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Drei Hormone ahmen Wirkung der Magen­bypass-Operation bei Diabetes nach

Mittwoch, 7. August 2019

Ein Chirurg legt ein Skalpell an einem Magen an. /shidlovski, AdobeStock.com
Bariatrische Eingriffe, wie etwa ein Roux-en-Y-Magenbypass, ein Magenband oder Schlauchmagen können sich positiv auf einen Diabetes auswirken. /shidlovski, AdobeStock.com

London – Der Roux-en-Y-Magenbypass kann einen Typ 2-Diabetes von adipösen Menschen heilen, noch bevor es zur Gewichtsabnahme kommt. Forscher führen dies auf die Freisetzung von 3 Hormonen zurück, die jetzt in einer Pilotstudie in Diabetes Care (2019; 42: 1446-1453) ebenfalls eine gute Wirkung erzielten.

Der Roux-en-Y-Magenbypass ist die effektivste bariatrische Operation. Der Blutzucker normalisiert sich häufig binnen weniger Tage und auch 5 Jahre nach der Operation befindet sich ein Viertel der Patienten in Remission mit Blutzuckerwerten, die unter einer medikamentösen Therapie selten erzielt werden.

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Die Ursache für die Normalisierung des Blutzuckers ist nicht abschließend geklärt. Sie könnte jedoch mit der frühzeitigen Freisetzung von Sättigungshormonen zusammenhängen. Zu diesen Hormonen gehört einmal das „glucagon-like peptide 1“ GLP-1, auch als Inkretin bekannt. GLP-1-Agonisten haben sich in der Behandlung des Typ 2-Diabetes bewährt. Sie werden auch teilweise zur begleitenden Behandlung der Adipositas eingesetzt.

Zwei weitere Hormone, Oxyntomodulin (OXM) und Peptid YY (PYY) werden nicht als Arzneimittel angeboten, obwohl sie ein therapeutisches Potenzial hätten: OXM ist ein Doppelagonist am GLP-1- und Glukagon-Rezeptor, der die Nahrungsaufnahme reduziert und den Energieverbrauch erhöht, was zu einem Gewichtsverlust führt. PYY reduziert den Appetit und die Nahrungsaufnahme nach den Mahlzeiten.

Roux-en-Y-Magenbypass sorgt für höheren Gewichtsverlust als Hormone

Ein Team um Tricia Tan vom Imperial College London hat jetzt untersucht, ob die gleichzeitige Behandlung mit den 3 Hormonen (GOP) die Wirkung eines Roux-en-Y-Magenbypass erreichen kann. Insgesamt 15 extrem adipöse Personen (BMI 38,4) mit Typ 2-Diabetes oder Prädiabetes wurden über 4 Wochen mit einer subkutanen Pumpe ausgerüstet, die die 3 Hormone tagsüber in kontinuierlicher Menge infundierte. Bei 11 weiteren Patienten enthielt die Medikamentenpumpe nur Kochsalz.

Zwei weitere Vergleichsgruppen bestanden aus 21 Patienten, die sich einer Roux-en-Y-Magenbypass-Operation unterzogen hatten, und 22 Patienten, die auf eine extreme Reduktionsdiät gesetzt worden waren. Alle Patienten erhielten auch ein Gerät zur kontinuierlichen Aufzeichnung der Glukosespiegel.

Wie Tan berichtet, kam es unter der GOP-Behandlung innerhalb von 4 Wochen zu einem Rückgang des Gewichts um durchschnittlich 4,4 kg, verglichen mit 2,5 kg bei Teilnehmern der Placebo-Gruppe. Die Gewichtsabnahme blieb damit hinter den beiden Kontrollgruppen zurück. Nach der Roux-en-Y-Magenbypass-Operation verloren die Patienten innerhalb von 4 Wochen 10,3 kg und nach der Reduktionsdiät 8,3 kg. Die Behandlung mit den 3 Hormonen blieb damit weit hinter der Operation zurück.

Hormone verbessern den Blutzucker am stärksten

Die Auswirkungen auf den Blutzucker waren nach der GOP-Behandlung jedoch stärker als nach der Operation und der Radikaldiät. Die Forscher wählten statt des HbA1c-Werts die Fruktosamin-Konzentration, die schneller auf Änderungen des Blutzuckers reagiert. In der GOP-Gruppe kam es zu einem Rückgang um 44,1 µmol/l. Das war mehr als nach der Roux-en-Y-Operation (minus 34,0 µmol/l) oder nach der Radikaldiät (minus 28,5 µmol/l) oder in der Placebo-Gruppe (minus 11,7 µmol/l).

Weitere Untersuchungen zeigten, dass der Anstieg von Blutzucker und Insulin nach einer Probemahlzeit unter der GOP-Behandlung wesentlich geringer ausfiel als bei den operierten Patienten. Dies könnte ein Vorteil sein, da das Risiko von Hypoglykämien geringer ist.

GOP-Behandlung nur mit Medikamentenpumpe

Die GOP-Behandlung war für die Patienten laut Tan ohne Nebenwirkungen (wenn man von Hautreizungen am Applikationsort absieht). Dies könnte ein Vorteil gegenüber der Roux-en-Y-Operation sein, die häufiger zu Komplikationen führt und für die Patienten nicht reversibel ist. Der Nachteil der GOP-Behandlung ist allerdings, dass sie wegen der kurzen Halbwertzeit der Hormone nur mit einer Medikamentenpumpe möglich ist, weshalb die meisten Typ 2-Diabetiker sie wohl ablehnen würden. © rme/aerzteblatt.de

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