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Gesetzgebung senkt die Nachfrage nach Süßgetränken in Chile und Großbritannien

Donnerstag, 13. Februar 2020

/AlivePhoto, stock.adobe.com

Santiago/Chile und Oxford – Die Gesetzgebung kann den Verkauf und Konsum von Süßgetränken beeinflussen. In Chile haben zuletzt Warnhinweise auf den Verpackungen sowie ein Werbe- und ein Verkaufsverbot an Schulen den Konsum deutlich gesenkt. In England bieten die Supermarktketten vermehrt energieverminderte Getränke an, um einer Verkaufssteuer zu entgehen. Analysen der beiden Maßnahmen wurden in PLoS Medicine (2020; DOI: 10.1371/journal.pmed.1003015 und 1003025) veröffentlicht.

Chile hat eine der weltweit höchsten Adipositasraten. 3/4 der Erwachsenen und mehr als die Hälfte der Kinder sind übergewichtig oder fettleibig. Die Regierung hat deshalb im Oktober 2014 die Verbrauchssteuern auf Süßgetränke von 13 auf 18 % erhöht.

Gleichzeitig wurde die Steuer auf zuckerarme Getränke auf 10 % gesenkt. Bereits im 1. Jahr kam es zu einem Rückgang der Verkäufe an Süßgetränken um 3,4 %. Im Juni 2016 legte die Regierung nach. Alle Nahrungsmittel müssen seither einen gut sichtbaren Warnhinweis tragen, wenn sie einen hohen Anteil an Zucker, Fetten, Salz und/oder Kalorien enthalten. Der Verkauf dieser Lebensmittel wurde in Bildungseinrichtungen eingeschränkt und Werbung mit der Zielgruppe von Kindern unter 14 Jahren verboten.

Erhebungen des Marktforschungsunternehmens „Kantar Worldpanel“ zeigen, dass der Verkauf der von der Kennzeichnung betroffenen Getränke zwischen 2015 und 2017 um 23,7 % gesunken ist. Die Kalorienzufuhr durch die Getränke ging um 27,5 % zurück, berichtet ein Team um Camila Corvalán von der Universität Chile, das die Auswertung durchgeführt hat. Besonders erfolgreich war die Kampagne, die auf das Verständnis der Konsumenten setzt, in Haushalten mit einem höheren Bildungsniveau.

Falls die Ergebnisse, die auf den Angaben der Befragten beruhen, zutreffen, dann könnten die ambitionierten Reformen in Chile zu den erfolgreichsten weltweit gehören. Welche der Änderungen den größten Einfluss auf das veränderte Verbraucherverhalten hat, konnte die Studie nicht ermitteln. Corvalán vermutet aber, dass die Veränderungen an den Schulen von zentraler Bedeutung sind.

Auch die britische Regierung versucht, den Konsum von Süßgetränken durch gesetzliche Maßnahmen einzuschränken. Die „Soft Drinks Industry Levy“ belegt seit April 2018 Getränke mit mehr als 8 g Zucker pro 100 ml mit einer Zusatzsteuer von 24 Pence pro Liter. Bei einem Gehalt von 5 bis 8 g Zucker pro 100 ml sind 18 Pence pro Liter fällig. Ob dies die Vorliebe (oder Abhängigkeit) der Bevölkerung für Süßgetränke vermindert, steht noch nicht fest.

Peter Scarborough von der University of Oxford und Mitarbeiter haben jedoch durch eine Analyse des Angebots der führenden Supermarktketten ermittelt, dass der Anteil von Getränken mit mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 ml bereits von 52 auf 15 % zurückge­gangen ist. Bei 11 % der Getränke wurde der Zuckergehalt so weit gesenkt, dass keine Abgabepflicht mehr erforderlich ist.

Eine Preisanalyse ergab, dass die „Zuckersteuer“ bei den Markengetränken in etwa der Hälfte der Fälle an die Verbraucher weitergegeben wurde. Bei Getränken mit einem niedrigeren Zuckergehalt ist es laut Scarborough sogar zu Preissenkungen gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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