NewsThemenDiabetesTyp-2-Diabetesrisiko und Ernährung: Nahrungsqualität hat Bedeutung, Assoziation mit moderatem Alkoholkonsum unklar
Diabetes

Diabetes

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetesrisiko und Ernährung: Nahrungsqualität hat Bedeutung, Assoziation mit moderatem Alkoholkonsum unklar

Dtsch Arztebl 2019; 116(47): A-2196 / B-1796 / C-1752

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: sonyakamoz/stock.adobe.com
Foto: sonyakamoz/stock.adobe.com

Diabetes mellitus ist ein globales Gesundheitsproblem mit einer weltweiten Prävalenz der Stoffwechselkrankheit von 8,8 %. Der Typ-2-Diabetes macht etwa 90 % aller Krankheitsfälle aus. Neben nicht-modifizierbaren Faktoren wie familiärer Belastung und Alter wird dem persönlichen Lebensstil und hier vor allem der Ernährung eine wichtige pathogenetische Rolle zugesprochen. Änderungen im „Lifestyle“ wie eine gesündere Ernährung und körperliche Aktivität können das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, mindern und die Progression günstig beeinflussen.

Der Einfluss diätetischer Faktoren auf die Inzidenz des Typ-2-Diabetes ist inzwischen von einer Vielzahl von Studien unterschiedlichster Konzeption untersucht worden, die wiederum in Metaanalysen zusammengefasst evaluiert wurden.

Die Publikationen großer Metaanalysen zu dieser Fragestellung hat eine internationale Autorengruppe neu bewertet.

Den Auswahlkriterien entsprachen 53 Metaanalysen, in denen insgesamt 153 Risikofaktoren berücksichtigt wurden (Adjusted Summary Hazard Ratios). Die systematische Übersicht fand eine hohe Evidenz für eine inverse Assoziation mit der Typ-2-Diabetes-Inzidenz – also für einen potenziell protektiven Einfluss – bei einer Ernährung, die stark auf Vollkornprodukten (Hazard Ratio [HR]: 0,87; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,82; 0,93]) und auf Nahrungsmittel mit hohem Anteil an Getreidefasern (Cereal Fibre, HR: 0,75 [0,65; 0,86]) basierte. Bemerkenswerterweise war moderater Alkoholkonsum (12–14 g/Tag) gegenüber völliger Abstinenz mit einer reduzierten Typ-2-Diabetes-Inzidenz assoziiert (HR: 0,75 [0,67; 0,83]). Nahrungsmittel mit einer erhöhten Inzidenz des Typ-2-Diabetes waren mit hoher Evidenz ein starker Verzehr von rotem Fleisch (HR: 1,17 [1,08; 1,26]), von intensiv verarbeitetem Fleisch (HR: 1,37 [1,22; 1,54]), von Speck (HR: 2,07 [1,40; 3,05]) und der Konsum von zuckerhaltigen Getränken (HR: 1,26 [1,11; 1,43]).

Spezifische Gerichte oder deren Bestandteile, die mit niedriger oder moderater Evidenz prädisponierend für Typ-2-Diabetes sind oder zu sein scheinen, sind Hotdogs, Pommes frittes und Fruchtsäfte. Zumindest eine Tendenz in Richtung Protektion oder reduzierter Inzidenz gab es bei Sojaprodukten, Schokolade, Bier und Wein.

Fazit: „Diese systematische Übersicht fasst das Wissen aus früheren Reviews zum möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Typ-2-Diabetes zusammen und bestätigt eine Reihe bekannter Beobachtungen“, erklärt Prof. Dr. med. Michael Roden, Direktor des Deutschen Diabeteszentrums in Düsseldorf. Die Studie zeige aber auch Unsicherheiten auf, zum Beispiel bei Alkohol. „Dies legt zum einen nahe, dass weitere gut konzipierte und valide durchgeführte Studien notwendig sind. Zum anderen darf nicht vergessen werden, dass für die Entstehung von Adipositas und Typ-2-Diabetes die Kalorienmenge wohl wichtiger ist als die Nahrungszusammensetzung.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Neuenschwander M, Ballon A, Weber KS, et al.: Role of diet in type 2 diabetes incidence: umbrella review of meta-analyses of prospective observational studies. BMJ 2019; 365: doi: 10.1136/bmj.l2368.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen: