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Politik

Robert-Koch-Institut hält Covid-19-Pandemie für möglich

Mittwoch, 12. Februar 2020

/picture alliance, Xinhua

Berlin – Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 könnte nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) international in größerem Ausmaß um sich greifen. „Die globale Ent­wicklung legt nahe, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung des Virus im Sinne einer Pan­demie kommen kann“, heißt es in einem Bericht, den das Berliner Institut heute im Internet veröffentlicht hat.

Davon seien Länder mit geringen Ressourcen im Gesundheitssystem besonders stark betroffen. „Aber auch in Ländern wie Deutschland könnte dies zu einer hohen Belastung der medizinischen Versorgung führen“, hieß es.

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Die Experten schreiben auch, dass ein Aufeinandertreffen mit einem Infizierten für Men­schen in Deutschland derzeit sehr unwahrscheinlich sei. Die Einschätzung könne sich aber jederzeit ändern. Die Situation entwickle sich sehr dynamisch und müsse ernst genommen werden.

Aktuell empfehle man eine Strategie der Eindämmung, erklärte das RKI. Versucht werde, Infizierte möglichst früh zu erkennen. Deren Kontaktpersonen sollen vorsichtshalber 14 Tage in Quarantäne verbringen. Selbst wenn nicht alle Erkrankten und ihre Kontakte rechtzeitig gefunden würden, bewirkten diese Schritte eine verlangsamte Ausbreitung des Erregers in der Bevölkerung, hieß es.

„Eine Erkrankungswelle in Deutschland soll hinausgezögert und deren Dynamik abge­schwächt werden.“ Ziel sei es, Zeit zu gewinnen – etwa für Vorbereitungen und um mehr über das Virus zu erfahren. Möglichst vermieden werden soll demnach, dass eine Covid-19- und die derzeit auch in Deutschland laufende Grippewelle zusammenfallen.

Dies könne zu „maximaler Belastung“ der medizinischen Versorgung führen, wird be­fürch­tet. Das RKI verweist darüber hinaus auf viele noch offene Fragen. So hingen die Auswirkungen einer möglichen Ausbreitung auf die Bevölkerung hierzulande von verschiedenen Faktoren ab, die aktuell noch nicht einzuschätzen seien.

Spahn: EU muss mehr tun

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat heute eine stärkere finanzielle Be­teili­gung der Europäischen Union (EU) am Kampf gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 gefordert. Zudem mahnte er vor dem morgigen Treffen der EU-Gesundheitsminis­­ter in Brüssel ein gemeinsames Vorgehen an.

Er wünsche sich eine Einigung auf Mittel aus dem EU-Haushalt zur Forschung im Kampf gegen das Virus, sagte Spahn nach einer Unterrichtung des Gesundheitsausschusses des Bundestags heute in Berlin.

„Und ich möchte auch erreichen (...), dass die Bitte der Welt­gesund­heits­organi­sation nach finanzieller Hilfe nicht nur von den Nationalstaaten beantwortet wird, sondern dass auch die Europäische Union mit Haushaltsmitteln sich verantwortlich fühlt.“

In der EU wolle er zudem erreichen, „dass wir uns darauf verständigen, dass wir abge­stimmt vorgehen“. Spahn wies darauf hin, dass „ganz abgestimmt“ schon nicht mehr mög­lich sei, „weil einzelne Länder den ganzen Flugverkehr zu China ja schon eingestellt ha­ben, etwa Italien“.

Für Deutschland gelte: Bei ankommenden Direktflügen müssten die Piloten vor der Lan­dung eine Meldung an den Tower machen, ob es Passagiere mit Symptomen an Bord ge­be oder nicht. Außerdem gelte, dass die Information hinterlassen werden müsse, wo sich die Passagiere 30 Tage nach Ankunft aufhalten. „Alle darüber hinausgehende Maßnah­men müssten erst einmal in Deutschland und idealerweise in Europa abgestimmt wer­den.“

Nicht mehr im Normalmodus

Der Minister machte deutlich, dass eine Ausweitung der regional begrenzten Epidemie zu einer weltweiten Pandemie möglich sei. „Es könnte auch noch schlechter werden, bevor es besser wird.“ Ohne Zweifel nicht ausgeschlossen werden könne auch, dass sich die Zahl der bisher 16 Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland noch erhöhe.

„Wir sind schon länger nicht mehr im Normalmodus – schon alleine um wachsam zu sein, um gut vorbereitet zu sein“, sagte Spahn. Die Behörden stünden täglich, manchmal stünd­lich mit Telefonkonferenzen in Kontakt – deutschlandweit und international.

Die Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europaparlament (EVP) haben sich heute ebenfalls für eine einheitliche Reaktion der EU auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 stark gemacht. In den einzelnen Mitgliedsstaaten gebe es unterschiedliche Herangehens­weisen, kriti­sier­­te der Vorsitzende der EVP-Fraktion, Manfred Weber, in Straßburg.

Die EU müsse end­lich eine gemeinsame Strategie haben. Die Fraktion schlug vor, dass alle Reisenden bei der Einreise in die Europäische Union einen Fragebogen ausfüllen müssen, um einer wei­teren Verbreitung des Virus besser vorbeugen zu können.

In dem Fragebogen sollten beispielsweise neben grundsätzlichen Kontaktdaten auch Rei­sen nach China und Asien eingetragen werden, erklärte der italienische EVP-Abgeordnete Antonio Tajani. Auch ob in den 30 Tagen vor Einreise Grippe-Symptome vorlagen, solle festgehalten werden. Falsche Angaben müssten geahndet werden, sagte Tajani.

Alle EU-Länder müssten einen einheitlichen Ansatz beim Umgang mit Einreisenden ha­ben, betonte Vize-Vorsitzende Esther de Lange. Die Fraktion appellierte auch an EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.

