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Ernährung: Flavanole aus Kakao verbessern in Studie kognitive Fähigkeiten

Freitag, 26. Februar 2021

/picture alliance, Schoening

New York – Die tägliche Einnahme von Flavanolen aus Kakaobohnen über 12 Wochen hat in einer randomisierten Studie die Fähigkeiten gesunder älterer Erwachsener in einem Gedächtnistest verbessert und die Hirnaktivität in der für den Test benötigten Hirnregion erhöht.

Den größten Effekt erzielte die Behandlung nach den in Scientific Reports (2012; DOI: 10.1038/s41598-021-83370-2) veröffentlichten Ergebnissen bei Personen, die in einem Ernährungs­fragebogen zuvor die geringste Aufnahme von Flavanolen abgegeben hatten.

Flavanole sind vor allem in Kakao, aber auch in Tee, Kernobst, Trauben und Wein sowie verschiedenen Körnern, Kräutern und Beeren enthalten. Den bioaktiven Molekülen werden günstige Auswirkungen auf die Durchblutung zugeschrieben. So konnte gezeigt werden, dass der Verzehr von dunkler Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil den Blutdruck senkt. Eine bessere Durchblutung könnte sich günstig auf die Hirnfunktion auswirken.

In einer früheren Studie hatte ein Team um Scott Small von der Columbia University in New York bereits herausgefunden, dass eine flavanolreiche Ernährung die Hirnaktivität im Gyrus dentatus verstärkt, jenem Teil des Hippocampus, der für die Speicherung neuer Gedächtnisinhalte zuständig ist (Nature Neuro­science, 2014; DOI: 10.1038/nn.3850).

In der aktuellen Studie hat das Team die Ergebnisse in einer größeren Personengruppe überprüft. An der Studie nahmen 211 gesunde Erwachsene im Alter von 50 bis 75 Jahren teil. Nach einer Run-In-Phase, in der mit Placebos überprüft wurde, ob die Probanden zur Einnahme der Kapseln bereit waren, wurden die Teilnehmer auf 4 Gruppen randomisiert. Sie wurden gebeten, über 12 Wochen täglich Kapseln einzu­nehmen mit 260 mg, 510 mg oder 770 mg Flavanolen pro Tag oder Placebo.

Vor Beginn der Studie füllten die Teilnehmer einen ausführlichen Fragebogen zu ihrer Ernährung aus. Sie nahmen an einigen neuropsychologischen Tests teil, die am Ende der Intervention nach 12 Wochen und dann nach weiteren 8 Wochen wiederholt wurden. An diesen Terminen wurden auch Blutproben ent­nom­­­men, um die Konzentration der Flavanole zu bestimmen. Dabei stellte sich heraus, dass die Konzen­tra­tion der Flavanole von Person zu Person stark schwankten, insgesamt aber mit der Konzentration der Flavanole in den Kapseln anstiegen.

Der primäre Endpunkt der Studie war ein neuer Objekterkennungstest, der speziell auf die Funktion des Nucleus dentatus zugeschnitten war: Die Probanden sahen nacheinander verschiedene Muster auf dem Bildschirm und sollten klicken, wenn ein Muster ein 2. Mal auftrat. Dieser Test erwies sich jedoch als zu schwierig. Die meisten Teilnehmer erzielten nur Zufallstreffer, so dass er nicht für die Auswertung taugte.

Der zweite Test („Modified Rey auditory verbal learning test“) war ein konventioneller Lerntest, bei dem sich die Probanden möglichst viele Wörter aus einer Liste merken sollten. Dieser Test prüft ebenfalls die Leistung des Hippocampus. Probanden, die im Ernährungsfragebogen die höchste Zufuhr von Flavanolen angegeben hatten, erzielten beim Eingangstest die besten Ergebnisse. Die Personen mit der niedrigsten Aufnahme über die Ernährung verzeichneten dagegen die größten Verbesserungen während der 12-wöchigen Behandlung mit den Flavanolkapseln. Nach dem Ende der Intervention verschlechterten sich die Ergebnisse wieder.

In einem 3. Test sollten die Probanden Dinge nach Eigenschaften sortieren (etwa Tiere nach der Größe). Diese Aufgabe fordert vor allem den präfrontalen Cortex. Die Flavanolbehandlung führte in diesem Test zu keiner Verbesserung.

Die Forscher haben vor und nach der Intervention auch Magnetresonanztomografien (MRT) des Schädels angefertigt. Mit der funktionellen MRT lässt sich untersuchen, ob beim Lösen der Aufgaben die Durch­blu­tung in bestimmten Regionen zunimmt, was auf eine gesteigerte Hirnaktivität hinweist. Die Ergeb­nisse waren nicht ganz eindeutig. Bei den Probanden, die die höchste Dosis erhalten hatten, war nach 12 Wochen jedoch ein Anstieg der Durchblutung feststellbar. Er konnte in einer voxelbasierten Analyse auf den vorderen Bereich des Gyrus dentatus lokalisiert werden.

Die Studie bestätigt damit, dass Flavanole aus Kakao oder anderen Pflanzen im Prinzip in der Lage sind, die kognitiven Leistungen zu steigern. Welche Auswirkungen dies im Alltag hat, könnte nur in größeren Studien geklärt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #112971
alstoeffm
am Freitag, 12. März 2021, 10:37

Mehr Kritik in der Berichterstattung ...

... würde ich mir immer wieder wünschen. Auch in diesem Artikel ist der Titel viel "mutiger" als die Autoren der Studie selbst: "Flavanole verbessern kognitive Fähigkeiten" soll wohl heißen, das ist hiermit bewiesen. Die Autoren selbst schreiben"this study raises the possibility that ... flavanol-based dietary interventions may have a beneficial impact on cognitive aging". Diese Vorsicht hat einen guten Grund: die Studie ist formal gesehen negativ, da der primäre Endpunkt keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen zeigte. Nur in den sekundären Endpunkten fanden sich die erwähnten Unterschiede. Solider Wissenschaftsjournalismus sollte soviel kritische Einschätzung eigentlich leisten können.
LNS

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