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Medizin

Protonenpumpen-Inhi­bitor erweist sich in Langzeitstudie als sicher

Dienstag, 11. Juni 2019

/photophonie, stockadobecom

Hamilton/Ontario – Die 3-jährige Behandlung mit dem Protonenpumpen-Inhibitor (PPI) Pantoprazol hat in einer randomisierten Langzeitstudie in Gastroenterology (2019; doi: 10.1053/j.gastro.2019.05.056) nicht zu den Komplikationen geführt, die aufgrund von mehreren epidemiologischen Studien der letzten Jahr befürchtet worden waren. Darminfektionen, auch durch C. difficile, traten jedoch etwas häufiger auf.

PPI blockieren die Produktion von Salzsäure im Magen. Sie haben sich nicht nur bei der Behandlung von peptischen Ulzera und beim gastroösophagealen Reflux bewährt. Aufgrund ihrer guten Verträglichkeit werden sie immer häufiger auch prophylaktisch eingesetzt – etwa zur Vorbeugung von Magenblutungen beim Einsatz von Antikoagulanzien.

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Die Unterdrückung der Salzsäureproduktion könnte jedoch das Risiko von Darm­infektionen erhöhen, da eine Funktion der Magensäure darin besteht, die Nahrungsmittel vor dem Weitertransport in den Dünndarm zu desinfizieren. Tatsächlich wurden in den letzten Jahren in epidemiologischen Studien Hinweise für schädliche Auswirkungen gefunden. Patienten, die regelmäßig PPI einnahmen, erkrankten häufiger an Darminfektionen, darunter auch an den gefürchteten C.-difficile-Infektionen, die sich durch Antibiotika oft nur zeitweise eindämmen lassen, da die Erreger infolge der PPI zu einem festen Bestandteil der Darmflora geworden sind. Andere Studien haben die PPI auch mit Pneumonien, Nierenfunktionsstörungen oder Neuerkrankungen an Diabetes oder mit Demenzen in Verbindung gebracht.

Die COMPASS-Studie bot jetzt die Gelegenheit, die Vermutungen in einer rando­misierten kontrollierten Studie zu überprüfen. Die Studie hat primär untersucht, ob das orale Antikoagulans Rivaroxaban (alleine oder in der Kombination mit Acetylsalicylsäure) Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) vor weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Da Rivaroxaban und Acetylsalicylsäure gastrointestinale Blutungen verursachen können, wurde in einer weiteren Rando­misierung untersucht, ob die regelmäßige Einnahme des PPI Pantoprazol dies verhindern kann.

Von den Patienten, die vor Beginn der Behandlung noch keine PPI einnahmen, wurden in der COMPASS-Studie 8.791 auf die prophylaktische Behandlung mit Pantoprazol (40 mg/die) randomisiert. Die übrigen 8.807 Patienten erhielten Placebos. Die Studiendauer betrug median 3,01 Jahre.

Wie Paul Moayyedi vom Population Health Research Institute an der McMaster University in Hamilton im kanadischen Bundesstaat Ontario und Mitarbeiter jetzt berichten, haben sich die meisten gegen PPI hervorgebrachten Sicherheitsbedenken nicht erfüllt. Es kam nicht zu einem Anstieg von Pneumonien oder chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen. Die Patienten im Pantoprazol-Arm erkrankten auch nicht signifikant häufiger an Knochenbrüchen, chronischen Nierenerkrankungen, Diabetes, Demenzen oder Krebs. Einzig das Risiko von Darminfektionen war leicht erhöht. Laut Moayyedi erkrankten in der Pantoprazolgruppe 1,4 % der Patienten an enterischen Infektionen gegenüber 1,0 in der Placebogruppe. Die Odds Ratio von 1,33 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,75 signifikant. Das relative Risiko war demnach um 33 erhöht. Doch mit einem absoluten Anstieg der Darminfektionen um 0,4 Prozentpunkte in 3 Jahren bleibt die Gefahr überschaubar.

Dennoch muss im Einzelfall mit dem Auftreten einer C.-difficile-Infektion gerechnet werden. Das Risiko war unter der PPI-Behandlung (statistisch nicht signifikant) doppelt so hoch wie in der Placebogruppe. Doch mit 13 Ereignissen in der Pantoprazolgruppe scheint die Gefährdung für den einzelnen Patienten gering zu sein. Nach Einschätzung der American Gastroenterological Association widerlegt die COMPASS-Studie die meisten Sicherheitsbedenken, die in den letzten Jahren gegen den Einsatz von PPI erhoben wurden. Ein gewisses Infektionsrisiko ist vorhanden, es sei jedoch deutlich niedriger, als die Ergebnisse der Beobachtungsstudien vermuten ließen, meint auch Moayyedi. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #775311
Quisille
am Samstag, 15. Juni 2019, 12:38

Betroffen

Suche immer wieder als Patientin nach verlässlichen Informationen zur Langzeiteinnahme von PPI.
Aber die Verunsicherung nimmt immer weiter zu. Nehme die PPI seit fast 20 Jahren. Bin eindeutig abhängig, habe aber außer Abhusten keine Nebenwirkungen zu verzeichnen und fühle mich sehr wohl.
Wie kann man man davon loskommen ? Habe es schon geschafft, die Medikation zu halbieren. Mehr nicht. ansonsten habe ich eine Einschränkung der Lebensqualität zu verzeichnen. Wäre für Hinweise dankbar.
Avatar #727359
svenne
am Mittwoch, 12. Juni 2019, 07:12

langzeit? schwachsinn!

3 Jahre ist unter "PPI Abhängigen" kein Zeitraum. Ich habe bei meinen Patienten zu 75 % Nebenwirkungen, auch schon nach Kürzere Einnahme. Und nehmen sie es über 5 Jahre ein oder gar schon seit Markteinführung, häufen sich die Polyneuropathien (B12 Mangel). Die genauen Zahlen kommen noch ( interne Qualitätskontrolle). Sei es drum, gibt schon genug Veröffentlichung die das zeigen.
Avatar #739272
isabel45
am Dienstag, 11. Juni 2019, 20:45

Protonenpumpen-Inhi­bitor erweist sich in Langzeitstudie als sicher

Aha, jetzt plötzlich?nach den uneingeschränkten BERECHTIGTEN Dauer-Warnungen (eigene schlechte Erfahrungen)vor den PPIs wurden sie wohl nicht mehr genug verkauft??
Wobei vielleicht bei den angegebenen Infektionen die neueste Forschung stimmt, NUR: Mit Dauereinnahme von PPIs gibt es keine Verdauung mehr, die PPs werden ruiniert!!!.DAS sollte man nicht übersehen.(Nochmals:Eigene Erfahrung!)
LNS