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Medizin

Studie: Langes Sitzen erhöht bei Jugendlichen das Risiko von Depressionen

Donnerstag, 13. Februar 2020

/Drobot Dean, stock.adobe.com

London – Jugendliche, die sich körperlich wenig bewegen, entwickelten in einer prospek­tiven Beobachtungsstudie in Lancet Psychiatry (2020; doi: 10.1016/S2215-0366(20)30034-1) häufiger Depressionen.

Weltweit sollen 300 Millionen Menschen unter Depressionen leiden – Tendenz steigend. Die Erkrankung beginnt häufig im Jugendalter, und Bewegungsmangel gilt als eine der möglichen Ursachen.

Aaron Kandola vom University College London und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der ALSPAC-Studie („Avon Longitudinal Study of Parents and Children“) ausgewertet, die seit 1991/1992 eine Kohorte von fast 15.000 Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet. Im Alter von 12, 14 und 16 Jahren trugen die Kinder 10 Stunden lang ein Akzelerometer, das die Bewegungen (Count Per Minute, CPM) aufzeichnete.

Die körperliche Aktivität wurde dann mit den Ergebnissen des „Clinical Interview Schedule-Revised“ (CIS-R) in Beziehung gesetzt, das bei 4.257 Teilnehmern im Alter von 18 Jahren durchgeführt wurde. Der CIS-R ist ein strukturiertes Interview für Psychiater, der verschiedene mentale Störungen, darunter auch Depressionen, erfasst. Die Depressi­vität wird mit einem Score bewertet.

Es wurden 3 Intensitätskategorien definiert: mittlere bis hohe körperliche Aktivität (3.600 CPM oder mehr; beispielsweise zügiges Gehen oder Joggen), leichte Aktivität (200–3.599 CPM; beispielsweise langsames Gehen) oder sitzende Tätigkeiten (199 CPM oder weni­ger).

Zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr nahm die körperliche Aktivität in der gesamten Kohorte ab, was hauptsächlich auf einen Rückgang der leichten Aktivität (von durch­schnitt­lich 5 Stunden, 26 Minuten auf 4 Stunden, 5 Minuten) und eine Zunahme des sitzenden Verhaltens zurückzuführen war (von durchschnittlich 7 Stunden und 10 Minuten auf 8 Stunden und 43 Minuten).

Wie Kandola berichtet, war die vermehrte sitzende Tätigkeit mit einer erhöhten Depressi­vität im Alter von 18 Jahren verbunden. Jede zusätzliche Stunde im Sitzen ab dem Alter von 12 Jahren erhöhte den Depressionsscore um 11,1 %. Andererseits senkte jede zusätz­liche Stunde mit leichter körperlicher Aktivität den Depressionsscore um 9,6 %.

15 Minuten Sport am Tag ab dem Alter von 12 Jahren senkten den Depressionsscore um 9,0 %. Diese Assoziation war jedoch statistisch nicht signifikant. Demnach benötigen Jugendliche kein intensives Sportprogramm, um sie vor einer Depression zu schützen. Es reicht, wenn sie weniger sitzen und sich mehr bewegen.

Auf welche Weise Bewegung vor Depressionen schützt, ist nicht bekannt. Zu den mög­lichen psychosozialen und biologischen Mechanismen könnten laut Hayes eine Stimu­lierung der Neuroplastizität in Hirnregionen gehören, die an Depressionen beteiligt sind, eine Verringerung von Entzündungsreaktionen im Körper, aber auch die Förderung des Selbstwertgefühls. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 17. Februar 2020, 14:52

Bewegung besser als Psychopharmaka!

Wie man einmal mehr sieht, wirkt Bewegung besser wie Antidepressiva (lt. Kirsch-Studie etc. nicht viel besser als Placebo, bin gespannt wann die auch im Ärzteblatt hochaktiven Scientisten/Skeptiker gegen Psychopharmaka bzw. chemisch definierte Antidepressiva vorgehen....bis jetzt nur gegen die hilfreiche und nebenwirkungsfreie Homöopathie).
Avatar #720508
e.ne
am Freitag, 14. Februar 2020, 13:00

Doch das geht

Mit dem Hund spazieren gehen - müssen - hilft schon viel.
Schwimmen entspannt, macht Mut, regt den Kreislauf an, Andere sind da.
Noch besser Sport: Circuit-Training, Ski-Gymnastik, Ballsport/Tennis
sind wahre Antidepressiva. (Im Anschluß vielleicht noch zusammen sitzen
im Bierkeller/Garten im Sommer oa)
Die Frage ist nur: Wie kriegt man jmd aus der Wohnung, der nicht will?
Wenigstens Spazierengehen muss möglich sein - von sich aus - oder sich
dazu einladen lassen.
LNS

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