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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

SGLT2-Hemmer bei Typ-2-Diabetes: Schwere Harnwegsinfektionen nicht häufiger als bei anderen Antidiabetika

Dtsch Arztebl 2019; 116(47): A-2195 / B-1795 / C-1751

Heinzl, Susanne

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Foto: Science Photo Library/Dowsett, A.B
Foto: Science Photo Library/Dowsett, A.B

SGLT2-Hemmer verhindern die Rückresorption von Glukose im proximalen Tubulus der Nieren und senken so den Blutzuckerspiegel. Die erhöhten Glukosekonzentrationen im Urin allerdings könnten Infektionen des Urogenitaltrakts fördern. Für Genitalinfektionen ist ein vermehrtes Auftreten belegt, nicht so eindeutig aber ist die Datenlage bei Harnwegsinfektionen. In einer populationsbasierten Kohortenstudie wurde nun das Risiko für schwere Harnwegsinfektionen bei Behandlung mit SGLT2-Hemmern im Vergleich zu anderen Antidiabetika untersucht (1).

In der Studie wurden die Daten von 2 US-amerikanischen Versicherungen verwendet. Mit 2 Propensity-Score gematchten Kohorten wurde das Risiko einer schweren Harnwegsinfektion bei Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren und GLP1-Rezeptoragonisten untersucht. In der Kohorte 1 waren 61 876 Patienten mit SGLT2-Inhibitor-Therapie und 61 876 Patienten unter DPP-4-Hemmern. In der Kohorte 2 befanden sich 55 989 Patienten unter SGLT2-Inhibitor- und 55 989 Patienten unter GLP1-Rezeptoragonist-Behandlung.

Der primäre Endpunkt „schwere Harnwegsinfektion“ war als Kombination aus Hospitalisierung wegen Harnwegsinfektion, wegen Sepsis und Harnwegsinfektion und wegen Pyelonephritis definiert. Sekundäre Endpunkte waren Einzelkomponenten des primären Endpunkts und ambulant therapierte Harnwegsinfektionen.

Die gepoolten Daten aus beiden Datenbanken ergaben, dass die Behandlung mit einem SGLT2-Inhibitor das Risiko für eine schwere Harnwegsinfektion im Vergleich zu einem DPP-4-Inhibitor nicht erhöhte (Hazard-Ratio [HR]: 0,98), auch nicht im Vergleich zu einem GLP1Rezeptoragonist (HR: 0,72). Bei den Einzelkomponenten des primären Endpunkts und den sekundären Endpunkten fanden sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede. Auch zwischen Canagliflozin und Dapagliflozin ergaben sich im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren keine Änderungen des Risikos.

Fazit: Typ-2-Diabetiker, die SGLT2- Inhibitoren einnehmen, haben einer großen populationsbasierten Kohortenstudie zufolge kein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen. Im Editorial wird eingeschränkt, dass die Datenbasis versicherte Personen in den USA seien und sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Populationen übertragen ließen (2). Außerdem seien Patienten mit Niereninsuffizienz, hohem Risiko für eine Harnwegsinfektion und mit einer Harnwegsinfektion in der Anamnese ausgeschlossen gewesen. Dennoch: Die Studie sei methodisch sorgfältig gemacht und spiegele die klinische Praxis wider. Insofern liefere sie wichtige Informationen und bedeute einen „ermutigenden Nachweis“, dass SGLT2-Inhibitoren unter Real-World-Bedingungen in Bezug auf das Risiko für schwere Harnwegsinfektionen sicher seien. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Dave CV, Schneeweiss S, Kim D, et al.: Sodium-glucose cotransporter-2 inhibitors and the risk for severe urinary tract infections. A population-based cohort study. Ann Intern Med 2019; 171: 248–56.
  2. Filion KB Yu OH: Sodium-glucose cotransporter-2 inhibitors and severe urinary tract infections: Reassuring real-world evidence. Ann Intern Med 2019; 171: 289–90.

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