Zahl der Opfer steigt

Die Zahl der Todesopfer in China durch das neuartige Coronavirus ist heute auf mehr als 1.100 gestiegen. Wie die chinesische Regierung heute mitteilte, starben weitere 97 Men­schen in Festlandchina an den Folgen der Infektion. Die offizielle Gesamtzahl der Todes­fälle in Festlandchina nahm damit auf 1.113 zu.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, stehen die Ärzte im Epizentrum der neuarti­gen Virus-Epidemie in der chinesischen Millionenstadt Wuhan vor einer kaum zu bewälti­gen­den Herausforderung. Seit Wochen müssen sie eine stetig wachsende Zahl von Pa­tien­­ten behandeln und riskieren dabei, mangels ausreichenden Schutzes selbst ange­steckt zu werden.

„Sie sind erschöpft und stehen unter enormem Druck“, berichtet eine Ärztin aus einem großen Krankenhaus von Wuhan, das nur schwere Fälle aufnimmt, AFP. „Meine Kollegen haben keine Zeit zum Essen oder Trinken, sie schaffen es nicht einmal, auf die Toilette zu gehen“, berichtete die Ärztin weiter. Ihren Namen will sie aus Angst vor Repressalien nicht nennen.

In den Krankenhäusern der zentralchinesischen Metropole, wo das neue Coronavirus Sars-CoV-2 im Dezember seinen Ausgang nahm, herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Rund 43 Prozent der über 44.000 Infektionsfälle auf dem chinesischen Festland und 74 Prozent der über 1.100 Todesfälle konzentrieren sich auf Wuhan.

Seit Wochen betreuen Ärzte und Pfleger die Patienten, ohne über ausreichende Schutzan­zü­ge und Atemschutzmasken zu verfügen. Ein Arzt in einer kleineren Stadtteilklinik von Wuhan berichtet, dass er und mindestens 16 Kollegen die typischen Symptome des Coro­navirus wie Husten und Lungeninfektionen zeigen.

„Als Ärzte wollen wir natürlich nicht arbeiten, während wir vielleicht ansteckend sind“, sagte er. „Doch es gibt im Moment einfach niemanden, der uns ersetzen könnte.“ Nach seinen Angaben wurden alle Ärzte, die kein Fieber haben, angewiesen, weiter zu arbei­ten.

Ärzte opfern sich auf

Der Tod des Augenarztes Li Wenliang am vergangenen Freitag, der als erster vor dem neuen Virus gewarnt hatte und sich dann selbst bei einem Patienten ansteckte, warf ein Schlaglicht auf die Gefahren, denen die Ärzte in der Stadt ausgesetzt sind. Am selben Tag räumte Wuhans stellvertretender Bürgermeister Hu Yabo einen täglichen Mangel von 56.000 Masken und 41.000 Schutzanzügen ein.

Jiao Yahui von der chinesischen Gesundheitskommission berichtet, dass viele Ärzte unter ihren Schutzanzügen Windeln tragen und sich den Gang auf die Toilette verkneifen, um einen Wechsel der raren Anzüge hinauszuzögern.

Viele Mediziner und Pfleger auf den Isolierstationen tragen demnach bis zu neun Stunden lang ihre Schutzkleidung, obwohl sie eigentlich alle vier Stunden lang gewechselt werden müsste. „Natürlich heißen wir diese Methode nicht gut, aber sie haben keine andere Wahl“, sagt Jiao.

Zwar wurden Produktion und Import von Masken und Schutzanzügen inzwischen deutlich erhöht, doch helfe das nur wenig, berichtete die Ärztin der Großklinik in Wuhan. „Selbst wenn wir mehr Masken bekommen – die Zahl der Patienten steigt noch schneller.“

Einige Ärzte bastelten sich inzwischen selbst Schutzanzüge, die aber keinen wirklichen Schutz gegen das Virus böten, sagt Xu Yuan. Die 34-Jährige lebt in den USA, steht aber in ständigem Kontakt mit ehemaligen Klassenkameraden, die in den Krankenhäusern von Wuhan arbeiten. Sie spendete ihnen für 5.000 Dollar Schutzausrüstung.

Einer ihrer Freunde habe fünf Tage lang denselben Behelfs-Schutzanzug getragen, erzählt Xu. „Jeden Tag desinfiziert er ihn nach dem Tragen. Er sagt, das sei wahrscheinlich sinnlos, aber immer noch besser als nichts.“

Ihre Kollegen, die ausschließlich schwerkranke Patienten behandeln, stehen noch unter einem ganz anderen Druck, berichtet die Ärztin vom Großkrankenhaus in Wuhan. Sie müssten damit umgehen, dass viele Patienten „ganz schnell sterben und nicht gerettet werden können“. In ihrem Krankenhaus gebe es nun psychologische Betreuung, die dafür sorgen soll, dass das überarbeitete Personal nicht zusammenbreche. © dpa/afp/may/aerzteblatt.de

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Avatar #812384
Rouressedly1983
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 16:17

Sehr gut

Ich finde es sehr gut, dass es so Offen gesagt wird, dass es keinen
Normalmodus mehr gibt und die Länder der EU auch etwas einheitlicher gemacht werden muss.
Avatar #767798
Cryonix
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 18:11

Fehlerhafter Link!

Der Link zum RKI Bericht ( _Bericht_) hat einen Syntaxfehler!
Es fehlt der : nach https - richtig ist https:// - es steht aber https//
das ergibt im einen redirect nach www.https.com
und Ausgabe der Seite http://w w w.homeimprovement.com/
( Anm. bitte löschen nach Korr - Danke)
LNS