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Medizin

Intervallfasten kann Gewichtsabnahme erleichtern, verbessert aber nicht den Stoffwechsel

Montag, 26. November 2018

Sowohl beim Intervallfasten als auch bei einer herkömmlichen Diät verringert sich mit dem Körpergewicht das gesundheitsschädliche viszerale Fett (rechts, blau markiert). Unterhautfett (links, pink markiert) gilt als weniger riskant für die Gesundheit | Universitätsklinikum Heidelberg/DKFZ

Heidelberg – Das Intervallfasten mit einer 5:2-Diät, die die Kalorienzufuhr nur an 2 Tagen pro Woche stark einschränkt, hat in einer randomisierten Vergleichsstudie zunächst eine etwas bessere Gewichtsabnahme erzielt als eine konventionelle Reduktionsdiät. Die Vorteile gingen jedoch bald verloren. Die Untersuchung von Laborwerten und Genexpression stützt laut der Publikation im American Journal of Clinical Nutrition (2018; 108: 933-945) nicht die Hypothese einer prinzipiellen Überlegenheit des Intervallfastens.

Intervallfasten liegt im Moment im Trend. Zwei Fastentage in der Woche sollen den Stoffwechsel entschlacken und zugleich das Einhalten der Diät erleichtern. Denn die Betroffenen können ihre Ernährungsgewohnheiten an den anderen fünf Tagen der Woche beibehalten. Gerade dieser Punkt stört Experten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält das Intervallfasten nicht für sinnvoll, um langfristig das Gewicht zu regulieren.

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Wissenschaftliche Studien sind rar. Die bisher größte Studie zum Intervallfasten wurde in den letzten Jahren vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) und dem dortigen Universitätsklinikum durchgeführt. An der HELENA-Studie (für „Nutrition and Energy Restriction for Cancer Prevention“) nahmen 150 übergewichtige oder adipöse Nichtraucher (Body-Mass-Index 25 bis 40) mit normalen Blutzuckerwerten (Nüchternglukose unter 125 mg/dl, HbA1c unter 6,5 %) im Alter von 35 bis 65 Jahren teil.

Die Teilnehmer wurden mit dem Los auf 3 Gruppen verteilt. Die erste Gruppe führte in den ersten 12 Wochen ein Intervallfasten nach der 5:2-Methode durch. Die Teilnehmer wurden gebeten, an 2 Tagen in der Woche ihre Energiezufuhr auf 25 % des Bedarfs zu senken. An den anderen 5 Tagen waren 100 % erlaubt, was über die Woche eine Kalorieneinsparung um etwa 20 % ergibt.

Die zweite Gruppe erklärte sich zu einer kontinuierlichen Restriktionsdiät über 12 Wochen bereit. Die Energiezufuhr wurde in dieser Zeit an allen Tagen um 20 % gesenkt. Die dritte Gruppe erhielt lediglich, wie die anderen beiden Gruppen, eine Beratung zur gesunden Ernährung, musste aber keinen konkreten Diätplan verfolgen.

An die Interventionsphase schloss sich eine 12-wöchige Erhaltungsphase an, in der die Teilnehmer ihr Gewicht halten sollten. Eine Abschlussuntersuchung fand nach einem Jahr statt.

Kurzfristige Wirkung

Wie das Team um Ruth Schübel vom DKFZ berichtet, hat das Intervallfasten zunächst bessere Ergebnisse auf der Waage erzielt. Die Teilnehmer verloren im Mittel 7,1 % an Gewicht gegenüber 5,3 % unter der konventionellen Reduktionsdiät. Auch die Teilnehmer der Kontrollgruppe nahmen in dieser Zeit um 3,3 % ab. Eine Diätberatung allein kann demnach – wenigstens kurzfristig – durchaus eine Wirkung erzielen.

Der Glukosestoffwechsel entwickelte sich dagegen unter der konventionellen Reduktionsdiät günstiger. Die Nüchternglukose war niedriger und die Insulin­empfindlichkeit im HOMA-IR-Index besser als in der Gruppe, die die Kalorienzufuhr nur an 2 Tagen in der Woche eingeschränkt hatte. Bei den meisten Laborwerten zum Lipidmetabolismus, zur Leberfunktion, zu Entzündungsparametern und zu den Adipokinen gab es laut Schübel jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

In der Nachbeobachtungszeit ging der Gewichtsvorteil des Intervallfastens verloren. Die Gewichtsreduktion betrug nach einem Jahr 5,2 % gegenüber 4,9 % nach der konventionellen Reduktionsdiät. Die Diätberatung allein hatte mit einer Gewichtsabnahme um 1,7 % ihre Wirkung weitgehend eingebüßt.

Diäten im Vergleich

Schübel schätzt die Erfolgschancen der beiden Diäten insgesamt als gleich ein. Dies gilt auch für die Auswirkungen auf den Stoffwechsel des viszeralen Fettgewebes, die der primäre Endpunkt der Studie waren. Die Forscher hatten vor Beginn der Studie und am Ende der Interventionsphase die Expression von 82 Genen bestimmt. Ausgewählt wurden Gene, die die Adipositas mit chronischen Krankheiten verknüpfen.

Jede Gewichtsreduktion wirkte sich günstig auf die Expression verschiedener Enzyme oder Stoffwechselzwischenprodukte aus. Dysfunktionelle Signalwege wurden wieder auf die richtige Bahn geführt. Unterschiede zwischen den beiden Diäten waren laut Schübel nicht zu erkennen. Danach spielt es weniger eine Rolle, wie die Gewichtsreduktion erzielt wird, als dass sie überhaupt gelingt und erhalten werden kann.

Schon ein kleiner Diäterfolg ist dabei ein großer Gewinn für die Gesundheit: Wer sein Körpergewicht nur um 5 % reduziert, verliert laut den Studienergebnissen um 20 % des gefährlichen Bauchfetts und sogar über ein Drittel des Leberfetts, berichten die Forscher. Wichtig für die Gesundheit ist jedoch, dass die einmal erzielte Gewichts­reduktion erhalten bleibt. Dies lässt sich nach einem Jahr in der Regel noch nicht feststellen. Die Frage, ob das Intervallfasten eher in der Lage ist, einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden, bleibt daher unbeantwortet.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #712389
uli.opfermann
am Montag, 26. November 2018, 20:10

2 Tage IF reichen nicht

...Es sollten mindestens 5 von 7 Tagen sein. Dann stellt sich auch eine dauerhafte Gewichtsabnahme ein. Idealerweise aber unterstützt durch mehr körperliche Bewegung.
LNS