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Politik

Telemedizin und Videosprechstunden kaum genutzt

Mittwoch, 5. Dezember 2018

/dpa

Berlin – Telemedizinische Anwendungen sind im vergangenen Jahr noch kaum genutzt worden. Das zeigt ein Bericht des Bewertungsausschusses zur ambulanten teleme­dizinischen Leistungserbringung an die Bundesregierung. Demnach wurden etwa telekonsiliarische Befundbeurteilungen von Röntgenaufnahmen und telemedizinische Videosprechstunden im Zeitraum zwischen dem 1. April und dem 31. Dezember 2017 „noch nicht in nennenswertem Umfang erbracht“.

Beispielsweise wurde die Beauftragung der telekonsiliarischen Befundbeurteilungen von Röntgenaufnahmen im dritten Quartal des vergangenen Jahres bundesweit 137-mal, im vierten Quartal 142-mal abgerechnet. 30 Patienten wurden bundesweit im Rahmen einer telemedizinischen Videosprechstunde im dritten Quartal 2017, 68 im vierten Quartal 2017 betreut.

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Der Bewertungsausschuss schränkt aber zugleich ein, dass die technischen Voraussetzungen für eine telemedizinische Leistungserbringung zum 1. April 2017 nur in geringem Umfang vorhanden gewesen seien. So seien beispielsweise erst im dritten Quartal des vergangenen Jahres die ersten der derzeit neun Anbieter für Videosprechstunden-Software zertifziert gewesen. Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten, heißt es in dem Report. Für das laufende Jahr macht der Bericht keine Angaben.

Telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgen- und CT-Aufnahmen werden seit dem 1. April 2017 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) vergütet. Ebenfalls aufgenommen in den EBM wurde die Videosprechstunde zur Verlaufskontrolle von Erkrankungen, sofern eine Erstbegutachtung durch dieselbe Arztpraxis mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt vorausgegangen ist.

Die Videosprechstunde kann dem Bericht nach von einer Vielzahl von Facharztgruppen in einem definierten Indikationsspektrum angewendet werden. Videosprechstunden könnten etwa zur visuellen Verlaufskontrolle von Operationswunden, sonstigen Wunden, Dermatosen, zur visuellen Beurteilung von Bewegungsstörungen, auch nervaler Genese, zur Beurteilung der Stimme und des Sprechens und zur anästhesiologischen, postoperativen Verlaufskontrolle erfolgen. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #28614
rjaeger
am Samstag, 15. Dezember 2018, 08:59

Telemedizin im Praxisalltag der ambulanten Medizin

Telemedizinische Lösungen müssen den Praxisalltag in der ambulanten Medizin berücksichtigen. Videosprechstunden sind interessant, allerdings sehe ich als Hausarzt keine Erleichterung im Praxisalltag. Der Video-Chat ist für eine telekonsiliarische Erörterung viel interessanter.

In unseren Arztpraxen befragten wir 2017 unsere Patienten, welche Form der Kommunikation sie sich zur Erleichterung im Austausch mit der Arztpraxis / Ärzten wünschen würden: Kein Patient hat einen Vorteil in der Videosprechstunde gesehen, viele wünschten sich demgegenüber eine einfache asynchrone Kommunikationsform, wie WhatsApp.

Wie schon Dr. Schaetzler geschrieben hat, leben wir in der ambulanten Medizin schon die "Fernbehandlung", allerdings noch auf Basis von einfachsten Kommunikationsmitteln.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 12. Dezember 2018, 11:39

Telemed. Videosprechstunden – "Gesundheitspolitik, Lügen und Videos"?

Zitat Deutsches Ärzteblatt: "Das zeigt ein Bericht des Bewertungsausschusses zur ambulanten telemedizinischen Leistungserbringung an die Bundesregierung. Demnach wurden etwa telekonsiliarische Befundbeurteilungen von Röntgenaufnahmen und telemedizinische Videosprechstunden im Zeitraum zwischen dem 1. April und dem 31. Dezember 2017 „noch nicht in nennenswertem Umfang erbracht“.
Beispielsweise wurde die Beauftragung der telekonsiliarischen Befundbeurteilungen von Röntgenaufnahmen im dritten Quartal des vergangenen Jahres bundesweit 137-mal, im vierten Quartal 142-mal abgerechnet. 30 Patienten wurden bundesweit im Rahmen einer telemedizinischen Videosprechstunde im dritten Quartal 2017, 68 im vierten Quartal 2017 betreut.
Der Bewertungsausschuss schränkt aber zugleich ein, dass die technischen Voraussetzungen für eine telemedizinische Leistungserbringung zum 1. April 2017 nur in geringem Umfang vorhanden gewesen seien. So seien beispielsweise erst im dritten Quartal des vergangenen Jahres die ersten der derzeit neun Anbieter für Videosprechstunden-Software zertifiziert gewesen. Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten, heißt es in dem Report. Für das laufende Jahr macht der Bericht keine Angaben.
Telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgen- und CT-Aufnahmen werden seit dem 1. April 2017 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) vergütet. Ebenfalls aufgenommen in den EBM wurde die Videosprechstunde zur Verlaufskontrolle von Erkrankungen, sofern eine Erstbegutachtung durch dieselbe Arztpraxis mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt vorausgegangen ist."
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/99632/Telemedizin-und-Videosprechstunden-kaum-genutzt

Der Bericht selbst
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/060/1906020.pdf
ist mehr als dürftig:

- 2. bis 2.6 berücksichtigen nur fachkardiologische: "Telemedizinische Kontrolle von ICD- und CRT-Geräten"

- 3. bis 3.3 beziehen sich ausschließlich Radiologie: "Telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen"

- Erst 4. bis 4.4 beschäftigt sich mit der eigentlichen "Telemedizinische(n) Videosprechstunde"

Im 2. Quartal lagen fast allerorts die technischen Voraussetzungen für die telemedizinische Videosprechstunde noch gar nicht vor. Die Zertifizierungen sind für die Anbieter z.T. bis heute noch nicht abgeschlossen.

"GOP 01439 Betreuung eines Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde gemäß Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) (88 Punkte)
GOP 01450 Zuschlag im Zusammenhang mit den Versichertenpauschalen nach den Gebührenordnungspositionen 03000 und 04000, zu den Grundpauschalen ..., zu den Konsiliarpauschalen des Kapitels 25 und zu den Gebührenordnungspositionen
01439 und 30700 für die Betreuung eines Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde (40 Punkte)"
belegt, dass eine Regelvergütung von gerade mal 4,00 Euro für die telemedizinische Videosprechstunde geradezu erbärmlich unattraktiv ist.

Dank der bisher immer schon miserablen Gebührenordnungs-Politik der KBV sind meine haus- und fachärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen Vertragsärzte und ich aktuell, am Ende des 4. Quartals 2018, nicht mal in der Lage, telemedizinische T e l e f o n s p r e c h s t u n d e n mit Beratung, Differenzialdiagnosen und Therapievorschlägen abzurechnen, weil Regelleistungsvolumina (RLV) ausgereizt und alle Leistungen pauschal budgetiert sind.

Wie wollen da Bürokratie, Politik und Verwaltung erwarten, dass überhaupt irgendwelche telemedizinischen Videosprechstunden abgehalten werden, wenn noch nicht mal eine kostendeckende, geschweige denn eine Praxisumsatz steigernde Honorierung in Aussicht gestellt wird?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS