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Ärzteschaft

Diabetespatienten profitieren erheblich vom digitalen Fortschritt

Dienstag, 12. Februar 2019

/dpa

Berlin – Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) will sich bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens aktiv einbringen und eine „Positions­bestimmung“ als wissenschaftliche Fachgesellschaft auch im Hinblick auf die elektronische Patientenakte (ePA) vornehmen. Das betonte Dirk Müller-Wieland, Präsident der DDG, bei der Jahrespressekonferenz der Gesellschaft heute in Berlin. Die DDG habe daher Handlungsfelder für den digitalen Wandel definiert und diese bereits 2017 in einem „Code of Conduct Digital Health“ zusammengefasst und erläutert. 

Patientenakte unterstützt medizinische Versorgungsstandards

Was ist aus Sicht der Fachgesellschaft notwendig, um die Vorteile der Digitalisierung für Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie etwa Diabetes, nutzbar zu machen?  „Wir fordern eine hundertprozentige Interoperabilität der elektronischen Lösungen“, betonte Müller-Wieland. Zudem sei es Aufgabe der Fachgesellschaft, für die vielen Facetten und Erscheinungsformen der Erkrankung medizinische Standards, basierend jeweils auf den wissenschaftlichen Leitlinien und Empfehlungen, festzulegen und in der Versorgung zu implementieren, meinte er.

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Es sei das „inhärente Grundverständnis der Fachgesellschaft, dass die Kompetenz dafür bei uns liegt“, erklärte der DDG-Präsident. „Vom Selbstverständnis der Kassenärztlichen Bundesvereinigung diesbezüglich halte ich gar nichts“, kritisierte er mit Blick auf die geplante gesetzliche Regelung, wonach die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) künftig für die Standardisierung der medizinischen Inhalte der ePA zuständig sein soll.

Die KBV hatte ähnliche Kritik von Industrie und Krankenhäusern zurückgewiesen.„Selbstverständlich werden wir die Expertise aus Wissenschaft und Industrie einbinden und versuchen, zu gemeinsamen Ergebnissen zu kommen. Am Ende muss jedoch einer entscheiden“, hatte KBV-Vorstandsmitglied Thomas  Kriedel betont.

Die ePA ermöglicht es aus Sicht der DDG, flächendeckend eine bessere medizinische Versorgung zu gewährleisten. „Der Patient erhält, egal wo, den medizinischen Standard“, erläuterte der Experte. Auch der Arzt erhalte standardisiert Hilfestellung im Behandlungsprozess und könne auf Informationen dort zurückgreifen, wo er sie benötige. „Die oft unüberbrückbaren Grenzen zwischen medizinischen Berufsgruppen, Kliniken und Praxen oder zwischen Stand und Land können durch intelligente Vernetzung überwunden werden“, sagte der Experte.

Diabetesregister zur datenbasierten Steuerung

Um die Versorgung zu verbessern, müssen ihm zufolge relevante Daten der Patienten aus dem direkten Behandlungsprozess digital erhoben und anonym ausgewertet werden. Die DDG fordert daher ein nationales Diabetesregister, in dem die Daten von Diabetespatienten zentral und flächendeckend erfasst werden. Ein solches Register könnte etwa Daten zur Versorgungsqualität, zu neuen Erkrankungsverläufen und zur datenbasierten gesundheitspolitischen Steuerung liefern, mit dem Ziel, die Prozess- und Ergebnisqualität der Versorgung zu verbessern.

Die technische und semantische Interoperabilität könne nur gelingen, wenn sich die Beteiligten an einen Tisch setzten und die Inhalte im Dialog festlegten, entgegnete Nino Mangiapane, Referatsleiter im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, auf den kritischen Einwand des DDG-Präsidenten zur Entscheidungshoheit bei Standardisierungsfragen. Es wäre daher „klug, diejenigen einzubinden, die die fachliche Expertise haben“.

