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Psychische Erkrankungen bei Männern weiterhin ein Tabu

Mittwoch, 24. April 2013

Berlin – Seelische Leiden bei Männern sind stigmatisiert und tabuisiert. Eine gesell­schafts­politische und medizinische Auseinandersetzung mit dem Thema ist überfällig. Dieses Fazit zieht die Stiftung Männergesundheit aus ihrem zweiten sogenannten Männergesundheitsbericht. Er geht besonders auf die psychische Situation von Männern ein.

Danach haben neun Prozent der Männer haben eine therapeutisch festgestellte Depression, das sind 3,6 Millionen in Deutschland. Die Dunkelziffer von Depressionen in der männlichen Bevölkerung ist aber laut der Stiftung ein Vielfaches höher. Das signalisiere die Entwicklung der Suizidrate, die bei Männern zwischen 2009 und 2011 um neun Prozent gestiegen sei.

Das sogenannte Geschlechterparadoxon – mehr diagnostizierte Depressions­erkran­kungen bei Frauen, aber eine deutlich erhöhte Suizidrate bei Männern – zeigt laut der Stiftung, wie stark seelische Erkrankungen von Männern tabuisiert und stigmatisiert seien. Darüber hinaus seien sie unterdiagnostiziert und unterversorgt.

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Ein Grund dafür sei, dass psychische Erkrankungen nicht in das männliche Selbstbild passten und die Betroffenen sie häufig vehement negierten. Außerdem äußerten sich seelische Erkrankungen häufig geschlechtsspezifisch unterschiedlich: Männer seien bei Depression beispielsweise häufiger aggressiv und neigten zu Risiko- und Suchtver­halten. „Der Abbau der Tabuisierung, die psychische Krankheitsbilder unter Männern erfahren, ist also eine dringende gesellschaftliche Aufgabe“, hieß es aus der Stiftung.

Männer sind keine Präventionsmuffel
Der Bericht tritt außerdem der Auffassung entgegen, Männer stünden Präventions­angeboten ablehnender gegenüber als Frauen. „Männer sind gut für Präventions­angebote zu erreichen. Sie müssen nur der Lebenswirklichkeit der Männer angepasst sein. Und genau das lassen viele geschlechtsunspezifische Angebote vermissen“, sagte Matthias Stiehler, Mitherausgeber des Männergesundheitsberichtes 2013 und Vorsitzender des Dresdener Instituts für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft eV.

Die Stiftung fordert daher interdisziplinäre Männergesundheitszentren, in denen besonderer Wert auf Prävention und Aufklärung gelegt werden sollte. © hil/aerzteblatt.de

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