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Internationale Leitlinie für mehr Freiheit bei Embryonenforschung

Mittwoch, 26. Mai 2021

/dpa

Chicago – Die Internationale Gesellschaft für Stammzellforschung (ISSCR) plädiert dafür, aus mensch­lichen Stammzellen hergestellte Embryonen künftig länger als 14 Tage im Labor kultivieren zu dürfen.

In einer heute veröffentlichten neuen Leitlinie der Gesellschaft heißt es, Forscher sollten künftig Embry­onenmodelle so lange im Labor kultivieren dürfen, wie es einem Forschungszweck dient – allerdings nur nach individueller Prüfung. In der letzten Version der Leitlinie von 2016 galt das Überschreiten der 14-Tage-Regel noch als „unzulässige Forschungsaktivität“ („prohibited activities“).

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Seitdem habe die Forschung aber große Fortschritte erzielt – sowohl bei der Kultivierung menschlicher Embryonen als auch etwa bei der Schaffung von Embryonen aus Stammzellen, begründet die elfköpfige Arbeitsgruppe die Neuauflage der Leitlinie in Stem Cell Reports (DOI: 10.1016/j.stemcr.2021.05.008). Die Autoren kommen aus den USA, Kanada, Großbritannien, Österreich, Japan und China.

„Das Komitee erkennt zwar an, dass die Kultivierung eines menschlichen Embryos über 14 Tage hinaus in vielen Rechtssystemen durch Gesetze oder Regeln untersagt ist, glaubt aber, dass ein pauschales Ver­bot in diesem Bereich wichtige Forschungsausrichtungen behindern könnte“, schreibt die ISSCR-Arbeits­gruppe.

Jedes Forschungsprojekt solle individuell begutachtet und bewertet werden. Dabei geht es insbesondere um den Grad der Integration eines Embryonenmodells – also ob es alle zur weiteren Reifung erforderli­chen Merkmale ausbildet oder nicht. Demnach soll etwa der Transfer eines Embryos in die Gebärmutter eines Menschen oder Tieres weiterhin verboten bleiben.

Als Reaktion auf die neue Leitlinie sagte Thomas Zwaka von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York: „Zellkulturmodelle jenseits der 14-Tage-Regelung sind essenziell für unser Verständnis der menschlichen Entwicklung, da einige der wichtigsten Entwicklungsschritte erst nach dieser Periode stattfinden. Außerdem wird immer klarer, dass die Grundlage vieler ernster Entwicklungsstörungen mit den erweiterten Modellen erfasst werden kann.“

Embryonenmodelle seien nur Modelle der menschlichen Entwicklung, es handele sich nicht um „echtes menschliches Leben“. Neue Richtlinien seien ohnehin hinfällig, da viele Forscher die Grenzen des Mög­lichen seit Jahren aggressiv erweitert hätten.

Ebenfalls heute hatten die Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften dafür plädiert, das restriktive deutsche Embryonenschutzge­setz zu lockern, um Forschung an Embryonen für hochrangige medizinische Ziele in engen Grenzen zu ermöglichen. © dpa/aerzteblatt.de

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