Mangiapane verwies zudem auf die wachsende Vielzahl von neuen Funktionalitäten bei mobilen Anwendungen. Sie böten eine Vielzahl von Mehrwerten, die in die Praxis getragen werden müssten. Gerade im Bereich Diabetes gibt es ihm zufolge inzwischen Anwendungen, bei denen Apps sich mit medizinischen Geräten verbinden und Betroffene im Umgang mit ihrer Erkrankung unterstützen.

Grundlegender Wandel im Leben mit der Krankheit

Dies bestätigte Stephanie Haack, Typ-1-Diabetikerin und Bloggerin, in ihrem Erfahrungsbericht. Als Jugendliche erkrankt, entdeckte sie erst nach etlichen schwierigen Jahren als Einzelkämpferin die „Diabetes Online Community“ für sich und betreibt seit vier Jahren einen Blog, in dem sie über ihr Leben mit der Erkrankung berichtet.

Der Alltag mit der Erkrankung hat sich durch die Digitalisierung in den vergangenen Jahren aus ihrer Sicht komplett gewandelt: „Statt schmerzhaften Fingerpiksens trage ich nun einen Sensor, der kontinuierlich meinen Gewebezucker misst und diese Information an mein Smartphone sendet. Statt mühsamen Tagebuchführens bekomme ich automatisch Analysen und kann meine Aufzeichnungen einfach mit meinem Diabetesteam oder meinen Angehörigen teilen“, erläuterte sie. Zudem habe sie im vergangenen Jahr den Schritt zu einem DIY-(Do It Yourself-)Closed-Loop-System gewagt, bei dem die Insulinpumpe über eine Smartphone-App teilweise automatisiert im Hintergrund gesteuert werde.

„Dies hat bei mir zu fantastischen Ergebnissen geführt“, sagte Haack.  „Die Nächte sind so stabil, dass ich durchschlafen kann.“ Der technologische Fortschritt habe ein großes Maß an Lebensqualität geschenkt, doch das Potenzial der Digitalisierung sei noch längst nicht ausgeschöpft. Auf ihrem Wunschzettel steht auch eine elektronische Patientenakte, in der beispielsweise die Befunde von Fachärzten gesammelt werden können.

Gesundheitsakte stark nachgefragt

„Die positiven Rückmeldungen der Nutzer unserer Gesundheitsakte TK-Safe zeigen, dass es für Patienten mit chronischen Krankheiten besonders wertvoll ist, jederzeit und überall auf die eigenen Gesundheitsdaten zugreifen zu können. Eine Gesundheitsakte macht es für Diabetiker deutlich einfacher, ihre Werte im Blick zu behalten“, sagte Klaus Rupp von der Techniker Krankenkasse. Die Krankenkasse betreibt ihre elektronische Gesundheitsakte (eGA) seit April 2018 im Testmodus. Inzwischen nutzen mehr als 100.000 Versicherte die Akte. „Die Nachfrage nach der Akte ist groß“, so Rupp. In diesem Jahr soll der produktive Betrieb folgen.

17 Krankenhäuser sind zudem an die Akte angeschlossen. Mit dem Krankenhaus­konzern Vivantes und der AOK wurde eine aktenübergreifende Schnittstelle entwickelt, sodass die Krankenhäuser sowohl mit der AOK-Akte als auch mit TK-Safe kommuni­zieren können. Jetzt sei man dabei, niedergelassene Ärzte über den Kommunikations­dienst KV-Connect mit dem System zu vernetzen.

Für Diabetespatienten oder andere chronisch kranke Menschen bietet die Akte Rupp zufolge viele Vorteile: Sie sind häufig bei verschiedenen Fachärzten in Behandlung und nehmen viele verschiedene Medikamente ein. Über die Akte können dabei beispielsweise unerwünschte Wechsel­wirkungen von Medikamenten schneller erkannt werden.

Perspektivisch sollen weitere Funktionen für Diabetiker in TK-Safe integriert werden, kündigte Rupp an. So sollen die Patienten über die TK-Diabetes-Tagebuch-App künftig ihre Blutzuckerwerte drahtlos per Bluetooth direkt vom Messgerät in die App senden können. Auch kann der Patient seinem Arzt dann Zusammenfassungen der gemessenen Werte per Smartphone zur Verfügung stellen. © KBr/aerzteblatt.de

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