NewsThemenErnährungDiät und Sport verbesserten in Studie kognitive Fähigkeiten um 8 Lebensjahre
Ernährung

Ernährung

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diät und Sport verbesserten in Studie kognitive Fähigkeiten um 8 Lebensjahre

Donnerstag, 28. November 2019

Ältere Frau fasst sich an den Kopf, weil sie sich nicht erinnern kann. /RFBSIP, stock.adobe.com
/RFBSIP, stock.adobe.com

Durham – Ein 6-monatiges Sportprogramm und eine gesunde DASH-Ernährung haben bei bewegungsarmen älteren Männern und Frauen in einer randomisierten klinischen Studie die kognitiven Fähigkeiten deutlich verbessert. Laut den Publikationen in Neurology (2019; 92: e212-e223) und im Journal of American Geriatrics Society (2019; doi: 10.1111/jgs.16252) konnten die Teilnehmer ihr biologisches Alter um 8 Jahre senken.

Bewegungsarmut und ungesunde Ernährung erhöhen nicht nur das Risiko auf Typ 2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die kognitiven Fähigkeiten lassen im Alter schneller nach. Die ENLIGHTEN-Studie („Exercise and Nutritional Interventions for Neurocognitive Health Enhancement“) hat untersucht, ob ein gezieltes Sportprogramm und eine Umstellung der Ernährung das Rad zurückdrehen können.

Anzeige

An der Studie nahmen 160 Erwachsene im Alter ab 55 Jahren teil. Alle hatten sich vor der Studie sportlich nicht betätigt und ihre kognitiven Fähigkeiten waren mit einem Score von 19 bis 25 Punkten im Montreal Cognitive Assessment (MoCA) leicht beeinträchtigt. Die Grenze zur Demenz war allerdings noch nicht überschritten. Die Diagnose lautete CIND („Cognitive Impairment with No Dementia“). Die Probanden wiesen Gedächtnisprobleme auf, sie hatten Schwierigkeiten beim Denken und beim Treffen von Entscheidungen (exekutive Funktionen). Ein weiteres Einschlusskriterium war das Vorliegen von mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor wie Hypertonie, Hypercholesterinämie, Typ 2-Diabetes oder eine andere chronische Erkrankung.

Die Teilnehmer wurden auf eine von 4 Gruppen randomisiert. Die 1. Gruppe nahm für 6 Monate 3-mal die Woche an einem 45-minütigen aeroben Training teil, in den ersten 3 Monaten unter Aufsicht in einer Reha-Einrichtung, die übrigen 3 Monate zuhause. Sie wurden dabei für jeweils 35 Minuten auf 70 bis 85 % der Herzreserve belastet. Die 2. Gruppe nahm an einer Ernährungsberatung teil. In den ersten 12 Wochen wurden sie einmal die Woche, danach alle 2 Wochen in der DASH-Diät geschult.

Es handelt sich dabei um eine vom US-National Heart, Lung und Blood Institute entwickelte Diät zur Prävention der arteriellen Hypertonie („Dietary Approaches to Stop Hypertension“). Die DASH-Diät ist reich an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und fettarmen Milchprodukten. Die Zufuhr von Salz, zuckerhaltigen Lebensmitteln und Süßgetränken, rotem Fleisch und zugesetzten Fetten wird eingeschränkt.

Die 3. Gruppe nahm an beiden Interventionen teil. In der 4. Gruppe erhielten die Teilnehmer nur eine allgemeine Gesundheitsberatung.

Der primäre Endpunkt der Studie bestand aus einer Reihe von kognitiven Tests mit Schwerpunkt auf den exekutiven Funktionen. Hier kam es sowohl in der Sportgruppe, als auch in der Diätgruppe laut James Blumenthal vom Duke University Medical Center in Durham/North Carolina zu Verbesserungen, die in der Diätgruppe jedoch das Signifikanzniveau nicht erreichten. Die besten Ergebnisse wurden in der Gruppe erzielt, die an beiden Interventionen teilnahm. Die 4. Gruppe bildete die Kontrollgruppe.

Neuer Lebensstil mit nachhaltigem Effekt

Die Verbesserungen waren beträchtlich. Die bewegungsarmen Teilnehmer der Studie hatten laut Blumenthal zu Beginn ein biologisches Alter von im Mittel 93,3 Jahren. Es lag 28 Jahre über ihrem chronologischen Alter. Nach 6 Monaten Sport und Diät kam es zu einer „Verjüngungseffekt“ um 8,8 Jahre mit einem sehr breiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,0 bis 18,7 Jahre. In der Kontrollgruppe waren die Teilnehmer dagegen auch biologisch um weitere 6 Monate gealtert.

Inzwischen ist ein Jahr seit dem Ende der Studie vergangen. In dieser Zeit stand es den Teilnehmern frei, sich weiter sportlich zu betätigen und gesund zu ernähren. Wie Blumenthal berichtet, haben viele Teilnehmer es geschafft, ihren neuen Lebensstil beizubehalten. Auch ein Jahr nach dem Ende der beiden Interventionen war noch eine Verbesserung in den kognitiven Funktionen nachweisbar. Auch die körperliche Fitness der Teilnehmer habe sich nachhaltig verbessert. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #555880
ziebur311265
am Sonntag, 8. Dezember 2019, 00:28

Glaube ich nicht!

Laboratoriumsmedizin - 07.12.2019 | 15:40
" Die Studienteilnehmer hatten zu Beginn ein biologisches Alter von im Mittel 93,3 Jahren und lagen somit im Mittel 28 Jahre über ihrem chronologischen Alter. Nach 6 Monaten Sport und Diät kam es zu einer „Verjüngungseffekt“ um 8,8 Jahre (mit einem sehr breiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,0 bis 18,7 Jahre)."

Da nehme ich einmal an, daß bei den ausgewählten Teilnehmern Komorbiditäten vorhanden waren, die eine Voralterung um 28 Jahre (!!!) verursacht haben. Es ist in unserer Gesellschaft kaum vorstellbar, "gesunde" 65-Jährige in ausreichender Zahl für eine solche Studie zu finden, die wie 93-Jährige imponieren!

Daß angesichts multipler, diverser Komorbiditäten körperliche Betätigung und Diät und Beratung / Zuwendung zu einer Verbesserung des biologischen Alters führen, wundert mich überhaupt nicht. Das allein auf den Sport und eine "gesunder Ernährung" zu reduzieren, greift viel zu kurz. Vermutlich haben die Teilnehmer auch eine bessere Beachtung und Behandlung ihrer Komorbiditäten erhalten, worauf hier leider nicht eingegangen wurde. Das betrifft insbesondere die Gruppe 4, die lediglich eine allgemeine Gesundheitsberatung erhalten hatten, die sie als "biologisch 93-Jährige" ohnehin nicht verarbeiten konnten.

Die Studie scheint mir daher insgesamt wenig Aussagekraft zu besitzen - außer der einen Quintessenz: "Laßt Eure Senioren nicht allein!"

Das ist allerdings ein uralter Hut, den sich in einer Gesellschaft mit Life-Work-Balance und Individual-Egoismus Keiner mehr aufsetzt!
LNS