.

Der bevorstehende „Totenmonat“ im November spielt beim Thema Suizid Drinkmann zufolge keine besondere Rolle. „Es gibt im Herbst nicht mehr Suizide als sonst.“ Die Ursachen für Selbsttötungen seien kaum saisonale. Praktisch immer liege der Grund in der Lebenssituation. „In der Hälfte der Fälle hatten die Menschen Depressionen. Diese wiederum können durch einschneidende Erfahrungen wie Trennungen oder Arbeitsplatzverlust hervorgerufen oder verschärft worden sein.“

Laut Nationalem Suizid-Präventionsprogramm, für das auch Drinkmann arbeitet, nehmen sich jährlich etwa 10.000 Menschen in Deutschland das Leben, rund 70 Prozent davon sind Männer. Zudem gebe es mindestens 100.000 Suizidversuche im Jahr. Das Suizidrisiko erhöhe sich mit dem Alter. Suizidtote seien im Durchschnitt 57 Jahre alt – Tendenz steigend. © kna/aerzteblatt.de

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