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Politik

Mehr als zwei Drittel der Deutschen befürworten künstliche Intelligenz in der Medizin

Donnerstag, 11. Juli 2019

Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek im Gespräch mit Horst K. Hahn und Manja Marz bei der neuen Diskussionsveranstaltung im Wissenschaftsjahr 2019 „Karliczek.Impulse. Wie wir Künstliche Intelligenz nutzen wollen.“.

Berlin – Die Deutschen haben sich in einer von Bildungs- und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) beauftragten repräsentativen Umfrage zu künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin überwiegend positiv geäußert. Ein gutes Drittel befürwortet demnach den Einsatz von KI bei der Diagnostik „auf jeden Fall“, wie die am Mittwoch vorgestellte Umfrage ergab. Ein weiteres Drittel ist „eher“ für diesen Einsatz.

Die Zahlen bewertete Karliczek nur eingeschränkt positiv. „Damit wir KI in allen Lebensbereichen nutzen können, brauchen wir noch mehr Vertrauen“, sagte sie am Abend in Berlin bei der neuen Veranstaltungsreihe „Karliczek.Impulse – Wie wir Künstliche Intelligenz nutzen wollen“, die gestern zum Thema Medizin stattgefunden hat. Das Civey-Institut befragte für die Erhebung am 1. und 2. Juli 3.662 Menschen.

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Den Befürwortern stehen etwa ein Drittel der Befragten gegenüber, die noch unent­schlossen waren oder KI eher oder ganz und gar ablehnen. Beim Vertrauen in KI war das Meinungsbild weniger eindeutig: Nur 5,8 Prozent gaben an, dass sie einer auf KI gestützten ärztlichen Diagnose „eindeutig mehr“ und in 17,3 Prozent „eher mehr“ vertrauen würden. Ein gutes Drittel schenkt der KI in etwa gleich viel Vertrauen wie dem Arzt. Eben soviele würden dem Arzt mehr vertrauen als der KI-Diagnose.

Mehr als die Hälfte der Befragten wäre bereit, seine Gesundheitsdaten anonymisiert bereitzustellen, damit KI-Diagnosen künftig noch besser werden könnten. Deutlich weniger würden dies auf keinen Fall tun (16,4 Prozent). Fast 15 Prozent tendieren eher dazu, ihre Daten nicht zur Verfügung zu stellen, knapp 12 Prozent waren unentschlossen.

Möglichkeiten für eine freiwillige Datenspende fehlen noch

Karliczek sprach sich für eine freiwillige Datenspende und das Zugriffsrecht auf die eigenen Daten aus. Dafür müssten Möglichkeiten geschaffen werden. „Eine Lösung für eine Datenspende, die nicht rückverfolgbar ist, habe ich noch nicht.“ Dazu würde geforscht, sagte die Bundesministerin.

Horst K. Hahn, Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS, äußerte zudem große Sorgen bei der Ausbildung der Mediziner: „Wir stecken ganz stark in alten Strukturen.“ Es fehle die Fantasie, wie die Medizin von morgen aussehen könnte. Einen essenziellen Bestandteil sieht die Bioinformatikerin Manja Marz dabei im Verständnis für logisches Denken, Mathematik und Informatik. Das gelte für alle Lebenswissenschaften. Zwar würde in der Informatik alles, was man heute lernt, in fünf Jahren schon wieder überholt sein. „Dennoch sollten die grundlegenden Prozesse der Informatik erlernt werden“, sagte Marz, die an der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig ist.

Der Neurowissenschaftler und Arzt Philipp Kellmeyer vom Universitätsklinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg betonte in der Diskussionsrunde immer wieder die Bedeutung und Verantwortung des Arztes. Die KI bleibe dabei ein Werkzeug oder auch ein Assistenzsystem. Die KI stelle keine Diagnose oder mache eine Therapie – dafür sei immer noch der Arzt zuständig.

Sylvia Thun, Direktorin der Core Unit E-Health & Interoperability des Berlin Institute of Health der Charité, fehlte die Realität in der Diskussion. Als Beispiel führte sie den digitalen Arztbrief an und bemängelte, dass in Deutschland bis heute nicht die Rahmenbedingungen geschaffen wurden für eine einheitliche internationale Fach­sprache, wie etwa SNOMED-CT und weitere Standards „Die Regierung muss Software- und IT-Herstellern diese Standards für den medizinischen Markt vorschreiben“, forderte Thun. Dieses Manko hatte neben diversen Vertreter aus Forschung und Wissenschaft sowie Branchenverbänden der Gesundheitsindustrie unter anderem auch schon der Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP) beklagt. Eine Stellungnahme dazu gab Karliczek am gestrigen Abend nicht.

Digitaler Wandel: International aufholen

Ohne Digitalisierung gibt es keine Künstliche Intelligenz. Für beides hat die Bundesregierung daher im November eine Strategie verabschiedet. Vergleichbare Fahrpläne haben die meisten anderen Länder in Europa längst vorgelegt. Spät, aus Sicht mancher Experten vielleicht zu spät, hat die Bundesregierung zur Aufholjagd bei der Digitalisierung angesetzt. Auf einer Klausurtagung am 15. November 2018

© gie/afp/aerzteblatt.de

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