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Politik

Fachgesellschaften wollen Anpassung der PCR-Testverordnung

Dienstag, 23. Juni 2020

/picture alliance, Matthieu Botte, MAXPPP

Berlin – Die Regelungen der Coronatestverordnung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) sorgen weiter für kritische Stimmen. In einem dem Deutschen Ärzteblatt vorlie­gen­den Schreiben der Rehabilitationsfachgesellschaften an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) wird auf weiterhin bestehende Regelungs- und Erstattungslücken für Testungen asymptomatischer Personen hingewiesen.

Da Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen bei der Testung asymptomatischer Per­so­nen in der Verordnung nicht berücksichtigt sind, bestehe keine Möglichkeit der Kosten­übernahme für Patienten vor oder nach Aufnahme in eine Rehaeinrichtung und auch kei­ne Kostenübernahme für präventive Testungen von Mitarbeitern in Vorsorge- und Reha­ein­richtungen, so die Fachgesellschaften.

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Das Kostenübernahmen laut Verordnung nur im Zusammenhang mit einem konkreten po­sitiven Fall oder Ausbruchsgeschehen erfolgen sollen, trage nicht zur effektiven Verhin­de­­rung von Ausbrüchen in Rehabilitationskliniken bei.

In Anbetracht von mehr als 1.000 Rehabilitationseinrichtungen mit mehr als 150.000 Betten in Deutschland sehe man es daher als erforderlich an, diesen Bereich in die Prä­ven­tion einzubeziehen.

Haben sich gemeinsam an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) gewendet: Die Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR), die Deutsche Ge­sell­schaft für Epidemiologie (DGEpi), die Deutsche Gesellschaft für Klinische Psychothe­rapie, Prävention und Psychosomatische Rehabilitation (DGPPR), die Deutsche Gesell­schaft für Kranken­haushygiene (DGKH), die Deutsche Gesellschaft für Physikalische und Rehabilitative Me­dizin (DGPRM), die Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beat­mungsmedizin (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankun­gen (DGPR) sowie die Deutsche Gesellschaft für Rehabilitations­wissenschaften (DGRW) –

Es sei „nicht zielführend, in der kontinuierlichen Behandlungskette Akutbehandlung – Rehabilitation – ambulante (pflegerische) Versorgung nur dem ersten und letzten Seg­ment die Möglichkeit präventiver Kontrollen zu geben und dem Bindeglied nur dann, wenn es zu Fällen beziehungsweise Ausbrüchen gekommen ist“.

Die Lücke sei auch insofern unverständlich, weil Testungen im Vorfeld ambulanter Ope­rationen, die sich nur über einige Stunden erstrecken, abgedeckt seien, nicht aber mehr­wöchige medizinische Rehabilitationen mit intensiver therapeutischer Behandlung in­mitten einer größeren Zahl von gemeinschaftlich untergebrachten Patienten, so heißt es in dem Schreiben. Im Sinne einer umfassenden Infektionskontrolle bitten die unterzeich­nenden Fachgesell­schaften um eine entsprechende Anpassung der Verordnung.

Eine Anpassung der Verordnung soll es nach Informationen des Deutschen Ärzteblattes für ambulante Pflegedienste geben. Während die Verordnung regelmäßige Tests für Pfle­gefachkräfte in Heimen vorsieht, ist dies für ambulant-tätige Fachkräfte nicht vorgesehen. Dies soll aber zügig geändert werden, erklärte der Vorsitzende des Gesundheitsausschuss im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Auch im Bereich der Kostenerstattung für die PCR-Tests gibt es weiter Diskussionen: Hier hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss vor zwei Wochen einen Preis von 39,40 Euro pro Test festge­legt, mit den Stimmen der Krankenkassen und der Unparteiischen Mitglieder, gegen die Voten der Vertragsärzte. Die Labormediziner sehen diesen Preis als nicht gerechtfertigt an.

Daher appellierte Michael Müller, erster Vorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) erneut an Selbstverwaltung und das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium: „Die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses muss unbedingt ausgesetzt und überdacht werden.“ Man werde den Beschluss „nicht einfach so hinnehmen“, hieß es, er solle neu verhandelt werden.

„Wer testen, testen, testen als sinnvolle Strategie sieht, der wird auch unsere Forderung unterstützen, dass die GKV die Tests und diejenigen, die sie durchführen, angemessen bezahlt“, so Müller weiter. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium kann den Beschluss, der zum 1. Juli in Kraft tritt, noch beanstanden. © bee/aha/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 23:30

Niedergelassene Laborärzte

haben die gleichen Knebelverträge mit der KV wie die übrigen niedergelassenen Ärzte. Das bedeutet, sie dürfen nicht einfach eine Leistung verweigern, wenn sie ihre KV-Zulassung nicht registrieren wollen. Vertragsfreiheit gilt nur dort, wo die Abrechnung nach GOÄ erfolgt.

