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Per Mausklick zur besseren Coronaprävention

Dienstag, 18. Mai 2021

/goodluz, stock.adobe.com

Genf – Ein Computerspiel soll Ärzten und Pflegekräften helfen, Coronainfektionen in Krankenhäusern einzudämmen. Die Schweizer Erfindung „Escape COVID-19“ führt spielerisch durch Szenarien, mit denen das medizi­nische Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen täglich konfrontiert ist.

An allen Spiel­stationen – vom Verlassen des Hauses über den Weg zur Arbeit bis zur Schicht im Kran­ken­haus – werden die richtigen Praktiken zur Vorbeugung von Infektionen trainiert. Mitentwickelt hat das Computerspiel die Anästhesistin Melanie Suppan. Nun demonstrierte sie es vor Rettungskräften im Genfer Universitätsspital (HUG).

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Das Spiel fängt simpel an: Ihr virtuelles Ich wacht mit Husten und Fieber auf und beschließt, sich auf Corona zu testen und vor der Arbeit auf das Ergebnis zu warten. Dafür bekommt sie ein „Daumen-hoch“-Zeichen.

Doch nachdem sie negativ getestet ihre Schicht antritt, wird es komplizierter: „Ein Auszubildender fragt, in welchen Situationen eine KN95/FFP2-Maske statt einer Standardmaske getragen werden sollte.“ In einer langen Liste von Möglichkeiten kreuzt Suppan „Wiederbelebung“ und „Atemunterstützung“ an – beides richtig. Doch klickt sie auch auf „Nasenabstriche“, worauf ein roter, wütender Coronavirus er­scheint – also falsch.

„Es soll spielerisch, lustig und unbeschwert sein, nicht moralisierend“, erklärte Suppan den Gedanken hinter dem Coronaspiel. Stephan Harbarth leitet die Infektionsprävention am HUG, sein Team half bei der Konzeption von „Escape COVID-19“, das nun online auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar ist. „Klassische Krankenhaushygiene und Infektionsprävention innerhalb der Krankenhäuser sind nicht unbedingt die spannendsten Themen“, räumt er ein.

Eine Anfang Mai im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Studie zeigt, dass das Spiel das Verhalten viel effektiver ändern konnte als altmodische Handbücher: Fast 300 Mitarbeiter der Genfer Notaufnahme wurden im Rahmen der Studie entweder mit schriftlichem Material oder per Computer­spiel über Präventionsmaßnahmen geschult. „Die Studie ergab einen echten Nutzen“, sagt Suppan. „Unter den Computerspielern war die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Verhalten nach dem Spiel ändern, mehr als dreimal so hoch wie bei denen mit herkömmlichem Material.“

Verhaltensänderungen beim Personal sind entscheidend für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, die seit Beginn der Pandemie oft zu Brutstätten von Corona wurden. Anfangs stand laut Harbarth im Fokus, Sanitäter, Ärzte und Pfleger vor einer Infektion zu schützen, während sie sich um COVID-19-Patienten kümmern.

Doch nach einer Weile wurde klar, dass auch asymptomatische Mitarbeiter das Virus verbreiteten. „Wir haben erkannt, dass wir sehr vorsichtig sein mussten, dass das Personal nicht zu Vektoren oder sozu­sagen Moskitos wurde, die die Patienten infizierten“, sagte Harbath.

So war es bisher im Gesundheitssektor üblich, lange Schichten zu arbeiten und auch mit Husten oder Schnupfen zur Arbeit zu kommen. Doch das musste sich drastisch ändern: Jetzt sollte das Personal auch beim kleinsten Symptom zuhause bleiben – und sich sogar ohne Symptome testen lassen.

„Es ist wirklich ein kompletter Paradigmenwechsel“, betonte Harbarth. „Das Spiel hat uns dabei gehol­fen.“ Harbarth ist sich sicher, dass in der Schweiz auch „Escape COVID-19“ Anteil am dramatischen Rück­gang der durch Krankenhäuser verursachten Coronainfektionen in den vergangenen Monaten habe. In der Zukunft will er solche Spiele verstärkt zur Verbreitung medizinischer Botschaften einsetzen, etwa beim Thema Impfen.

„Das ist eine riesige Herausforderung“, so Harbarth. Schließlich seien nicht alle Krankenhausange­stellten bereit, sich gegen Corona impfen zu lassen. „Hier könnte solch ein Spiel ein gutes Werkzeug sein, um präzise Informationen zu verbreiten.“ © afp/aerzteblatt.de

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