Was die Kosten für eine Sars-CoV-2 PCR betrifft, kann man in etwa so kalkulieren: 60€ pro Test sind ein Ansporn um neue Geräte zu kaufen und Überstunden beim Personal zu bezahlen. Damit kann die Kapazität schnell gesteigert werden. Bei 50€ pro Test können alle gut leben. Einige schreiben eine schwarze Null, einige machen Gewinn. Bei 40€ pro Test werden bei einigen Testsystemen nicht mehr die Reagenzkosten gedeckt. Einige kleine Anbieter ziehen sich zurück, die Anderen werden ihre Laborabläufe optimieren. Bei 30€ pro Test werden nur einige wenige Großlabore mit hohem Automatisierungsgrad übrig bleiben, die dann noch wirtschaftlich sind.

Was hat das für Konsequenzen? Es geht hier um die EBM-Abrechnung und evtl. um die Zusatzentgelte für Krankenhäuser bei der Testung ihrer Patienten. Die GOÄ-Abrechnung ist weiterhin frei verhandelbar und Krankenhäuser zahlen beim niedergelassenen Labor ca. 50€ pro Test (in dem Bereich, den ich überschauen kann).

Den niedergelassenen Hausärzten oder den Gesundheitsämtern kann es theoretisch egal sein, ob die Laborärzte Gewinn machen. Aber es gibt trotzdem Konsequenzen. Zuerst werden Serien optimiert und Überstunden/Wochenendarbeit reduziert. Wenn das nicht reicht, werden die Proben an ein größeres Labor mit größeren Automaten verschickt. All das bedeutet längere Transportwege und damit eine längere Befundlaufzeit und eine schlechtere Probenqualität. (Ein normales niedergelassenes Labor ist akkreditiert und bekommt Probleme, wenn der Probentransport länger als 4 Stunden dauert. Eine Verschickung kann theoretisch auch auf dem Postweg erfolgen).

Der worst case könnte dann so aussehen: Freitag Vormittag gehen z.B. Mitarbeiter eines Schlachthofs wegen eines grippalen Infektes zu ihrem Arzt. Freitag abend ist der Abstrich im lokalen niedergelassenen Labor. Montag gehen die Proben in die Post und kommen am Dienstag im Großlabor an. Sie werden am Mittwoch getestet und die Befunde am Abend per Fax an das Einsenderlabor verschickt. Am Donnerstag Vormittag werden der einsendende Arzt und das lokale Gesundheitsamt über den Befund informiert. Angenommen es handelt sich um einen Ausbruch, dann waren von 10 Patienten 8 positiv, aber von den 8 positiven Patienten haben 2 nur eine geringe Viruslast und sind durch den langen Transport falsch negativ. Angenommen die ersten Patienten sind die Vorboten eines Superspreaderereignisses, dann kann bei einer Befundlaufzeit von 6 Tagen und einer Sensitivität von 75% (im worst case scenario) das lokale Gesundheitsamt mit der Dynamik des Ausbruchs schnell überfordert sein. Ein überregionaler Lockdown wäre dann die Folge. Hauptsache, die Krankenkassen haben ein paar Euro gespart. Man muss halt Prioritäten setzen.
Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 14:46

Mehr haben die Laborärzte nicht zu bieten? Dann geht nach Hause!

Was unterscheidet große Labore von Industriefirmen? Nichts (wesentliches).

Wenn eine Firma ein Preisdiktat vom Staat für ein bestimmtes Produkt erfahren hätte und dieser Preis unzureichend wäre, wie würde die Firma darauf reagieren? Dieses Produkt würde ab morgen schlicht nicht mehr angeboten.

Und dann? „Es gibt doch eine große Nachfrage“ werden GKV und Politiker barmen „und ihr müsste doch testen. Kann außer euch doch keiner.“ Wenn die Labore bei einem Preis von 39,40Euro nicht einen einzigen PCR-Test anbieten, aber zum Preis von 52,40Euro jede beliebige Nachfrage bedienen werden, dann nennt sich das „Markt“. Dann kann sich die Nachfrageseite überlegen, ob sie auf das Angebot des Anbieters eingeht.

Solange die Labore beim Preis von 39,40Euro noch einen einzigen PCR-Test anbieten, machen sie sich unglaubwürdig. Entweder ist der Preis von 39,40Euro ausreichend, dann bitte sofort aufhören zu jammern. Oder der Preis ist unzureichend, dann wird nicht ein einziger Test mehr durchgeführt.

Wer wenn nicht die Laborärzte haben in der aktuellen Lage nahezu unbegrenzte Marktmacht, soweit es um PCR-Tests geht? Also entweder Flagge zeigen oder schweigen und damit eingestehen, dass man gelogen hat.
LNS

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